Katastrophenschutz ist für alle Fälle gewappnet Tanken ohne Strom

Der Katastrophenschutz testete erfolgreich das Tanken im Falle eines kompletten Stromausfalls.

Hochtaunuskreis (red) – Der Katastrophenschutz im Kreis überlässt nichts dem Zufall und arbeitet auch daran, wie er selbst im Falle eines langanhaltenden und flächendeckenden Stromausfalls handlungsfähig bleiben kann. Dabei kommt der Versorgung mit Kraftstoffen eine zentrale Bedeutung zu. Wie diese gewährleistet werden kann, wurde nun bei einem Versuch getestet.

Als Ursachen für einen langen und regional übergreifenden Stromausfall kommen unter anderem technisches und menschliches Versagen, kriminelle oder terroristische Aktionen, Epidemien, Pandemien oder Extremwetterereignisse infrage. „Aufgrund der Erfahrungen mit nationalen und internationalen Stromausfällen müssen wir davon ausgehen, dass in einem solchen Fall erhebliche Schäden zu erwarten wären“, sagt der Manager für Sonderlagen des Hochtaunuskreises, Wolfgang Reuber. Die Schlussfolgerung liegt für Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs auf der Hand: „Wenngleich die Wahrscheinlichkeit eines solchen Stromausfalls gering ist, so sollten wir doch Vorkehrungen treffen, damit die negativen Auswirkungen so gering wie möglich sind.“

Von einem langanhaltenden und regional übergreifenden Stromausfall spricht man, wenn die Stromversorgung in einem größeren geographischen Bereich für mehr als sechs Stunden unterbrochen ist und es unklar ist, wann die Stromversorgung wiederhergestellt werden kann.

Solch eine Schadenslage im Hochtaunuskreis hätte zeitlich gestaffelt einen erheblichen Einfluss auf die gesamte Bevölkerung.

Schließlich wären nahezu alle Versorgungsbereiche – Notrufmöglichkeiten, Krankenversorgung, Alten- und Pflegeheime, häusliche Pflege, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und vieles mehr – davon betroffen.

Wo Vorsorge durch Netzersatzanlagen getroffen worden ist, ließe sich das Ausmaß eines solchen Ereignisses abmildern. Jedoch benötigen diese Anlagen in der Regel Kraftstoff (Diesel, Heizöl und Benzin). Der ist jedoch nach einer gewissen Zeit aufgebraucht, so dass Nachschub benötigt wird. Hinzu kommt noch der Kraftstoffbedarf für die Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei sowie Hilfsorganisationen, Technischem Hilfswerk und Pflegediensten.

Für die Schutzziele im Kreisgebiet, die mit einer Netzersatzanlage ausgerüstet sind, wurde daher ein Betankungsplan erarbeitet, sodass der Sachgebietsleiter 4 (Versorgung) im Katastrophenschutzstab zeitgerecht eine Nachbetankung organisieren kann.

Schon jetzt ist die Versorgung mit Kraftstoff für einen Zeitraum von rund 72 Stunden (Versorgungsstufe I-III) weitgehend gesichert. In der Versorgungsstufe IV (länger als 72 Stunden) kann bei entsprechender Freigabe durch die zuständige Behörde auf die Erdölbevorratungsreserve zurückgegriffen werden.

Nach einer entsprechenden Vorplanung erfolgt dann die Belieferung mit Kraftstoff aus einem zuvor zugewiesenen Tanklager.

Soweit zumindest die Theorie. Doch funktioniert das auch in der Praxis? Um das herauszufinden, wurde eine Auslagerungsübung in einem Tanklager der Firma Roth Energie in Mainz unter realistischen Notstrombedingungen durchgeführt.

Dafür schalteten die Stadtwerke Mainz auf dem Gelände des gesamten Tanklagers den Strom ab. Wie geplant, sprang nur wenige Sekunden später die Netzersatzanlage automatisch an und übernahm die Stromversorgung des Lagers. Damit war es möglich, einen Tankwagen inklusive Anhänger mit rund 30.000 Liter Heizöl zu befüllen. Auch die automatisierten Zu- und Abfahrten samt Lieferbelegerstellung wurden bei dieser Gelegenheit erfolgreich getestet.

An dem Versuch nahmen unter anderem das Bundeswirtschaftsministerium (Berlin), das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Eschborn), der Erdölbevorratungsverband (EBV, Hamburg), das Hessische Wirtschaftsministerium (Wiesbaden), Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma Roth Energie, ein Kraftstoffspediteur aus dem Hochtaunuskreis sowie Kräfte des Katastrophenschutzes des Hochtaunuskreises teil. „Außerdem konnten wir Gäste aus der Schweiz begrüßen, die einer dem EBV vergleichbaren Organisation angehören, die für die Kraftstoffversorgung in ihrem Land zuständig ist“, berichtet Wolfgang Reuber.

Das Urteil aller beteiligten Experten fiel nach dem Versuch positiv aus. „Es hat alles einwandfrei und wie geplant funktioniert. Die Kraftstoffversorgung der Objekte und Einsatzfahrzeuge im Hochtaunuskreis ist auch nach 72 Stunden gesichert“, bilanziert Reuber.