St. Marien und St. Margareta trauern um Pfarrer Franz Josef Schneider Menschen aus der ganzen Region hörten tiefgreifende Predigten

Pfarrer Franz Josef Schneider verstorben. Foto: privat

Seligenstadt (beko/red) –

Nach schwerer Krankheit

ist am Morgen des 18. März Franz Josef Schneider, langjähriger Pfarrer von St. Marien Seligenstadt und St. Margareta Froschhausen, im Alter von 85 Jahren verstorben.

Pfarrer Schneider, der am 1. Oktober 1976 die Pfarrgemeinde St. Marien und später und St. Margareta übernahm, war nach Pfarrer Ekkehard Edel der zweite Pfarrer der noch „jungen“ Pfarrgemeinde am Steinweg. Voller Tatendrang entwickelte er die Gemeindearbeit der 1966 gegründeten Pfarrei weiter, ganz im Geist der reformorientierten Ideen des zweiten Vatikanischen Konzils, das im Dezember 1965 zu Ende gegangen war. Die offene Bauweise der 1972 fertiggestellten neuen Kirche, im Volksmund liebevoll auch „Bunker“ genannt, mit dem Altar in der Mitte, kam ihm für seine Kinder- und Jugendgottesdienste entgegen. Den grauen Beton ließ er im Jahre 1979 mit einem prägenden großen Gemälde hinter dem Altar versehen, bei dem aus einer von Aposteln und Feuerzungen umgebenen großen Christusfigur Wasser ausströmt und als blaues Band den gesamten Kirchenraum umspannt. Bereits im Mai 1979 wurde Franz Josef Schneider zum Dekan des Dekanats Seligenstadt gewählt. Voller Elan intensivierte er die offene Jugendarbeit und den Jugendtreff im Gemeindezentrum. Beliebt waren neben den modern gestalteten Gottesdiensten mit Liedern aus einem eigens zusammengestellten Ordner mit neuem geistlichem Liedgut auch seine tiefgreifenden Predigten, die die Menschen weit über Seligenstadt hinaus anlockten.

Pfarrer Schneider sah sich nicht als allein verantwortlich für die Gemeindearbeit, sondern übertrug folgerichtig Verantwortung an die Gemeindemitglieder. „Gemeindekatechese heißt, dass jeder Getaufte für die Weitergabe des Glaubens verantwortlich ist … Das hat nichts mit dem Priestermangel zu tun. Vielleicht musste der Priestermangel kommen, damit sich die Getauften wieder ihrer ur-eigensten Aufgabe bewusst werden“, so schrieb er schon im Januar 1977 in den „Kirchlichen Mitteilungen“. 40 Jahre später ist dieser Gedanke in der Kirche mehr als präsent.

Auch die Ökumene lag ihm am Herzen, kam es doch im Jahre 1985 zu Gesprächsrunden mit der evangelischen Gemeinde mit dem Ziel eines „ökumenischen Konzils“.

Humor war Pfarrer Schneider nicht fern. So manche Anekdote und Karikatur zierten die wöchentlichen Kirchlichen Mitteilungen. Doch zu ganz großer Form lief der Geistliche in der Fastnachtszeit auf. Dies nicht nur bei seiner gereimten Predigt am Fastnachtssonntag, sondern auf der Bühne der Fastnachtssitzung der kfd. Unvergessen sein Auftritt, als er dort Rosalinde Jäger, ebenfalls Fastnachtsurgestein, „heiratete“. Unvergessen auch das von ihm getextete Fastnachtslied „Selig selig sei die Stadt genannt, …“, das auch heute noch bei Sitzungen erklingt. (Mehr dazu auch beim Turmmännchen1)

Nicht nur deswegen war die Trauer groß, als Pfarrer Schneider die beiden Gemeinden am 22. November 1987 in Richtung Gießen/Großen-Buseck verließ. Die dortige Gemeinde leitete er bis zu seiner Pensionierung. Doch wiederholt kam Pfarrer Schneider zurück zu seiner Seligenstädter Gemeinde, zuletzt beim 50-jährigen Jubiläum von St. Marien im Juli 2016. Noch am 23. Februar konnte Franz Josef Schneider sein diamantenes Priesterjubiläum feiern.

Am Freitag wurde Pfarrer Franz Josef Schneider auf dem Friedhof in Großen-Buseck beigesetzt.

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