43. Dietesheimer Kerb – Einfach etwas ganz Besonderes Der Kerbborsch regiert in Diddesem

Rund 100 Basaltköpp, Musiker aus Dietesheim und Bieber begleiteten den Kerbborsch von seiner „Mama“ Sonja Benner zum Festplatz am Schwesternhaus. Dort wird ökumenisch-kräftig gefeiert, erstmals auch mit dem renovierten Gerät des Schiffschaukel-Vereins. Foto: m

Diddesem (m) – Stolz und flotten Schritts führen sie den Gaudiwurm die Hauptstraße hinauf. Keine Ampel, keine dunklen Wolken können die Musiker und Basaltköpp aufhalten, der erste Weg der Feierlichkeiten zur Kirchweih von St. Sebastian bringt die Dietesheimer in die Petersstraße. Dort wartet der Typ, der vier Tage lang den Ort zwischen Main und Steinbrüchen regieren wird, schneidig herausgeputzt von seiner Pflegemutter Sonja Benner, der Kerbborsch.

So beginnt seit mittlerweile 43 Jahren die Diddesemer Kerb. Jeder, der einem Instrument Töne entlocken vermag, bläst und trommelt, was das Zeug hält. Zwei Akkordeonspieler, darunter Kolping-Vorsitzender Winfried Winter, vier Trommler, dazu Trompeten, Saxophone und Posaunen musizieren dem ausgestopften Kerb-Chef zur Ehre. Diesmal haben die „Oldies“ die Ehre, ihn durch die Straßen zum Schwesternhaus zu geleiten.

Die einstigen Mitglieder der Katholischen Jugend packen beim Fastenessen der Gemeinde mit an, kuvertieren Spendenbriefe für die Caritas und helfen, wo sie gebraucht werden. Küster Thomas Bihn geht jedes Jahr voran, ist heuer aber nicht mehr der einzige, der eine Fahne schwenkt. Neben seinem Banner mit dem Basaltstein-Wappen weht auf einem anderen weißen Tuch die übergroße Kopfbedeckung der Kappenträger.

Im Bennerschen Hof grüßt Udo Parakenings am Mikrofon zuerst die „Mama“ des Borschen, die den Job von ihren Eltern geerbt hat: Sonja, die genauso alt ist wie die aktuelle Kerb-Tradition, hat ihn mit grauem Hut, Vollbart und rotem Halstuch ausgestattet, mit weißem Hemd, schwarzer Weste mit Grashalmen und weißer Rose in der Brusttasche, Handschuhen, die ein Bierflasche mit Bügelverschluss, und einer Blue Jeans.

Die mit Gerstensaft, süß und sauer gespritztem Äppler gefüllten Becher sind längst noch nicht geleert, da ruft Leiter Parakenings zum Aufbruch. Die nächste Station liegt keine 50 Meter Fußmarsch weiter, die Familie Meyer in der Neustraße hat bereits eingeschenkt. Die Kinder Jan und Sophie verteilen Gummibärchen an Gleichaltrige, die Kapelle intoniert „Einer geht noch“.

So sollte es sein, denn in der Taunusstraße erwartet bereits die Familie von Michael Wittmann die Gesellschaft, die mittlerweile auf rund 100 Personen angewachsen ist. Mehrere junge Mütter und Väter sind darunter und schieben Kinderwagen. Wittmanns haben die lilafarbene Fahne der evangelischen Kirche gehisst, Michael sitzt im Vorstand der Friedensgemeinde und steht bei jeder Veranstaltung hinter der Theke im Hof der Gustav-Adolf-Kirche.

Der Zug funktioniert längst ökumenisch, wie sich nicht erst an der Lore am Dalles zeigt. Dort hat erstmals die KJG mit engagierten Gruppenleiter beider Konfessionen einen Stand aufgebaut. Zuvor lässt sich die Schar noch vom aktiven Mitglied der katholischen Pfarrei und Feuerwehrmann Andreas Picard und seiner Familie am Alten Friedhof bewirten.

Zurück in der Hauptstraße empfängt die 93-jährige Eugenie Moll mit den Ihren die Schar. Sie war ab 1977 „Kerbborschmutter“, erinnert sie beim sauer Gespritzten. Dann folgen die Träger der Sänfte, Musiker und Gefolge dem alten Brauch: Die Träger drehen mit dem Regenten ein paar Runden auf dem Kinderkarussell, bevor am Schwesternhaus auf seinem Stuhl hochgezogen wird. Dann sticht Bürgermeister Daniel Tybussek unter dem Applaus der Menge das Freibier-Fass mit einem einzigen Schlag mit dem Holzhammer an. Das Duo „Wir Zwei“ lässt im voll besetzten Garten den Nieselregen vergessen.

Nach mehr als 20 Jahren verabschiedet die Gemeinde beim Frühschoppen Reinhard Ricker als Kerbkassierer mit dem goldenen Basaltstein. Ein Nachfolger ist bereits im Amt, Dominik Maier bekleidet jetzt den Posten in der Hauptkasse. Rund 300 Dienste müssen über die vier Festtage besetzt werden, auch viele Freiwillige, die gar nicht den Gastgebern von St. Sebastian angehören, bieten ihre Hilfe an, berichtet Parakenings.

Am Montag gab’s erneut Freibier, ein Körbchen für Firmen und Vereine, die mit mindestens zehn Mitgliedern im gleichen T-Shirt erschienen. Am Dienstagabend schlug die letzte Stunde des Borschen, der lautstark verabschiedet wurde.

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