Bauer-Werke: Fahrräder, Kochtöpfe, Handgranaten Thementag des Heimat- und Geschichtsvereins Klein-Auheim

So mancher kam auch mit dem eigenen Bauer-Rad vor das ehemalige Werksgebäude: Eine Sternfahrt, die die ehemaligen Fahrrad-Werke in Klein-Auheim zum Thema hatte, veranstaltete nun der HGV. Foto: kama

Klein-Auheim (kama) – Im Rahmen der Tage der Industriekultur organisierte der Heimat- und Geschichtsverein Klein-Auheim eine Sternfahrt mit vielen Infos zu den früheren Bauer-Werken in Klein-Auheim und den dort gebauten Fahrrädern. Bereits früh am Morgen trafen sich zahlreiche Interessierte, teilweise auf ihren eigenen Bauer-Fahrrädern, am Zentrum für Ortsgeschichte in der Schönfelder Straße.

Nach einer Aufwärmfahrt wurde am ehemaligen Bauer-Werk in der Brüder-Bauer-Straße eine kurzer Vortrag zur Geschichte des Unternehmens gehalten. Anschließend radelte die Gruppe zum Museum in Großauheim, wo Jörg Schulisch aus Heigenbrücken zahlreiche Infos, Materialien und einige Bauer-Schätze aus seiner umfangreichen Sammlung präsentierte.

1911 wurden die Fahrrad- und Metallwerke L. Bauer & Co. in Frankfurt von Ludwig Bauer gegründet. Die entwicklungs- und produktionstechnische Ausrichtung des Warensortiments lag bei Fahrrädern und Motorrädern sowie Zubehör- und Ersatzteilen wie Dynamos und Lampen.
Aufgrund der zahlreichen Aufträge in den ersten Monaten benötigte man bereits nach wenigen Jahren ein neues Werk mit mehr Platz für die Produktion. So wurde 1920 das Werk in Klein-Auheim am Rande des alten Ortskerns in der damaligen Friedhofstraße erbaut.
In wenigen Jahren prosperierten die Bauerwerke, so dass man bereits 1922 nicht nur Ersatzteile, sondern auch komplette Fahrräder herstellte.
1928 konnten die Bauer-Werke im Schnitt 400 Rahmen und knapp 300 Fahrräder täglich produzieren. 1934 stellte das Werk das erste Rennrad her und plante, Fahrradanhänger in Serie zu produzieren. Zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1936 wurde die an das Hauptwerk angrenzende Friedhofstraße in Brüder-Bauer-Straße umbenannt. Damit ehrte die Gemeinde einen der zu der Zeit größten Arbeitgeber der Region für das langjährige soziale Engagement.

Zu dieser Zeit exportierten die Bauer-Werke Fahrräder, Motorräder und die dazugehörigen Ersatzteile in einem weltweiten Vertriebsnetz bis nach Palästina. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verlangte allerdings einen Produktionsstopp des eigentlichen Sortiments, und so wurden zwischen 1939 und 1945 in den Metallwerken an der Brüder-Bauer-Straße Hüllen für Handgranaten und Panzerfäuste hergestellt. Nach Kriegsende hatte man erstaunlicherweise einen Materialüberschuss. So wurden in den Nachkriegsjahren neben Fahrrädern auch Kochtöpfe und Haushaltswaren hergestellt. Durch eine gute Planung und Organisation konnte man bereits im Jahr 1947 knapp 1000 Fahrräder täglich produzieren und in die ganze Welt ausliefern.

Besonders durch die in Hanau ansässige US-Army wurden die Bauerräder zu einem USA-Exportschlager. So profitierte die vom Krieg zerfressene Hanauer Region durch zahlreiche Arbeitsplätze. Der wirtschaftliche Aufschwung hielt sich allerdings nur wenige Jahre, da bereits Anfang der 1960er die Autoproduktion stark anstieg und das Fahrrad im alltäglichen Leben in den Hintergrund rückte.

In dieser schwierigen Phase für die Bauer-Werke stand zudem auch ein Generationenwechsel in der Führungsetage an, den die Firma nicht überlebte. 1968 wurde die Produktion sämtlicher Waren eingestellt. In einem Vergleichsverfahren wurden die insolventen Werke durch den Küchen- und Haushaltswarenhersteller Rowenta aufgekauft. Ein Drittel der Belegschaft wurde übernommen, und so produzierte man bis 1993 weiterhin Güter und Waren aus Metall, die in der Fahrradindustrie und im handelsüblichen Haushalt verwendet wurden. Erst Ende der 1990er wurden erste Pläne bekannt, das leerstehende Werk zu einer Wohnsiedlung umzubauen.

Der Heimat- und Geschichtsverein freute sich über den gelungenen Ausflug und das große Interesse an der Geschichte der Bauer-Fahrräder, die bei vielen Liebhabern Kultstatus erreicht haben. „Es ist schön, dass so viele Menschen sich für die Geschichte und die Hintergründe ihrer Heimat interessieren. Die Bauer-Werke haben unsere Region für Jahre geprägt, es ist wunderbar, diese Geschichte zu würdigen und lebendig zu erleben“, sagte die Vorsitzende Maria Grimm.

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