Edmund Sauerteig begleitet seit 60 Jahren die heilige Messe mit seinen Orgelklängen Ein so seltenes Jubiläum darf man auch zweimal feiern

Pfarrer Norbert Hofmann überreicht Edmund Sauerteig in der Herz-Jesu-Kirche ein Herz aus Stein für die treue Mitarbeit in der Kirche seit 60 Jahren. Foto: m

Obertshausen (m) – Edmund Sauerteig legte 1958 im Institut für Kirchenmusik in Mainz das Organisten-Examen ab, begleitet also seit 60 Jahren die heilige Messe mit dem festlichen Klang der Pfeifen. Nach der Begegnung mit der Gemeinde im Pfarrsaal stand der Jubilar nun erneut vor dem Altar der Herz-Jesu-Kirche – Pfarrer Norbert Hofmann überreichte ihm die Urkunde des Instituts für Kirchenmusik im Bistum Mainz.

Eine Woche zuvor würdigte der Priester den treuen Mitarbeiter mit einem Herz aus Stein. Das glatt geschmirgelte Liebessymbol in einem rauen Ring wurde von einem kenianischen Künstler geformt. Der Musiker bezeuge fast täglich an dem Instrument seine Liebe zu seinem Glauben.

Edmund Sauerteig erblickte in Offenbach das Licht der Welt, war aber immer in der Obertshausener Goethestraße zu Hause.

Er wuchs mit einer älteren und zwei jüngeren Schwestern auf, erlernte wie fast alle Bewohner seiner Generation den Beruf des Feintäschners. In der Firma Horch erhielt er eine Lehrstelle, später produzierte der Geehrte in Heimarbeit Teile für die Lederwarenindustrie, legte nebenbei noch die Meisterprüfung ab.

Als es mit der Branche bergab ging und sein Arbeitgeber 1969 in Konkurs anmeldete, begann der Musikus bei der Arbeiterwohlfahrt in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Im Hainbachtal betreute er über 30 Jahre lang Mitarbeiter mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen in der Montage von Werbeartikeln.

In Herz Jesu war er zunächst zweiter Organist neben Hans Drumm. In Hausen konnte er die „Nummer 1“ sein, also begann er 1960 bei Pfarrer Alois Luttermann in St. Josef. Der „Seitenwechsel“ hatte zur Folge, dass der junge Mann seine heutige Ehefrau Marie-Luise kennenlernte. Seit ’67 sitzt er wieder regelmäßig am Orgeltisch seiner Heimatgemeinde, ein Jahr später übernahm er obendrein die Leitung des Obertshausener Kirchenchors.

„Der geblasene Ton hat mich immer fasziniert“, begründet er seine Konzentration auf die Pfeifen. Denn zu seinem Repertoire zählen auch Addordeon und Gitarre, aber die Orgel sei nun mal sehr vielseitig: „Bis heute fesselt mich die Kirchenmusik, entdecke ich an dem Instrument neue Klangwelten“, formuliert er seine Zuneigung. Und anstatt beim Üben in einen Alltagstrott zu verfallen, komponiert der Bewunderer des Mainzer Kollegen Heinrich Rohr auch selbst, oder, wie er es nennt, „ich schreibe vom Kopf in die Finger“.

„Mit Nachwuchs ist’s schwierig“, sagt der Vater von drei Söhnen und einer Tochter und meint neue Talente an den Tasten. Und der Experte hegt noch weitere Wünsche: „Auf dem Neuen Friedhof benötige das Instrument nach mehr als 40 Jahre neue Pfeifen“, was natürlich kostspielig sei, weiß er.

Dafür erfülle er sich einen anderen Traum. Den Kirchenchor hat er längst in jüngere Hände abgegeben, doch eine Männerschola leitet er mit viel Herzblut.

Sauerteigs Leidenschaft für die Orgel fand auch die Bewunderung der Vertreter von Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat. Markus Jäger lobte Zeit und Engagement, die der treue Begleiter für die Gottesdienst-Gestaltung aufwendet.

Der Sprecher hob die intensive Vorbereitung hervor, die der Organist leiste. Diese Konzentration sei im aktuellen Zeitgeist nicht üblich, unterstrich Pfarrer Hofmann.

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