Eine Bank, die anstupst

Norbert Biba stellt Kunstwerk auf der Berger aus

Norbert Biba und die Bank, die zum Nachdenken anregt. Foto: Faure

Bornheim (jf) – Nein, zum Sitzen ist diese mehrfach denkwürdige Bank nicht gedacht. Steht auch drauf: „Kunstwerk. Bitte nicht setzen“. Ein Teil der Bank ist in dunklem Holz belassen, sieht schon ein bisschen ramponiert aus. Und was steht auf dem Schild? „Rest von Europa“. Die andere Bankhälfte präsentiert sich in nahezu makellosem Weiß. „Nur für Schweizer“ steht auf Messinggrund.

 In der Mitte der Lehne entdeckt der Interessierte ein weiteres kleines Abzeichen; eine stilisierte grüne Bank, deutlich sichtbar die Aufschriften „Europeans only“ und „Apartheidmuseum“. Auf der Sitzfläche zwei Fotos, eins zeigt ein weißes Mädchen auf der Bank sitzend, dahinter eine schwarze Frau, die Haare des Mädchens ordnend. Auf dem zweiten Bild ebenfalls ein weißes Mädchen, das wohl gerade auf der Bank saß, davor zwei schwarze Frauen im Gras. Krass. 

„Die Idee mit der Bank ist schon zehn Jahre alt, der Einfall stammt zur Hälfte von dem irischen Künstler Philip Napier, der eine erste Bank zum Nachdenken in Belfast aufstellte, und zur Hälfte von mir“, erzählt Norbert Biba. Er engagierte sich früher in der Anti-Apartheid-Bewegung, bereiste Südafrika viele Male, lernte den Direktor des Apartheid-Museums in Johannesburg kennen. Dort sah er jene Bank mit der Aufschrift „Whites only/Europeans only“, also die Restriktion, dass diese Bank Weißen beziehungsweise Europäern vorbehalten ist. „Ich war 2008 auch auf Robben Island, der früheren Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela fast zwei Jahrzehnte eingekerkert war“, berichtet Norbert Biba. Die vier Quadratmeter große Mandela-Zelle steht übrigens als Nachbau in Paris. Biba hat Mandela gesehen: „Das war 2005, auf einer Trauerfeier in Soweto“, erinnert er sich, „leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei.“

Bank soll immer weiter wandern

Biba kann stundenlang Geschichten erzählen. Von Südafrika, von seinen Teilnahmen am größten Jedermann-Radrennen der Welt „Cape Argus“, das alljährlich im Februar über 109 Kilometer in Kapstadt stattfindet und bei dem 36 000 Menschen mitfahren. Natürlich ist Biba auch beim Radklassiker Frankfurt-Eschborn am 1. Mai dabei.

Zurück zur Bank. Sie steht gegenwärtig in der Berger Straße 166. „Thomas Menzel von Foto-Orbit kümmert sich um das Kunstwerk, stellt es abends zu Geschäftsschluss auch wieder in den Laden. Ohne zuverlässige Partner wäre solch eine Aktion nicht möglich“, erklärt Biba. Es ist der zweite Standort der Bank in Frankfurt, vorher regte sie in der Braubachstraße zum Nachdenken an. „Vor allem Touristen nahmen das Kunstwerk zur Kenntnis“, äußert Biba. Die Bank ist mehrfach zu interpretieren. Angefertigt wurde sie von einer Abschlussklasse der beruflichen Heinrich-Kleyer-Schule in Frankfurt. „Etwa vor vier Jahren hat sich diese Verbindung über den damaligen Lehrer Norbert Hieronymi ergeben. Er sprach mich an, ob ich als Fachmann für Autoglas den angehenden Fahrzeugtechniker nicht zeigen könnte, wie Autoscheiben ausgewechselt werden. So kam ich zur Schule. Die Auszubildenden griffen dann die Idee mit der Bank auf und wandelten sie ab. Den Anstoß dafür gab ihnen die Volksabstimmung in der Schweiz 2013, in denen die Schweizer für ein restriktives Asylgesetz stimmten.“ Also ist die dunkle, schäbige Seite der Bank dem Rest von Europa zugedacht, die strahlende weiße Seite den Schweizern. Auch eine Auslegung von Apartheid.

Die Bank wird weiter ziehen, als nächster Standort ist Offenbach geplant. Und Norbert Biba bereitet sich schon auf seinen nächsten Südafrika-Besuch vor. Auf jeden Fall will er beim Jedermann-Rennen in Kapstadt wieder dabei sein. Für Ausstellungen rund um das Thema Apartheid und Nelson Mandela hat er noch viele Ideen.