Fake News, wie man sie erkennen und mit ihnen umgehen kann Macht von Social Media unter Redaktions-Lupe

Wenige Tage nur nach dem Anschlag in Hanau dann die Amokfahrt in Volkmarsen und wieder gab es Falschmeldungen.

Von Heike BAUER

Stadtteile/Hanau – „Die Nazis marschieren durch Hanau, auch in Mühlheim sind die, überall schließen sie sich zusammen. Im Lamboy wird sogar geschossen!“ Am Abend nach dem mutmaßlich rassistischen Anschlag in Hanau vom 19. Februar, und auch nach Ende der Mahnwache am Marktplatz, gehen plötzlich Videos einer angeblichen Neonazi-Demonstration quer durch WhatsApp-Gruppen, Twitter und Instagram-Storys. Eltern werden von ihren Kindern darauf angesprochen, sind zuerst selbst sehr irritiert, natürlich steckt auch bei den Erwachsenen die Angst und der Schock noch in den Knochen.

Sobald man sich die Videos in Ruhe ansieht - deren Wahrheitsgehalt angeblich abgesichert ist – durch „den Bruder von A. (aus der Klasse), der ist bei der Polizei und weiß, dass es stimmt!“ – kann man schon Entwarnung geben: auf den Aufnahmen sind Menschen zu sehen, begleitet von Polizeifahrzeugen, die bei einer vermutlichen Demo gegen Rechts durch eine Stadt laufen. Die Teilnehmer rufen irgendwas mit „Antifascista“, soviel kann man hören (und das wäre für Rechtsradikale doch eher untypisch) und an der Straße, die zu sehen ist, lässt sich ein genauer Ort (zumindest in und um Hanau) nicht erkennen.

Täglich kann man neue Verschwörungstheorien und Falschnachrichten im Internet lesen, die unter bestimmten Umständen durchaus Panik auslösen können.

Auf der Homepage der Stadt Hanau berichtet der Oberbürgermeister Claus Kaminsky, es habe sich in den sozialen Medien nach dem Anschlag auch eine Sprachnachricht verbreitet, die von marodierenden Neonazis berichtet. „Fakt ist jedoch, dass die Sprachnachricht, dessen Urheber uns persönlich bekannt ist, etwa vier Jahre alt ist und in einem völlig anderen Zusammenhang gestanden hat“, so Kaminsky.

Auch kurz nach dem Auto-Angriff in Volkmarsen an Rosenmontag, bei dem mehr als 60 Menschen verletzt wurden, warnen Polizei und Landeskriminalamt (LKA) eindringlich vor falschen Informationen im Internet: Bilder eines angeblichen Täters werden geteilt, Theorien von einem „islamistischen Gegenangriff“ schwirren durchs Netz. Nach Angaben des Tagesschau-Faktenfinders teilen unter anderem AfD-Profile bei Facebook eifrig diese Falschmeldung, obwohl faktische Belege fehlen.

Eine Lüge im Internet zu erkennen, ist auch für einen Erwachsenen nicht immer einfach, für Kinder und Jugendliche - mitten im gruppendynamischen Social-Media-Leben - erst recht nicht, zumal da auch eine gewisse Sensationsgier eine Rolle spielt.

Was sind also Anzeichen für Fake-News, wie kann man sie erkennen? Oft wird beispielsweise ein Gerücht als Frage formuliert oder als vermeintliche Satire getarnt, damit sich der Urheber im Zweifel später davon distanzieren kann. Reißerische Aufmacher und Bilder im Stil von Boulevard-Presse können ein weiterer Hinweis auf Fake-News sein. Hier gilt es ebenfalls, das Ganze zu hinterfragen, bevor man Videos und Texte voreilig mit anderen teilt. Auch das Datum einer Meldung sollte man sich ansehen, die Überschrift in eine Suchmaschine eingeben: berichten auch andere Medien über den Fall, gibt es mehrere seriöse Quellen? Hat eine Homepage ein Impressum (was in Deutschland Pflicht ist), auf der ein Verantwortlicher genannt ist? Einer Seite ohne Impressum sollte man besser kein Vertrauen schenken.

Glaubt man falschen Nachrichten, kann sich das auf das Denken auswirken, die persönlichen und gesellschaftlichen Meinungen über kontroverse Themen ändern und Ängste verstärken. Eventuell wird dadurch im Alltag sogar das eigene Verhalten geändert, vielleicht meidet man manche Situationen und Plätze.

Fake News können durch Manipulationen einer Demokratie und Gesellschaft durchaus gefährlich sein.

Wie soll man nun mit diesem Thema umgehen in einer Zeit, in der bereits Grundschulkinder Smartphones besitzen und jederzeit an zum Teil verstörende Meldungen und Bilder gelangen können? Einer der wichtigsten Punkte ist sicher frühzeitige Aufklärung und Sensibilisierung. Eltern sollten sich und ihre eigenen Meinungen hinterfragen, mit ihren Kindern das Thema Fake-News besprechen. Sie könnten erklären, wie man falsche von tatsächlichen Nachrichten unterscheiden kann und wie man seriöse Internetseiten findet. Man sollte keine Meldungen oder Bilder voreilig teilen und auf einer Hysterie- und Panikwelle mitschwimmen. Wünschenswert ist sicher auch eine noch intensivere Media-Bildung beispielsweise durch Aufnahme in die Lehrpläne von Schulen. Bei Vorfällen wie in Hanau oder Volkmarsen empfiehlt es sich in jedem Fall, auch die offiziellen Meldungen der Polizei zu sichten, etwa beim Twitteraccount der Polizei Südosthessen Twitter.com@Polizei_soh.

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