Premierenabend war ein Mordsspaß Philharmonie Fechenheim begeistert mit „Mord durch Sex“

Die Philharmonie Fechenheim legt mit der Komödie „Mord durch Sex“ ein solides Fundament für die Fechenheimer Theatertage. Foto: sh

Fechenheim (sh) – Mit dem neuen kulturellen Angebot Fechenheimer Theatertage hatte der Amateurtheaterverein Philharmonie Fechenheim nicht nur den richtigen Riecher, was die Wünsche der Fechenheimer angeht, das Team hatte auch mit der Stückauswahl und der tollen Besetzung alles richtig gemacht.

Was für eine herrliche Premiere! Kaum zu glauben, dass auf der Bühne wirklich „nur“ Laiendarsteller gestanden haben sollen. „Mord durch Sex“ lautete der Titel der quirligen Komödie, die sich das Regie-Duo Aniko Nagy und Erik Barth ausgesucht hatte. Das Stück aus der Feder von Joan Shirley spielt in einem einzigen Zimmer – gut umsetzbar auf der räumlich begrenzten Bühne im Mainbörnchen. Der Saal des altehrwürdigen Mainbörnchens war übrigens kaum wiederzuerkennen: Ausgekleidet mit meterweise schwarzem und lila Pannesamt und in gedämpftes Licht getaucht hatte Oliver Strobel eine edle und sehr gemütliche Theateratmosphäre geschaffen, die beim Betreten des Saals schon Lust auf die Aufführung machte. Der Begrüßungssekt rundete die Vorfreude noch ab. Ein kurzweiliger Abend wurde versprochen und das Versprechen gehalten.

Komödiantische Talente auf der Theaterbühne im Mainbörnchen

Zum Stück: Frauenärztin Nicole Anderson muss vorübergehend zu Hause praktizieren, weil in der Klinik das Dach saniert wird. Tine Aspermeier spielte die selbstbewusste Karrierefrau mit viel Herzblut und Fingerspitzengefühl. An ihrer Seite agierte Martin Fiedler als Bernie Anderson. Fiedler verkörperte den Ehemann in der Lebenskrise und Selbstfindungsphase einfach nur brillant und mit so viel komödiantischem Talent, dass man sich gar nicht sattsehen konnte.

Hängt der Haussegen der Andersons aufgrund der angespannten Situation ohnehin schon ganz schön schief, wackelt zu allem Überfluss auch noch die kurzsichtige, mit Lockenwicklern gekrönte Tante Dot am Gehstock über die Bühne und stiftet in ihrer liebenswerten Schrulligkeit Verwirrung. Eine Paraderolle für Marion Berger, die das Publikum bereits zum Lachen brachte, sobald sie nur durch die Tür kam und grinsend in die Sitzreihen blinzelte. Kompliment auch an die Maske von Christine Leuschner-Wiese.

Eine Prosituierte und ein alternder Geschäftsmann campieren im Obstgarten

Da Tante Dot viel Unsinn erzählt, eine Fuchsstola für eine Katze hält und diese mit Sardinen füttern will, glaubt ihr auch niemand, als sie von einem Pärchen berichtet, das im heimischen Obstgarten campieren soll. Aber das gibt es diesmal wirklich. Die Prostituierte Angie soll den in die Jahre gekommenen Geschäftsmann Bill (geheimnisvoll: Felix Ossoba) so lange unterhalten, bis sich dessen Sohn die Geschäfte unter den Nagel reißen kann. Besonders pikant: Bernie und Angie hatten einmal eine Affäre – diese Karte spielt Angie schamlos aus. Daniela Regelein hatte als Angie jede Menge „Wow“-Auftritte in heißen Outfits, von der Pfadfinderin bis zur Krankenschwester, und überzeugte mit ihrem virtuosen Spiel zwischen Frivolität und Naivität.

In den munteren Reigen mischt sich Val, eine Patientin von Nicole, die mit ihrem siebten Kind schwanger ist und auf eine Unterwassergeburt besteht. Kathrin Schmidt spielte die hysterische „Ökotante“ mit einer Dynamik, die einfach nur mit- und hinreißend war.

Prince besingt das frisch verliebte Paar

Bernies flippige Tochter Polly aus erster Ehe und der smarte Assistenzarzt Sebastian entwickeln spontan derart liebevolle Gefühle füreinander, dass plötzlich Prince auf der Bühne zu stehen scheint (Gastauftritt Fabio di Gregorio) und „Purple Rain“ singt. Zwischen der toll aufgelegten Anne Schäfer (Polly) und dem vor Charme sprühenden Johannes Gabriel Große (Sebastian) stimmt die Chemie, was aber auch auf den Rest des Ensembles zutrifft.

Schwarzer Humor und kernige Pointen

Wer britische Komödien kennt, der weiß, dass dort nicht an schwarzem Humor gespart wird. So auch bei „Mord durch Sex“ und wie der Titel schon vermuten lässt, setzen dem alten Bill Angies heiße Liebesspiele zu. Eine Leiche muss also verschwinden, Nicole darf nichts von dem Techtelmechtel ihres Mannes erfahren und zwischendrin immer wieder Tante Dots Kapriolen und Vals hysterische Anfälle, die in Wehen übergehen. Kernige Pointen, Wortspiele und akzentuierte Abgänge machten das Stück der Philharmonie Fechenheim zu einem riesengroßen Vergnügen.

Hinter dem Verein liegen anstrengende Wochen, doch der Einsatz hat sich gelohnt. Das Fundament für die Fechenheimer Theatertage, die jährlich stattfinden sollen, ist sehr solide gelegt worden. Wer „Mord durch Sex“ verpasst hat, kann sich auf eine Wiederaufnahme im Herbst freuen.

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