Urberacher Quartiersgruppe beim Waldrundgang mit der Försterin

Von schwarzen und roten Ringen an Bäumen

Nicht nur der Blick nach oben lohnte sich bei der Waldbegehung, sondern auch unten gabs vieles zu entdecken, das Försterin Gabriele Rutschmann-Becker stets interessant erklären konnte. Foto: Ziesecke

Rödermark (chz) – Beim Rödermark-Putz Mitte März kamen Mitglieder der Quartiersgruppe Urberach über die Rödermärker Wälder ins Gespräch und hatten daraufhin Försterin Gabriele Rutschmann-Becker von Hessen-Forst um nähere Informationen gebeten. Schließlich ist sie fast jeden Tag hier unterwegs und kennt jeden Baum – obwohl sie rund 1200 Hektar Waldgebiet betreut, davon 1000 Hektar Rödermärker Besitz; der Rest ist Staatswald.

Sie brachte die vielen tief durchatmenden Waldbesucher – den rund zehn Mitgliedern der Quartiersgruppe hatten sich noch viele weitere angeschlossen – erst einmal auf den Boden der idyllischen Umgebung zurück: vieles an so einem als natürlich schön empfundenen Wald ist tatsächlich von Menschenhand und –hirn gezielt geplant. In einem Wirtschaftsplan ist die Entwicklung des Waldes langfristig konzipiert; zur Umsetzung hilft die heutige Technik, so etwa die großen Harvester-Kraftpakete mit Rüttelzügen und Lasersägen, die in einem Tag so viel Arbeit erledigen können wie früher zwei Waldarbeiter in vier Wochen. Nur die interessanten Bäume etwa werden noch von den Forstmeistern selber gefällt. Besonderheiten in so einem Waldstück sind etwa die Habitats- oder Biotopbäumen, die der Natur überlassen bleiben, weil sie einen besonderen Wuchs oder eine Höhle im Stamm etwa beherbergen, in die sich oft erst Spechte und anschließend Fledermäuse zurückziehen. Sie sind mit einem schwarzen Ring gekennzeichnet, pro Hektar sollten dies mindestens zehn Bäume sein, besagt die Vorschrift. Doch es gibt auch andersfarbige Markierungen, etwa für „Z“- oder Zukunftsbäume mit schönen Kronen und geradem Wuchs, die nicht gefällt werden – sie werden regelmäßig beobachtet, im Schnitt erreichen von 100 „Z“-Bäumen etwa 80 das gewünschte Alter von bis zu 200 Jahren. Rote Ringe dagegen bedeuten: diese Bäume werden im Sommer gehauen.

Dass die Wälder hier manchmal etwas verrupft aussehen, ist dem Schneebruch im Winter 2010/2011 zu verdanken. Die gebrochenen Bäume wurden weitgehend mit der Maschine entfernt, doch das Grün im Unterholz hat sich dadurch stärker natürlich verjüngt über vom Eichelhäher verbuddelte Eicheln etwa oder die Früchte der Ebereschen – so entstand der grüne Unterwuchs. „Da die hier vorrangigen Kiefern viel Licht durchlassen, lassen wir die zweite Baumschicht in Ruhe wachsen“ erklärt die Fachfrau ebenso verständlich wie die öfters gezielte Anpflanzung von Buchen, um damit den Boden zu lockern.

Doch auch im unteren Bereich gibt’s genügend zu sehen: Digitalis und Disteln (die manchmal lästig, aber wichtig für die Schmetterlinge sind), wilde Möhre oder stinkender Storchenschnabel - zu jedem Kräutlein am Wegrand wusste die Försterin etwas zu erzählen, woher der Name stammt oder wie seine Wirkung ist. Das Fazit des Rundgangs: Rödermarks Wälder bieten vieles, was Spaziergänger mit offenen Augen und wacher Beobachtungsgabe begeistern kann.

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