Offenbacher Karneval Verein stellt neue Regenten für die närrische Saison vor An großes Publikum ist das Prinzenpaar gewöhnt

Der OKV stellt sein Prinzenpaar vor (von links): Simon Isser, Manfred Roth, Klaus Kohlweyer, Prinzessin Natalie I., Klaus VII. und Robert Pies. Foto: Mangold

Offenbach (man) – In Offenbach haben Natalie und Klaus Eiserloh zwar noch nie gewohnt, dennoch könnte manchen in der einstigen Lederstadt das Gefühl beschleichen, „irgendwoher kenne ich die doch“. Zurecht. Die beiden treten seit Jahren mit ihren Ständen auf dem Weihnachtsmarkt und der Offenbacher Woche auf. Klaus kümmert sich um Popcorn und Mandeln, Natalie um Bratwurst um Fritten. Außerdem betreiben die Eiserlohs das Kinderkarussell, auf anderen Festen auch den Autoscooter.

Im Vorstand des „Offenbacher Karneval Verein“ (OKV) sitzen keine Dogmatiker, die postulieren, dass mindestens schon Omas und Opas in Offenbach geboren sein müssen, damit hier jemand Prinz oder Prinzessin werden kann. Sogar einem Frankfurter übergab Hofmarschall Robert Pies schon das Zepter. Man stelle sich das umgekehrt vor.

Auf das Ehepaar Eiserloh kamen die Offenbacher Narren nicht durch einen Griff in die Lostrommel. Man kennt sich schon seit Jahren, auch wenn die beiden knapp eine Autostunde von Offenbach entfernt leben: in Hungen, im Kreis Gießen. Aber auf der Offenbacher Woche unterhält der OKV einen Sektstand, wo auch die Eiserlohs jedes Jahr aufbauen. Schon kurz nach der letzten Kampagne sprach der OKV-Vorsitzende und Weihnachtsmarkt-Organisator Klaus Kohlweyer – Klaus VI. von 2003 – die beiden an, was sie davon hielten, sich am 18. Januar 2020 in der Stadthalle beim „Feuerwerk der guten Laune“ zu Prinz Klaus VII. und Prinzessin Natalie I. von Lederanien krönen zu lassen.

Der OKV hatte eine Sorge von der Backe. Die beiden sagten zu, auch wenn das für die Schausteller Stress bedeutet. Der Weihnachtsmarkt steht vor der Türe, und Würstchen brutzeln nicht von selbst. „Wenn wir Termine haben, können wir unsere Stände dennoch besetzen“, hat sich Natalie Eiserloh die Zusage wohl überlegt. Für die 39-Jährige ist klar: „Für uns ist Offenbach eine besondere Stadt. Wir hätten das nirgendwo sonst übernommen.“

Die beiden wuchsen in der Nähe auf, ein paar Kilometer den Main hoch, in Hanau. Der 41-jährige Klaus stammt ebenso wie seine Frau aus einer Schaustellerfamilie, die über Generationen die Geschäfte weitergab. Die zwei kennen sich seit Kindesbeinen aus der Nachbarschaft, auch wenn Natalie erklärt, eher mit dem Cousin ihres späteren Mannes gespielt zu haben. Als Teenager veränderte sich ihr Blick auf Klaus. Schließlich habe sie gedacht, „der oder keiner“. Klaus sah das ähnlich. Seit 18 Jahren sind sie verheiratet. Mittlerweile haben die Eiserlohs zwei Söhne im Alter von elf und 13. Ein flaues Gefühl müssen sie nicht haben, dass die Buben das Haus auf den Kopf stellen, wenn die Eltern in der heißen Phase der Kampagne in Offenbach auf Achse sind, „die Oma wohnt nebenan“.

Man merkt dem Ehepaar an, dass sie es gewohnt sind, mit Publikum umzugehen. Sie erscheinen top vorbereitet. Ihren Vorstellungsvortrag im Sheraton an der Berliner Straße sagen sie ohne Wackler, ohne abzulesen auf.

Landesverweser Manfred Roth, der Prinz von 1980, hofft, das Paar werde der Offenbacher Fastnacht auch nach der Kampagne erhalten bleiben. In seinem früheren Amt als Hofmarschall habe er 19 Prinzenpaaren den Säbel auf die Schultern gelegt, „davon sind 16 noch im Karneval aktiv“.

Klaus Kohlweyer spricht von der bevorstehenden Kampagne als „so groß wie sonst nie“. Das „Feuerwerk der guten Laune“ startet zum elften Mal. Das gilt unter Narren als Jubiläum. Außerdem steht aus Anlass „66 Jahre Bürgeler Akte“ am 2. Februar 2020 ein Fastnachtszug durch Offenbach an. Am 17. Juli 1954 schlossen sich die fastnachtstreibenden Vereine zusammen. Beim Umzug muss bis auf die Minute alles sitzen: „Der Hessische Rundfunk überträgt.“

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