„Brücken bauen“ war ein Anliegen der Ökumenischen Woche

Ältere können als Paten für Schüler hilfreich sein

„Brücken bauen“ war ein Anliegen der Ökumenischen Woche, die alljährlich nach Pfingsten die Schlossstadt mit dem Geist Gottes umweht. In der Freien evangelischen Gemeinde fand dazu eine Podiumsdiskussion statt. Foto: m

Heusenstamm (m) – „Brücken bauen“ war ein Anliegen der Ökumenischen Woche, die alljährlich nach Pfingsten die Schlossstadt mit dem Geist Gottes umweht.

Pastor Achim Kubicki betete vor einer Podiumsdiskussion in der Freien evangelischen Gemeinde um Zusammenhalt in der Gesellschaft und um gute Ideen.

Burkhard Helm von der Gastgeberin und Professor Elmar Götz aus Rembrücken schlugen Brücken zum Thema: Wer kann was konkret für die Gesellschaft tun, wie lassen sich Zusammenhalt und Miteinander verstärken, was sagen die „Stützpfeiler“ Politik, Bildung, Caritas, Kirche und Wohlfahrt dazu.

Pfarrerin Sandra Scholz, die auch ein Jahr in Heusenstamm wirkte, stammt aus einem Dorf in Mittelhessen, erinnerte sich an der Ortsgrenze zu „den anderen“.

Erst als junge Frau bemerkte sie, dass Neues und Fremdes jenseits der Dorfgemarkung gar nicht so anders ist. „Identität lässt sich mit Kontakt gewinnen, nicht durch Abgrenzung“, lautet ihre Erfahrung.

Die Unterscheidung von „Wir“ und „Die anderen“ schaffe also Unfrieden, dabei gebe es zwischen verschiedenen Menschen viel mehr Gemeinsamkeiten als gedacht.

„Ich sehe eine Aufgabe der Kirchen darin, das Eis immer wieder neu aufzubrechen“, zum Beispiel in Gemeinde-Cafes und an Heiligabend, wenn sich in Heusenstamm Einheimische und Geflüchtete treffen.

Der Bundestagsabgeordnete Björn Simon stellte sich als Brückenbauer in Sachen Verkehrspolitik vor, erkannte einen „tollen Zusammenhalt dank der Europäischen Union“. Sie repräsentiere Werte, auch soziale Gerechtigkeit und Sicherheit. Scharf wandte er sich gegen das Seifenblasen-Denken der AfD, die Probleme anspreche ohne Lösungsansätze zu geben.

Ute Kern-Müller vom Caritasverband in Offenbach möchte „Brücken zwischen Generationen“ schlagen. Viele Familien leben nicht mehr in einem Haus, für viele erwachsene Kinder stelle sich die Frage, wie sie ihre alternden Eltern unterstützen können. Personal in Pflegeberufen werde noch immer schlecht bezahlt.

Mathias Lippert, Ex-Schulleiter der Adolf-Reichwein-Schule, plädierte ebenfalls dafür, gemeinsame Interesse in den Vordergrund zu stellen und nicht Unterschiede zu suchen. Der Pädagoge sprach sich für einen ökumenischen Religionsunterricht aus. Für eine bessere Integration von Migranten und Schülern mit Behinderungen werden mehr Lehrer und geringere Klassenstärken benötigt sowie eine bessere Ausstattung von Fachräumen, Lerntheken, Ruhezonen, Computersäle.

„Der Sport, Siege wie Niederlagen, verbindet alle Menschen“, wies der Rektor a. D. auf weitere Möglichkeiten hin, aufeinander zuzugehen. Es gelte, mehr Menschen mit Migrationshintergrund für ein langfristiges Engagement in den Vereinen zu gewinnen.

Catherine Brouwer von der Flüchtlingshilfe ging es um die Einstellung in der Familie: „Wir sollten Interesse zeigen, offen sein, um voneinander zu lernen, weg vom Ich- und hin zum Wir-Denken gehen.“ Die Geflüchteten, berichtete sie, seien auf der Suche nach Wohnraum, Bildung und Arbeit, um in der neuen Heimat Fuß zu fassen und für sich selbst sorgen zu können.

Bundespolitiker Simon kritisierte, „das Aussetzen der Wehrpflicht war ein großer Fehler“. Der Dienst führte viele junge Leute „auf den rechten Weg“, manche Zivildienstleistende fanden in dieser Zeit ihren Beruf. Doch die Politik könne nur Leitplanken vorgeben. Ute Kern-Müller betonte, bei Pflegeberufen gehe es nicht nur um „waschen und windeln“, es sei eine „sehr anspruchsvolle Ausbildung“, für die früher nur Abiturienten zugelassen wurden. Interessierte müssen eine gute Sprachkompetenz und Leidenschaft mitbringen.

Lippert machte die Erfahrung, dass ältere Menschen als Paten für Schüler hilfreich sein können, die daheim nicht nötige Unterstützung erfahren. Schüler mit Behinderungen in der Klassengemeinschaft wecken das soziale Bewusstsein. Auf eine Frage aus dem Publikum unterstrich Pfarrerin Sandra Scholz, „ja, Kirche muss politisch sein“.

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