Holzversteigerung im Dudenhöfer Wald Frische Buche in Rodgau unterm Hammer

Die Germania versteigerte einige Raummeter Holz für einen guten Zweck. Lars Thomae (Mitte) vertrat Besi and friends, die Gelder für MS-Kranke sammeln. Links Forstamtmann Günther Heid und rechts Ortsdiener Manfred Kratz. Foto: Pulwey

Rodgau (pul) – Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist das Naherholungsgebiet Gansbrüh am zweiten Januarwochenende Anlaufpunkt für Freude der kultigen Veranstaltung. Wenn die Sägen kreischen und die Traktoren tuckern, wird es Zeit für Fleischwurst und Erbsensuppe.

Gut 80 Helfer des Dudenhöfer Gesangvereins Germania stellten erneut eine tolle Veranstaltung auf die Beine. Mit Holzfäller-Show und Rücke-Vorführung brachten die Sänger den Besuchern alte Traditionen der Waldwirtschaft näher. Und das Wetter spielte glücklicherweise auch mit.

Stephanie Weimer repräsentiert nun die Germania

Gekrönte Häupter gaben sich bei der Holzversteigerung erneut ein Stelldichein. Die Schärpe der Edelholzkönigin wanderte dieses Jahr von Christina Woetzel weiter an Stephanie Weimer. Doris Klein (Königin der Jahre 2009 bis 2010) ehrte Stephanie Weimers Haupt mit der goldenen Krone. Zu Ehren der „Blaublütigen“ gaben die Weiß-blauen-Jagdhornbläser unter der Leitung von Egon Roth ein Ehrensignal.

„Ich fühle mich wohl“, kehrte die frisch gebackene „Königliche“ ihre Gefühlswelt nach außen. Über die Vereinsgrenzen hinaus wird Stephanie Weimer nun ein Jahr lang die Germania repräsentieren.

Die Veranstaltung an der Gänsbrüh zog erneut Tausende in den Wald. Das Schreien der Kettensägen und der Duft aus der Küche erfüllten die Luft in der Gemarkung. Kurz nach 13 Uhr hieß es erneut: zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Als Ortsdiener läutete wie schon vor Jahren Manfred Kratz die Glocke. Mit lautem Gebimmel machte er im historischen Zwirn auf die eigentliche Holzversteigerung aufmerksam.

Das Drumherum lockt die Menschen zur Versteigerung

Die Kaufgebote für die gestapelten 48 Raummeter Holz flossen nicht so flott wie noch vor Jahren. Forstamtmann Günther Heid gab für die ersten beiden Raummeter dem ersten Gebot von 122 Euro den Zuschlag. Nach etwa 30 Minuten waren 70 Prozent der bereitgestellten Holzscheite unter dem Hammer. Doch die restlichen 30 Prozent fanden nur noch teilweise Käufer.

Der Veranstalter, der gesangverein Germania, entschied dieses Jahr, einige Raummeter Buchenholz zugunsten der Sportlervereinigung Besi and friends zu versteigern. Lars Thomae stellte die Radsportfreunde näher vor. „Wir sind ein Mutmacher-Projekt und wollen Erkrankten zeigen, dass man am Leben teilnehmen kann“, so Lars Thomae. Ideengeber Andreas Beseler erkrankte vor vielen Jahren an Multipler Sklerose. Seitdem kämpft er sportlich gegen die Krankheit an gemäß seinem Motto: Rad statt Rollstuhl. Daraus gründete sich eine große Gemeinschaft von Radsportlern, die gemeinsam für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung Geld sammeln. Für den guten Zweck waren die Gebote sogleich viel lebhafter als zuvor. Für 133 Euro gingen die ersten beiden Raummeter unter dem Applaus der Anwesenden an den Bieter. Die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung unterstützt an Multipler Sklerose erkrankte Personen.

