Friedwald-Försterin Charlotte Schlopsna informiert über Sturmschäden Wo Verstorbene inmitten der Natur die letzte Ruhe finden

Friedwald-Försterin Charlotte Schlopsna erläutert interessierten Besuchern bei einer Führung durch den Friedwald in Dietzenbach das Prinzip der Bestattung unter Bäumen. Dabei spricht sie offen über Schäden durch Trockenheit und den Sturm im August. Foto: Schmedemann

Dietzenbach (liz) – Manchmal ist es ein besonders schöner Ast, den eine Egelsbacherin auf dem Grab ihres Mannes niederlegt. Oder sie nimmt sich einen Tannenzapfen mit, um zu Hause ein „Souvenir“ von der letzten Ruhestätte des verstorbenen Gatten bei sich zu haben. „Man findet seine Wege“, sagt die 66-Jährige und lächelt. Im Dietzenbacher Friedwald ist Grabschmuck nicht erwünscht, denn es ist ein Wald und soll ein solcher bleiben. „Denn der gibt einem viel zurück“, findet Friedwald-Försterin Charlotte Schlopsna, die am vergangenen Wochenende eine der regelmäßig stattfindenden Führungen durch den Dietzenbacher Friedwald leitete. Inmitten der Natur finden Verstorbene zwischen dem Rascheln des Laubes und Vogelzwitschern die letzte Ruhe, nah an einem Baum begraben. Dieser wird zum Bezugspunkt der Hinterbliebenen. Manche umarmen ihn, andere setzen sich in den Schatten der Äste und verweilen. Die Trauerbewältigung ist so individuell wie die Eichen, Buchen und Hainbuchen auf dem rund 26 Hektar großen Areal. Die Bäume nehmen einen wichtigen Platz im Leben der Angehörigen ein. Obwohl und weil sie ein Stück Natur sind und sich der Kreislauf des Lebens mit ihnen schließt.

Einen umso größeren Schaden hat der Sturm am 18. August im Dietzenbacher Friedwald hinterlassen. Auf dem Gebiet der Friedwaldförster sind mehr als 50 Bäume zersplittert oder umgeknickt, drei davon wurden entwurzelt.

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Das Bild der Verwüstung trieb im August auch der Egelsbacherin die Tränen in die Augen. „Das war, als wären die Menschen noch einmal gestorben“, beschreibt sie. Zwar sei der Baum ihres Mannes stehen geblieben, doch stehe er unter Beobachtung. Eine Freundin von ihr sei nicht mehr zu ihrem Baum gekommen, weil der Weg durch umgestürzte Stämme versperrt war.

„Wenn es nicht der Sturm war, haben wir auch mit den Folgen der Trockenheit zu kämpfen“, fügte die Försterin hinzu.

Auch dem Team haben die Schäden zugesetzt. „Ich war bei vielen Beisetzungen als Bestatterin dabei und kenne die Schicksale dahinter“, berichtete Schlopsna. Da blute einem das Herz, wenn man auf die Trümmer aus Holz schaue. „Wir sind mit den Angehörigen, deren Baum zu Schaden kam, ins Gespräch gegangen“, erzählte sie weiter. Darin ging es um die Vorgehensweise: Manche wollten einen Stumpf behalten, andere haben einen heilen Nachbarbaum als neuen Bezugspunkt ausgewählt. Insgesamt seien die Betroffenen gut mit der Situation umgegangen. „Natürlich denkt man erst einmal, dass so etwas nicht passieren ‚darf‘ – aber das ist die Natur und wir haben uns ja bewusst dafür entschieden“, informierte die Egelsbacherin.

Die Aufräumarbeiten dauern schätzungsweise noch bis Ende Januar an. Die Wege entlang der Balustrade, die zumindest optisch das Friedwaldgebiet eingrenzt, sind matschig und uneben wegen der schweren Maschinen, die in den Wald fahren müssen. „Ohne schaffen wir das gar nicht, da wäre auch die Verkehrssicherheit nicht gegeben“, sagte Schlopsna. Die Arbeit pausiert während der Zeit der Beisetzungen. Somit fallen vier Tage in der Woche weg, an denen aufgeräumt werden kann. Am Dienstag erfolgte ein wichtiger Arbeitsschritt: 35 neue Bäume wurden gepflanzt.

„Das gibt den Betroffenen bestimmt wieder Kraft“, schätzt die 66-jährige Egelbacherin.

Bei der Führung schaute sich ein 76-jähriger Dietzenbacher den Friedwald genauer an. Er hatte sich bereits im Internet schlaugemacht und fühlte sich nun bestätigt. Die Sturmschäden schreckten ihn nicht ab, im Gegenteil. „Das ist ja gerade das Schöne, dass man hier quasi der Natur überlassen wird“, findet er. Seine Tochter lebt in Hamburg, sein Sohn ist geschäftlich viel unterwegs. „Ich will den beiden keine Arbeit machen“, begründete er seinen Wunsch, selbst eines Tages zwischen dem Wurzelwerk der Bäume liegen zu wolle

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