169 Absolventen erhalten an der Hermann-Hesse-Schule ihr Zeugnis Unterricht war nur unter schwierigen Umständen möglich

Nur mit strengen Abstandsregeln und einer Mund-Nasen-Bedeckung war die Zeugnisübergabe an der Hermann-Hesse-Schule möglich. Foto: man

Obertshausen (man) – Hätte jemand bei der Zeugnisausgabe 2019 Schülern und Lehrern der Hermann-Hesse-Schule (HSS) ein Bild von diesem Jahr gezeigt, hätte mancher vielleicht vermutet, es handele sich um eine Performance aus dem Fach „Darstellendes Spiel“. Niemand hätte getippt, dass so ein Foto vom 26. Juni im Jahr 2020 die Normalität widerspiegelt. Im Auditorium stehen die Stühle weit auseinander, alle tragen Mundschutz. Die Gratulationen auf der Bühne verlaufen ohne Handschlag.

Auch die Schüler der HHS erlebten während der letzten Monate den Unterricht nur unter widrigen Umständen. Am Freitag holten sich die Absolventen der Abschlussjahrgänge mit Mundschutz, Abstand und im Live-Streaming ihre Zeugnisse ab.

Die Lehrerin Stephanie Kämmerer blickt wie aus der Zukunft auf die Szenerie und hofft für die Absolventen der 10 b des gymnasialen Zweigs, „dass ihr später einmal darüber lachen könnt“. Für die insgesamt 169 Schüler bedeutet die Zeugnisübergabe eine Zäsur. Die wirkt sich für die 41 Jugendlichen des gymnasialen Zweigs jedoch am wenigsten aus, auch wenn die meist 16-Jährigen wechseln müssen, denn die HSS endet nach der zehnten Klasse.

Für sie geht es nach den Sommerferien mit der Oberstufe weiter. Die meisten wechseln auf die kooperierende Claus-von-Stauffenberg Schule in Rodgau. „Etwa 70 Prozent“, erklärt Anthony Hayes. Der Gymnasialzweigleiter beobachtete bei denen, die heute ihr Zeugnis bekommen, eine Atmosphäre der Dankbarkeit, „dankbar, wie man mit euch umging, dankbar, dass ihr aufs Gymnasium konntet“. Hayes deutet an, anfangs hätte er auf manchen Schüler eher nicht gewettet, der sich dann aber fing, „dass hattet ihr eurer Arbeitsauffassung zu verdanken“. Juri Weirich und Jasmin Biedermann schließen mit den besten Noten ihres Jahrgangs das Kapital HSS ab. Lehrerin Roswitha Schmid erzählt von zwei spannenden Jahren mit ihrer Realschulklasse, „es gab schöne und auch anstrengende Zeiten“. Die Frau hofft, „dass wir euch das nötige Rüstzeug auf den Weg geben konnten“. Hier freuen sich Yasmin Günes und Saskia Lauhöfer über die besten Zeugnisse. Im Hauptschulzweig lagen Ilter Manolya und Amely Zimmermann nach der 9. Klasse vorne. Vier der 39 Absolventen beginnen demnächst eine Ausbildung bei der Bundesbahn.

Die Teilnahme der Eltern fällt in diesem Jahr im Schulgebäude zwar flach, zusehen dürfen sie dennoch. Sven Köhler, der Stufenleiter der Jahrgänge 5 bis 7 des Haupt- und Realschulzweiges, organisierte das Live-Streaming in die heimischen Wohnzimmer. Manche Schüler muss Köhler jedoch daran erinnern, beim Vorbeigehen in die Kamera zu winken. Ulrich Schmidt hätte wohl niemals gedacht, noch einmal beruflich einen Tag wie heute zu erleben. Der frühere Direktor der Offenbacher Albert-Schweitzer-Schule weilte schon im Ruhestand. Doch vor einem Jahr fragte das Schulamt an, ob er die Leitung der HSS kommissarisch übernehmen könne. Schmidt resümiert in seiner Rede die letzten Wochen, „einige haben Angst, weil sie nicht wissen, wie es weiter geht“. So müssten in Zeiten von Corona manche der 89 Realschüler, die heute ihr Zeugnis bekommen, die Luft anhalten, ob sie die vielleicht schon zugesagte Ausbildungsstelle auch tatsächlich antreten können. Mut mache ihm, dass es im Angesicht von Klimawandel und anderen Katastrophen Menschen gäbe, „die alles daran setzen, konstruktive Lösungen zu finden“.

Allen Schülern gibt der Leiter mit auf den Weg, „wer unter den widrigen Umständen der letzten Monate seinen Abschluss schaffte, der hat was gepackt“. Schmidt zitiert mit dem Blick auf die Zukunft der jungen Menschen aus einem Gedicht des Namensgebers der Schule: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

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