Ein kultureller Tausendsassa

Die Uhr zurückgedreht: Die Ausstellung bot eine Reise durch alle Nutzungsepochen des Glöckelchens. Foto: zah

Groß-Zimmern (zah) –Könnte das historische Haus in der Angelstraße 18 von den Geschehnissen in seinem Innern berichten, das Glöckelchen hätte viel zu erzählen. Jetzt feierte das Kulturzentrum seinen 20. Geburtstag.

Von 1862 bis 1953 diente das Gebäude als Schulhaus. Danach als Sitz der Gemeindeverwaltung und in den 70er-Jahren sogar als Jugendzentrum. Dem Verfall anschließend Preis gegeben, zog man die Bremse: Das Glöckelchen wurde saniert und vor 20 Jahren als Kulturzentrum neu eröffnet.

Der Geburtstagsrummel an vier Festtagen spiegelt das bunte Leben, das heute ins Glöckelchen, dem Wahrzeichen der Gemeinde, eingezogen ist. Vom liebevoll sanierten Keller, über die Gemeindebücherei im Parterre, bis ins Obergeschoss. Der Glöckelchenverein, Träger des Kulturzentrums, schnürte ein Veranstaltungspaket, das Heimatkultur und Historisches in den Fokus rückte, mit einem Aktionsprogramm am Sonntag und Frühschoppen am Dienstag jedoch auch in die Zukunft wies. Auch der Verein, der ein recht facettenreiches Jahresprogramm stemmt, feiert den runden, nämlich 20. Geburtstag.

In der Gemeindebücherei wurde gebastelt, gelesen, Kuchen gefuttert. Die fünf Ehrenamtslotsen des Mehrgenerationenhauses boten Familien ein Unterhaltungsprogramm, das die Bindung ans Haus nachhaltig festigen soll.

Am Abend zuvor hatten die Heimatbarden Otto & Otto vor rund 80 Gästen begeistert. Und wer Zimmern kennt und liebt, schmettert selbst als „Oigeplackter“ inzwischen die Zimmner Hinkelhymne mühelos mit, die Kerbverein-Ikone Thomas Beutel anstimmte.

Ja, es wurde gefeiert, und auf gut zimmnerische Art die Geselligkeit gepflegt. Etwa dann, als im Reich des Kerbvereins, im Gewölbekeller, am Freitagabend „gefillte Gickel“ aufgetragen wurden. Dazu gab es für geladene Gäste eine würzende Zutat: „Wunderbare Redebeiträge aus mehreren Glöckelchen-Epochen“, so Hans Werner Parsczinski, 2. Vorsitzender des Glöckelchenvereins.

Die Glöckelchen-Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wurde, begeisterte vor allem ältere Semester. Auf großen Schautafeln ging es zurück in die Geschichte als Schulhaus. Mehrere Zimmerner Generationen haben hier die Schulbank gedrückt – mit kontrastreichen Erinnerungen. „Die Prügelstrafe hatte man zwar nach dem Zweiten Weltkrieg verboten, aber leider nicht abgeschafft“, erzählte Hans Jung aus seiner Schulzeit. Immerhin: Damals lernte er seine künftige Gattin kennen. „Und im Glöckelchen haben wir uns vor 55 Jahren auch das Ja-Wort gegeben“, berichtete Brigitte Jung. Heiraten kann man im Glöckelchen bis heute. Oder ein neues Stück des Tatüt-Ensembles erleben, das den großen Saal regelmäßig zur Theaterbühne macht. Zudem Schach spielen, eine Kulturveranstaltung besuchen, oder den neuesten Schmöker ausleihen: Das alte Schulhaus ist ein kultureller Tausendsassa. Natürlich gibt es dort auch jede Menge Glöckelchen- und Heimatliteratur. Etwa aus der Feder von Manfred Göbel, der in den 80er-Jahren gemeinsam mit Karl Rupp vehement die Idee vertrat, hier überhaupt ein Kulturhaus für die Gemeinde einzurichten.

Am 12. September 1989 beschloss die Gemeindevertretung das Vorhaben. Unter Bürgermeister Dieter Emig wurde das Haus saniert, das in seiner Jugend sogar eine original Ritzert-Uhr (ab dem Jahr 1866) in seinem Glockentürmchen beherbergte.

Seit dem 4. Oktober 1997 wird „des Glekelsche“ als Kulturhaus genutzt.

www.gloeckelchen.de

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