Erfolgreicher Balanceakt seit 30 Jahren Tigerplast Varieté Theater erhält Binding-Kulturpreis

Andreas von Schoeler (von links), Robert Mangold, Margareta Dillinger, Peter Feldmann, Bergit Gräfin Douglas, Johnny Klinke und Otto Völker beim Festakt im Kaisersaal. Foto: Faure

Sachsenhausen/Frankfurt (jf) – „The Time For Your Life Is Now“. Joan Faulkners kraftvolle Jazz-Stimme erfüllte den Kaisersaal. Ihr Partner Gustav Csik begleitete die Sängerin, die viele Jahre zur Stammbesetzung des Tigerpalastes gehörte, am Flügel.

„Dass so viele Leute da sind, geschieht ihnen mehr als recht“, wandte sich Oberbürgermeister Peter Feldmann an Johnny Klinke, Margareta Dillinger und Robert Mangold. Er würdigte die fast 30 Jahre, die das Tigerpalast Varieté nun besteht. Es habe die große Tradition des Schumann-Theaters aufgegriffen. Kultur verbinde die Herzen der Menschen. In Räumen, wo früher die Heilsarmee saß, staune heute das Publikum, stellte Feldmann fest.

Bergit Gräfin Douglas, Vorstandsmitglied der 1995 ins Leben gerufenen Binding-Kulturstiftung, erzählte vor der Übergabe des mit 50.000 Euro dotierten Preises von einem Abend im Tigerpalast. Sie habe sich dort „glücklich und aufgehoben“ gefühlt. „Schon mein 2016 verstorbener Mann Christoph Graf Douglas spekulierte über eine Preisverleihung zum 30-jährigen Tigerpalast-Bestehen“, bemerkte die Gräfin. „Sie sind ein tolles Team“, wandte sie sich an Klinke, Dillinger und Mangold.

Auch ehemaliger OB ist zu Gast

Der ehemalige Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler, eingesprungen für den erkrankten Felix Semmelroth, hielt die Laudatio. „Viele Gäste im Kaisersaal haben heute Momente des Glücks im Kopf, wenn sie an den Tigerpalast denken“, begann von Schoeler. Dabei sei die Gründung des Varietés eine verrückte Idee gewesen; es war kein Geld da, keine Erfahrung, keine Künstler, keine entsprechende Ausbildung, kein Raum – und Tiger schon gar nicht. Die Tiere traten auch nie wirklich auf, sie stammten aus dem chinesischen Sternzeichen: Das Jahr 1986, in dem die Tigerpalast-Gesellschaft gegründet wurde, ist ein Jahr des Tigers. Und das Geburtsjahr von Klinke ebenfalls.

Der Begriff „Palast“ war als Gegenmodell zu den Banken gedacht. „Johnny Klinke und Margareta Dillinger haben außerdem das Kunststück vollbracht und aus nichts einen Palast gemacht.“ Varieté sehe leicht aus, doch dahinter stecke harte Arbeit. Der Tigerpalast habe es geschafft, Hochspannung in einer familiären, weltoffenen und freien Atmosphäre zu erzeugen. „Klinke, Dillinger und dem zu früh verstorbenen Matthias Beltz ging es nicht nur um Varieté. Sie wollten Schritt halten in einer Gesellschaft, die sich gerade wieder neu fand. Legendär ist das Motto von Beltz: Liberté, Egalité, Varieté“, unterstrich der Laudator. Der Tigerpalast sollte ein Gegenentwurf zum Fernsehen sein. „Er hat nicht die Welt verändert, aber Frankfurt – und zwar zum Guten“, stellte von Schoeler fest.

Erinnerungen an Frankfurts 1200-Jahr-Feier

Vor Frankfurts 1200-Jahr-Feier 1994 kamen Klinke und Dillinger auf den damaligen Oberbürgermeister von Schoeler zu und schlugen einen Drahtseilakt des Künstlers Philippe Petit hoch über der Stadt vor. „Es sollte ein Moment des Luftanhaltens werden, eine Stunde Pause für die Stadt, etwas, das sich keiner kaufen kann.“ Als der Wind stärker wurde, hielten viele die Luft an. Petit schaffte die 300 Meter zwischen Paulskirche und Dom. Übrig blieben dem Tigerpalast jedoch hohe Schulden.

Von Schoeler würdigte auch die Arbeit Margareta Dillingers, die eher im Hintergrund agiere, aber den Künstlern ein Zuhause schaffe. Dillinger entdeckt die Menschen, findet Künstler von Weltrang, sieht alle selbst, beauftragt keine Agentur. Nach der Übergabe von Urkunde und Scheck bedankte sich der Varietédirektor: „Am 30. September 1988 sagte Matthias Beltz: ‚Ab heute gilt in Frankfurt die Pflicht der guten Unterhaltung.’ Nun sind fast 30 Jahre später zwei Oberbürgermeister im Kaisersaal, um zu gratulieren. Steht auf, liebe Tiger!“

Trotz vielen Angeboten: „Wir bleiben in Frankfurt.“

Im Hintergrund des Saals erhoben sich Menschen – sie alle, manche von Anfang an dabei, sorgen dafür, dass die Show und die Gastronomie stimmen – für bisher drei Millionen Gäste. Klinke, der Angebote aus Paris, Berlin und Offenbach ausgeschlagen hat, versicherte: „Wir bleiben in Frankfurt.“ Dann begeisterte Oleg Izossimov mit Handstand-Equilibristik. Noch einmal sang Joan Faulkner; bei „Oh Happy Day“ hielt es niemanden mehr auf dem Platz.

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