Heimat- und Geschichtsverein vermittelt heimische Historie Museumstag im Karl-Mayer-Haus

Das Werk von Manuela Baumgart wird erneut beim Jubiläums-Fest am 6. Juni aufgeführt. Foto: m

Obertshausen (m) – „Meine Tochter ist weg!“ Am Hof von Graf Gerhard herrscht helle Aufregung, obwohl der Herr gar nicht zugegen ist. Bäuerin Agnes vermisst ihr Mädchen, sie soll doch den Nachbarssohn heiraten. Der habe zwar vorne keine Zähne mehr, bringe aber eine gute Mitgift mit … Mit einem Augenzwinkern vermittelt eine Gruppe des Heimat- und Geschichtsvereins am Museumstag heimische Historie. Anlass für die aufschlussreiche Szene aus der Feder von Manuela Baumgart ist das 950-jährige Bestehen Hausens. Jetzt erscheint Bauer Bernhard, nicht weniger verwirrt. Er vermisst seinen Sohn. Doch auch Graf Gerhard ist nicht da, sondern zum Kloster Johannesberg nach Mainz und zu Kaiser Heinrich IV. geritten. Dort will er sich die Rodung bei Villa Hyson eintragen zu lassen, die Urkunde gilt heute als Gründung Hausens. Daheim versucht Gräfin Adelheid, zwischen der Bäuerin aus Hyson und dem Bauer aus Oberdueshuson zu vermitteln.

Vogt Gernot recherchiert im Kloster Seligenstadt, dass die Vorfahren von Agnes anno 865, dem Gründungsjahr von Obertshausen, im Würfelspiel einen Ochsen an den Urgroßvater von Bernhard verloren haben. Beide Parteien sind zu Strafen verurteilt worden, findet Pater Anselmus in den Abgabebüchern im Zehntregister heraus. Darum erfüllt eine Fehde beide Familien, sie gehen sich hasserfüllt aus dem Weg. Außer die jüngste Generation: Brunhilde und Wulfhard seien in die Einhardstadt geflüchtet und wollen die Basilika nicht verlassen, bis sie einander heiraten dürfen, berichtet Gernot.

Die Gräfin trifft eine kluge Entscheidung. Glücksspiele, deren Einsatz einen Tageslohn überschreitet, sind fortan verboten. Und junge Leute können als freie Christenmenschen heiraten, wen sie wollen. „Geschichte wird nicht nur von Männern geschrieben“, resümiert Erzählerin Sophie Eckert. Im Stück spielen Regisseurin Baumgart die Gräfin, Tobias Kurz den Vogt, Bea Dietz die Bäuerin aus Hyson, Roland Schmachtl den Oberdueshusoner Bauern, Sylvia Piertoh die Magd Margarethe und Oliver Bode den Pater.

Das Werk wird zum Auftakt der Jubiläums-Feierlichkeiten am 6. Juni und eventuell im Bürgerhaus erneut aufgeführt. Den Museumstag bereicherte im Hof des Mayer-Hauses eine Ausstellung von Tieren des Rasse-Geflügelzuchtvereins Hausen. Vorsitzender Erhard Dietz und sein Team hatten Chabo-Küken mitgebracht, Pfau- und arabische Trommeltauben, Deutsche Zwerg-, Brahma- und Seidenhühner sowie Wachteln. Aus den Eiern der Zwerghühner hatten Mitglieder einen köstlichen Likör bereitet. Armin Paul, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein, warb auch für die Gulaschsuppe, die Jörg Schüßler über dem Kocher rührte, und für das üppige Kuchenbüfett. Am Nachmittag erfuhren die Gäste, dass Hausen wahrscheinlich noch viel älter ist! Diesen Schluss lassen die Funde zu, die Richard Plackinger in den 70er Jahren mit einigen Schülern auf dem Mäusehügel im Wald am Friedhof ausgebuddelt hat. Der gewellte Boden und der geplante Bau einer Straßenverbindung gen Hanau ließ die Gruppe nach Zeugnissen der Frühzeit suchen. Nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche stießen sie auf Hügelgräber der Kelten mit hauchdünnen, schwarzen Keramikschalen, Töpfen mit spitzem Boden, Perlen, Ringe, Fußreifen und Nadeln mit Verzierungen, Nagelkratzer und Ohrlöffel, zeigte der Referent.

Pinzette und Mini-Schwert bezeugen, dass der Verstorbene adlig und reich war. Auf eine Besiedlung lange vor Christi Geburt deuten auch Reste der Villa Rustica hin, ein vermutlich herrschaftliches Anwesen an der Römerstraße, der heutigen Bundesstraße, in Höhe des jetzigen Wiesenhofs. Nach dem Rückzug der Römer übernahm wohl ein fränkischer Graf die Siedlung Hintersemen – vielleicht Gerhard.

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