Angebot besteht seit zehn Jahren

Caritas-Projektarbeit mit gewalttätigen Ehemännern

Soziologe Jörg Fertsch-Röver (von links), Caritasleiterin Anette Bacher, Psychologe Alexander Schantz und Frauenbüro-Leiterin Karin Dörr stellten das Präventionsprojekt vor und erzählten von ihrer Arbeit mit Männern, die ihre Frauen und oft auch Kinder schlagen. Foto: Mangold

Offenbach (man) – Seit zehn Jahren gibt es bei der Caritas Offenbach ein Präventionsprojekt mit dem Titel „Streit – Krise – Gewalt“. Der Verband organisiert dieses in Zusammenarbeit mit dem Frauenbüro der Stadt Offenbach. Der Psychologe Alexander Schantz und der Soziologe Jörg Fertsch-Röver erzählten nun während eines Pressegesprächs von ihrer Arbeit mit Männern, die ihre Frauen und meist auch die Kinder schlagen.

So ganz freiwillig, lediglich durch den Schrecken über die eigenen Taten motiviert, kommen natürlich nicht alle Teilnehmer. „Manchen riet ihr Rechtsanwalt, sich bei uns zu melden“, erklärte Jörg Fertsch-Röver. Es macht sich nicht schlecht, dem Richter eine entsprechende Bescheinigung auf den Tisch zu legen, wenn es um Strafzumessung oder Sorgerecht geht.

Drei von zehn melden sich freiwillig

Es gäbe sie aber auch, erklärte Alexander Schantz, „die Männer, die bei uns Hilfe suchen und sagen, ‚ich erkenne mich nicht wieder, wenn ich schlage‘“. Drei von zehn meldeten sich aus eigenem Antrieb, meist von der Angst bestimmt, die Partnerin habe von den Schlägen schließlich genug und trenne sich endgültig.

Tiefe Einsicht zeigen die Männer nicht in allen Fällen. Die meisten neigen offenbar dazu, die eigene Tat rechtfertigen zu wollen. Die Schuld wird gerne delegiert, im Tenor von „die hat mich aber auch gereizt“. Schantz erzählte von einem Mann, der die Formulierung gebrauchte: „Sie ist mir einfach in die Faust gerannt“.

Zu Beginn der Arbeit, die über maximal zwölf Stunden geht, lassen sich Schantz und Fertsch-Röver von ihren Klienten einen Vertrag unterschreiben. Darin verpflichten sich die Gatten, während der Zeit der Gespräche die Hand nicht gegen ihre Frau zu erheben. Wenn manche irgendwann kommentarlos nicht wiederkommen, dann lässt sich vermuten, dass sie ihr Wort nicht gehalten haben.

In der Kindheit selbst Gewalt erlebt

Jörg Fertsch-Röver erklärt, er habe noch nie einen Klienten erlebt, der in Kindheit und Jugend im Elternhaus keine Gewalt erlebt habe. Das führe jedoch keineswegs dazu, zum prügelnden Vater auf Distanz zu gehen, der meist auch die Mutter schlug. Fertsch-Röver erzählte von einem Mann, der weinend bedauerte, dass der gewalttätige Erzeuger schon gestorben sei und nicht mehr miterleben könne, wie erfolgreich sich der Sohn beruflich entwickelt habe.

Die meisten Täter sind in Milieus aufgewachsen, in denen das Schlagen von Kindern und Frauen zur Normalität gehörte. In der Machowelt gilt es quasi als männlich, jene zu prügeln, die sich partout nicht wehren können. Schantz erklärte, die Männer müssten den Tathergang genau beschreiben, wie in der Zeitlupe eines Films. Das zwinge sie, sich mit ihrem Handeln auseinander zu setzen und verhindere eine Bagatellisierung der Tat. Von Wirkung seien vor allem die gemeinsamen Gespräche mit ihren Opfern, ihren Gattinnen. „Dann müssen sie zuhören und bekommen oft das erste Mal mit, wie sich ihre Frauen dann fühlen.“

Warum bleiben Frauen überhaupt bei Kerlen, die sie auch nur einmal geschlagen haben?

Frauen fällt die Trennung schwer

Erstaunlicherweise kehren 80 Prozent aller, die in einem Frauenhaus Zuflucht gesucht haben, wieder zurück. „Im Schnitt braucht es acht Versuche, um den Mann zu verlassen“, sagte Alexander Schantz mit Blick in die Statistik. Alleine deshalb sei es wichtig, möglichst vielen Männern Techniken an die Hand zu geben, der eigenen Aggression Herr zu werden, „wie etwa dann einfach die Wohnung zu verlassen und spazieren zu gehen“. Am ehesten trennen sich noch die jüngeren Frauen, vor allem, wenn noch keine Kinder auf der Welt sind.

Manchmal kommen bei der Caritas auch alleinerziehende Mütter vorbei. Sie suchen Rat, weil der eigene Sohn sie schlägt.

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