„Rosa Wölkchen“ feiert zehnjähriges Jubiläum mit großartiger Show Ein dreifaches „Gay is schee“

Die restlos ausverkaufte Willy-Brandt-Halle erstrahlte letzte Woche in einem Meer aus rosa Narren. Foto: bw

Mühlheim (bw) – Wenn ein rosafarbener Flamingo aus einem italienischen Sportwagen aussteigt und mit seiner Flamingo-Gattin in Richtung Willy-Brandt Halle stolziert, dann ist es wieder soweit: „Gerdas kleine Weltbühne“ hat den Farbbeutel über Mühlheim am Main versprüht und die Mühlenstadt für vier Tage in ein schweinchenfarbenes Glamour-Meer getaucht.

Zum zehnten Mal präsentiert die lokale Kult-Bühne ihre inzwischen weit über die Grenzen des Rhein-Main Gebiets bekannte Travestie-Show „Rosa Wölkchen.“

Aus ganz Hessen strömen Männer und Frauen heran, manche zwängen sich heute in pinkfarbene, hautenge Miniröcke und tragen schwindelerregend hohe High-Heels. Auf ihrem Kopf thronen opulente Perücken. Aber egal, ob es dieses Jahr ein Sexy-, Häschen-, Bärchen-, Indianer- oder Cowboykostüm ist, alle Zuschauer vereint eines: Sind in Rosa gekleidet!

Doch während es auf den anderen Faschingssitzungen „Hellau“, „Gud’ Stuss“ oder „Hä-Hopp“ tönt, hier in Mühlheim beim „Rosa Wölkchen“ heißt es „Gay is schee“. An vier Abenden präsentiert die Theatergruppe um Jutta P. eine großartige und abwechslungsreiche Show. Die Tickets zu dieser Veranstaltung sind heiß begehrt. Bereits 30 Minuten nachdem die Tickets online geschaltet wurden, war der letzte verfügbare Platz weg. Die 500 Zuschauer, die sich Karten für die Premiere sichern konnten, erleben eine hochklassige und abwechslungsreiche Aufführung. Moderatorin des Abends ist wie jedes Jahr natürlich Jutta P. „Willkommen beim Rosa Wölkchen“, sagt sie zur Begrüßung der Gäste. „Macht es heut richtig gemütlich, denn wir feiern heute alle zusammen ein tolles rosarotes Fest, habt viel Spaß und lacht.“ Lachen ist für die Moderatorin sowieso die perfekte Art um fröhlicher durchs Leben zu gehen und sich Freunde im Leben zu schaffen. Lachen ist auch der Tenor des Abends und Lacher gibt es heute zuhauf.

Zuspätkommer werden natürlich von ihr sofort ins Programm mit eingebunden. Dabei schafft sie es mit ihrer liebenswerten hessischen Babbelschnut die Betroffenen köstlichst durch den Kakao zu ziehen.

Zum Jubiläum hat die Theater-Diva wieder alle Register gezogen und neue Künstler für die Show begeistert. Den Anfang machen „Andreas und Matthias“ mit einem modernen Contemporary Tanz zu „River Deep - Mountain High“ von Ike und Tina Turner. Für ihre körperbetonte Ausdruckskraft erhalten sie den verdienten Applaus, ein dreifaches „Gay is schee.“ Fischige Comedy präsentiert Harry Borgner. Der Mann mit der Gitarre und der Fischerkluft hat Lieder von Matthias Reim, Roland Kaiser und Howard Capendale, leicht umgetextet. So wird aus „Verdammt ich lieb dich“ ein „Verdammt ich lieb Fisch, ich lieb Fisch nicht“, oder aus „Dich zu lieben, dich zu spüren“ eben ein „Fisch zu lieben, Fisch zu spüren.“ Harry Borgner klingt doch wie „Haribo“, kommentiert Jutta P. den Auftritt. „Haribo macht Wölkchen froh!“

Musikalisches Feuer versprühen die beiden Schwestern Anita und Alexandra Hofmann. Das Gesangsduo, dass 1993 am „Grand Prix der Volksmusik“ erfolgreich teilgenommen hat, singt Lieder wie „Hunderttausendmal“ und „Rosa Wölkchen“, bei denen das Publikum natürlich lauthals mitsingt und mittanzt.

Zwischen den Aufführungen erscheint Jutta P. mal im Lack- und Leder Outfit, oder auch mal in Abendgarderobe. „Männer stehen auf Lack und Leder, denn es riecht nach neuem Auto“, verrät sie. Alle Kostüme sind übrigens von ihr selbst entworfen und selbst geschneidert. Die Moderatorin erzählt auch von ihrer Kindheit in einem Dorf, dass sie an das Gallische Dorf von Asterix und Obelix erinnert: „Fünf Häuser und ein großer Zaun drumherum“ und den langweiligen Familienfeiern.

Die „Süße Helga - Berliner Schnauze mit Ostvergangenheit“ präsentiert Martin März. Die jungverheiratete Dame erzählt von ihrer kurzen Ehe, von der sie aber nicht sehr überzeugt scheint: „Früher war ich ledig, jetzt bin ich erledigt.“ Auch ihr Mann ist inzwischen nicht mehr ansehnlich: „Früher war er bildhübsch, heute ist nur noch sein Bild hübsch.“ Natürlich kommen solche Klischees beim Publikum besonders gut an.

Fest zum Ensemble des „Rosa Wölkchens“ gehört „Olga Orange.“ Die Travestiekünstlerin hat sich aus der alten Übergardine und dem String-Tanga ihrer Oma ein Kostüm geschneidert. Sie sucht den Kontakt mit ihrem Publikum und heute hat es ihr Patrick aus Münster angetan, den sie immer wieder einbindet. „Schau mal, der Kleine hat Angst und kneift sich sicher seinen Bobbes zu.“ Einen besonderen Auftritt hat Jutta P., als sie die Bühne in einem schwarzen Anzug und Herrenschuhen betritt. Wie eine Insektenpuppe, die sich in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt, zieht sie sich langsam aus, streift sich eine Perücke und einen Umhang über und steht plötzlich als Diva auf der Bühne.

Mit dem ehemaligen Gesicht der „Hessischen Weiberfastnacht“ Karin Schmidt singt Jutta P. das Lied „Brave Mädchen.“ Bissig wird es dann bei Desiree Nick. Die bekannte Berliner Theater- und Fernsehdarstellerin beschreibt sehr eindrucksvoll und anschaulich, was das Älterwerden für eine Frau bedeutet. Natürlich zieht sie auch Prominente, die ihr Alter verstecken durch den Kakao.

So sagt sie Thomas Gottschalk nach, dass er ein Toupet trägt: „Letztens am Flughafen hab ich es in seiner Tasche gesehen“, erzählt sie. Zuerst habe sie es für einen Yorkshire Terrier gehalten, aber dann habe sie genau hingeschaut. Oder Hugo Egon Balder, der immer viele Stunden in der Maske sitzt und auch danach genauso alt aussieht wie vorher.

Nach knapp zweieinhalb Stunden endet die perfekte und sehr kurzweilige Show mit der „Golden Trumpet Show“ und einem großen Finale.

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