Seit wenigen Jahren küren die Germanen neben der Edelholzkönigin auch einen Edelholzkönig. Bis der passende Nachfolger des letztjährigen Königs, Markus Dengler, gefunden war, bedurfte es einer kräfteraubenden und sportlichen Anstrengung. Nach der Thronbesteigung 2015 durch Gerald Klein durfte Moderator Jürgen Resch letztes Jahr Markus Dengler als Edelholzkönig ausrufen.

Beim Sägen wird es sportlich und schweißtreibend

Beim diesjährigen Sägewettbewerb traten zuerst Christina Woetzel und Wolfgang Linke an. Dann galt es für Vanessa Nenner und Gerald Klein dem Baumstamm (37 cm Durchmesser) zu Leibe zu rücken. Letztendlich siegten Karlheinz Dengler und Stephanie Weimer. Dengler trat somit die Nachfolge seines Bruders Markus an; beide sind beruflich mit der Holzverarbeitung verbandelt. Den zweiten Platz sicherten sich Wolfgang Walter und Königin Andrea I. Mit den Dengler-Brüdern aus Widdern bei Heilbronn angereist, trug Andrea I. die Schärpe der dortigen Königin des Holzfällerwettbewerbs. Der neue Edelholzkönig heißt somit Karlheinz Dengler.

Preisgekrönte Häupter auch bei alten Maschinen

Im Vorfeld der Veranstaltung ging der bange Blick der Organisatoren Richtung Himmel. Dienstags begannen die Aufbauarbeiten vor Ort. Dann kamen Schneeregen und Sturm Egon. Letzterer verwehte teilweise das gerade erst Aufgebaute. Der Wiederaufbau „kostete uns Zeit“, resümierte Wolfgang Walter, „aber es hätte schlimmer kommen können“. In Bezug auf Wetterkapriolen sind die Germanen gebrannte Kinder. Erst 2015 musste die Holzversteigerung wegen eines Sturms verschoben werden.

Am Veranstaltungstag hielt glücklicherweise das Wetter. So schlenderte das Publikum entlang der Traktorenausstellung. Auch dort gab es preisgekrönte Häupter: Für das älteste Vehikel erhielt Peter Sommer von den Traktorenfreunden Seligenstadt den Siegerpokal. Sein Allgaier A 22 ist Baujahr 1950 und ist ein Wasserverdampfer. Die Maschine hat keinen Kühler, erläuterte Peter Sommer, das Wasser kühlt und verdampft anschließend durch das Erhitzen. Dann heißt es für den reibungslosen Lauf der Maschinerie: Kräftig Wasser nachfüllen. Den am besten restaurierten Traktor fuhr Reinhard Geißler von den Traktorfreunden aus Babenhausen. Auch dafür gab es einen glänzenden Pokal.

Urmel kommt nicht aus dem Eis – er zieht Baumstämme

Bestens präpariert zeigte sich auch Urmel. So heißt das Rheinisch-deutsche Kaltblut, das bei der Holzrücke-Vorführung an die alten Zeiten des Holzeinschlags erinnerte. Das Pferd zog unter den Blicken der Gäste gefällte Bäume durch den Wald.

Eine Tradition innerhalb der Traditionsveranstaltung bilden seit 1995 die fleißigen Vereinsfrauen. Denn alles was die hungrigen Gäste im Wald verzehrten, wurde zuvor in aufwendiger Handarbeit topfgerecht geschnibbelt. Ein Zentner Kartoffeln, ein Zentner Zwiebeln und 100 Kilo Erbsen gesellten sich zu 35 Kilo Bauchfleisch. Neun Frauen und Männer trafen sich für die Küchenarbeit bei Familie Seum in der Nieuwpoorter Straße 86.

Schon während dieser Arbeiten zwei Tage vor dem Fest richtete sich die Aufmerksamkeit Richtung Himmel. „Das schlechte Wetter soll rechts und links an uns vorbeiziehen“, war der fromme Wunsch der tüchtigen Ehrenämtler. Die Bitte wurde erhört. Der Himmel packte das nasse Wetter auf die Seite und ließ stattdessen sogar den ein oder anderen Sonnenstrahl auf die Veranstalter fallen. Wenn das kein gutes Omen für das nächste Jahr ist.

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