Noch bis 19. August sind metallene Kunstwerke in Dreieichenhain zu sehen Im Burggarten sind die Saurier los

Bildhauer Kai Wolf und Sarah Kramkowski, pädagogische Leiterin der Bildhauerwerkstatt, mit den Urzeitviechern aus Metall. Foto: zcol

Dreieich (zcol) – Der metallene Tyrannosaurus Rex grinst frech ins Publikum an der Dreieichenhainer Burg. Ein Flugsaurier, mit dem edel klingenden Namen Ramphorynchus, schwebt elegant über dem neu geschaffenen Notausgang des Burggartens. Insgesamt schmücken derzeit acht Saurier-Skulpturen aus Stahl das Festspielgelände. Die Dinos aus der Jurazeit sind die Objekte der 28. Dreieicher Kunsttage „Kunst in der Burg“. Kuratorin Ilse Dreher hat den Kontakt zur Bildhauerwerkstadt Gallus und ihrem künstlerischen Leiter, dem Bildhauer Kai Wolf, hergestellt.

„Ich finde die Dinos passen ganz hervorragend in unsere Kulisse. Und es ist ja auch nicht immer ganz so leicht, etwas zu finden, was wir gut im Freien stehen lassen können“, ist Benjamin Halberstadt, Leiter der Dreieicher Burgfestspiele, sehr zufrieden, wie schön die Urzeitwesen sich in die Burgszenerie einfügen. Für die Festspielbesucher lohnt sich ein zweiter Blick auf die Saurier in jedem Fall. Zum einen bekommt der Stahl durch den Rost eine spannende Patina. Außerdem werden „Fachleute“ sicher so manch ein verarbeitetes Werkzeug in den Dinos erkennen.

„Der Flugsaurier hat den Körper aus einem riesigen Gabelschlüssel, ein Fund aus unserer Werkstatt. Im Maul sind die Zähne aus einem ausrangierten Fuchsschwanz-Sägeblatt verbaut“, erläutert Kai Wolf schmunzelnd. Die meisten Saurier sind den Originalen aus längst vergangenen Tagen nachempfunden – aber es gibt auch Fantasie-Saurier, wie der tanzende „Primaballasaurus“, der links von der Bühne auf der Wiese die Zuschauer begeistert.

Die einzelnen Künstler, die die Skulpturen in vielen, vielen Stunden Arbeit geschaffen haben, bleiben bei dieser Ausstellung übrigens anonym. Die Bildhauerwerkstatt im Frankfurter Gallus ist ein Projekt der Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim. Dort können straffällig gewordene Jugendliche ihre richterlich auferlegten Sozialstunden abarbeiten und künstlerisch kreativ werden. „Natürlich ist es erst einmal eine richterliche Auflage.

Die Jungs kommen nicht freiwillig zu uns und sie finden sehr unterschiedlich Zugang zu der Arbeit. Aber es gibt schon einige sehr talentierte Künstler, die es schnell schaffen, ihre kreative Energie fließen zu lassen. Und dann entstehen eben solche tollen Skulpturen“, sagt Wolf. Es sei sicherlich nicht immer das einfachste Klientel, viele der Jugendliche haben die Sozialstunden wegen Diebstahl, Schwarzfahren oder Schule schwänzen bekommen. Und es gebe auch Fälle, bei denen Körperverletzung im Spiel war. „Die Jugendlichen müssen über ihre Taten aber nicht sprechen und wir wissen es auch nur, wenn sie freiwillig davon erzählen. In der Arbeit an der Kunst ist es dann auch einfach egal und spielt überhaupt keine Rolle mehr“, betont Kai Wolf.

Etwa 80 Jugendliche durchlaufen im Schnitt pro Jahr die Werkstatt, gleichzeitig sind maximal acht aktiv. Neben den Stahlkunstwerken sind die 15 bis 21 Jahre alten Künstler mit Stein und Holz im Gallus aktiv.

Kai Wolf leitet die Werkstatt mit einer 40-Prozent- Stelle. Schließlich braucht der freischaffende Künstler noch Zeit für seine eigene Kunst.

Der Bildhauer zeigt in Dreieichenhain auch ein Werk aus seinem künstlerischen Schaffen. Die Installation „Carawau“ schwebt in einer 15 Meter langen Seilbahn über den Köpfen der Zuschauer unter dem Dach der Tribüne. Da der fahrende Wasserbüffel doch Geräusche verursacht, wird das Kunstwerk nur in den Pausen und vor und nach der Vorstellung in Bewegung sein.

Wer sich jetzt für die Kunstwerke interessiert, kann sie bei den Burgfestspielen bewundern. Alle Dinosaurier stehen auch zum Verkauf.

Der vorzeitliche Ameisenbär „Elise“ hat schon einen neuen Besitzer gefunden und wird künftig einen Garten in Egelsbach verschönern. „Das ist für uns natürlich sehr gut. Denn mit dem Verkauf der Kunst können wir zumindest einen kleinen Teil der hohen Kosten für die Werkstatt gegenfinanzieren“, erläutert Kai Wolf.

Die Ausstellung der Dinos ist noch bis Sonntag, 19. August, in der Dreieichenhainer Burg zu sehen.

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