Schulprojekt des Friedrich-Ebert-Gymnasiums zum Thema Auschwitz vorgestellt „Es ist wichtig, dass jeder die Vergangenheit kennt“

Eindrucksvoll präsentieren 30 Schüler der Jahrgangsstufe Q1 des Friedrich-Ebert-Gymnasiums ihr sehr tiefgründiges Schulprojekt. Foto: m

Mühlheim (m) - Die Lage war brisant, die Gesellschaft gespalten, Wirtschaft und Massenmedien unterwandert, während alte Machtstrukturen fortbestanden. Dennoch, „niemand hätte das Ausmaß erahnt“, blickte Schulleiter Stefan Sturm zurück auf die Entstehung der Nazi-Herrschaft. 30 Schüler der Jahrgangsstufe Q1 des Friedrich-Ebert-Gymnasium (FEG) hatten sich vor Ort mit den Auswirkungen von Diktatur und Rassenhass beschäftigt. Am Vorabend des Gedenkens an die Befreiung von Auschwitz präsentierten sie im Pfarrheim St. Sebastian in eindrucksvollen Formen Fakten und Zeugnisse aus dem Konzentrationslager. Direktor Sturm mahnte, heute müsse jeder „für eine tolerante, weltoffene Gesellschaft eintreten und die demokratische Strukturen schützen“. Er dankte den Schülern und Lehrkräften, der städtischen Jugendförderung sowie der Bethe-Stiftung, die Schülerreisen als Erinnerungskultur fördert. Landrat Oliver Quilling sah in dem festen Bestandteil des Unterrichts am FEG ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis, eine „direkte Konfrontation mit menschenverachtenden Taten“. Bücher seien zwar wichtig, „aber mit dem Besuch in Auschwitz verankern sich Bilder viel tiefer“. Die Erinnerung gehöre zur deutschen Identität. Auch Bürgermeister Daniel Tybussek warnte, „Rechtspopulisten sind wieder verstärkt unter uns“. Die Veranstaltungen des FEG verdienen Respekt und Anerkennung, er warb für ein friedvolles Miteinander und Toleranz. Schulsprecherin Janne Wortmann bewegte, „auf dem Boden zu stehen, auf dem so viele unmenschliche Taten geschahen. Keines der Opfer darf in Vergessenheit geraten.“ Die Gruppe war im vergangenen September in Polen und beschäftigte sich mit Leugnern, die das Geschehene nicht wahrhaben wollen oder aus Verblendung mit einer fadenscheinigen Argumentation ausschließen. 65 Millionen Kriegsopfer, sechs Millionen Holocaust-Tote – die Jugendlichen projizierten Zahlen in die Stille. Zwölf Jahre Gewaltherrschaft, sechs Jahre Krieg. Dem gegenüber stellten sie Artikel 1 der Verfassung, „die Würde des Menschen ist unantastbar“. Doch mehr als 1.000 Zwillingspaare fielen dem Arzt Josef Mengele zum Opfer. Er hatte Versuche in der Gaskammer angeordnet. Die jungen Leute zeichneten den Weg der jüdischen Schülerinnen Eva und Miriam nach, die bei der Deportation in Viehwaggons „weinen, weinen, weinen“ vernahmen. An der Rampe in Auschwitz wurde aussortiert, wer gleich vergast wurde und wer noch am Leben bleiben durfte. Die Mädchen wurden den Experimenten des „Todesengels“ Mengele unterzogen. Sie lebten „in Dreck, Gestank der Pferdestallungen, mussten sich ausziehen, zitterten vor Angst und Kälte. Die SS-Wachen lachten, es war eine entwürdigende Situation.“ Notizen, Fotos und Röntgen-Auffnahmen bezeugen das Leid in den Laboren von Birkenau. Gefangene mussten von Dächern springen, Mengele untersuchte die Knochenbrüche, andere Menschen wurden sterilisiert. Er definierte sein Tun als „einzigartige Gelegenheit, die Auswirkungen von Krankheiten zu untersuchen“. Miriam starb, Eva überlebte als Zehnjährige. Auch Sinti und Roma wurden als Versuchskaninchen misshandelt, dieser Völkermord erst 1982 offiziell anerkannt.

Die Gymnasiasten skizzierten außerdem die Arbeit des Fotografen Wilhelm Brasse, der die Experimente dokumentieren musste. Er gelangte an psychische Grenzen, lebte in einem eigenen Block: „Es reichte zum Überleben, wir wurden nicht so streng überwacht“. 70 000 Personen hat er fotografiert, die Bilder später retuschiert, um die Würde der Abgebildeten zu wahren. Brasse konnte 38 000 Bilder aus dem Feuer retten, er wurde nach Österreich gebracht und war noch lange traumatisiert, weil er beim Blick durch den Sucher seine Opfer sah.

Die Schüler stellten sich als Gefangene mit Registrationsnummer vor. „Es gab kein Licht und kein Wasser - außer, wenn es regnete“. Kinderzeichnungen waren zu sehen. Und „Rudolf Höß“ als Schattenriss. „Man kann mit Menschenmassen nicht mitfühlen, nur mit Einzelnen“, hat er ausgesagt. Viele Sätzen beginnen mit „ich hab doch nur ...“ oder enden mit „Befehl ist Befehl“. Höß war „mit Leib und Seele Nationalsozialist“. Anhand von Tonaufnahmen von Zeitzeugen präsentierten die Teenager, dass manche am Holocaust Beteiligten einfach keine Fakten anerkennen. „Es ist wichtig, dass jeder Deutsche die Vergangenheit kennt“, betonen die jungen Leute.

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