„Maus und Katz“ mit Stars

Andrej Bockelmann (von links), Peter Zingler, Mario Adorf und Hajo Gies im Gespräch. Foto: Faure

Ostend (jf) – Das Foyer der Naxoshalle stand an diesem Abend ganz im Zeichen des zehnjährigen Kino-Jubiläums: An der Wand hingen dicht an dicht Filmplakate der vergangenen zehn Jahre. Um die 450 Filme wurden in der Dekade gezeigt, ausgewählt von einem gegenwärtig etwa 25-köpfigen Team, ehrenamtlich engagierten Dokfilm-Enthusiasten. Kulturdezernent Felix Semmelroth gehörte zu den ersten Gratulanten.

Theaterleiter Willy Praml und Kino-Initiator Wolf Lindner plauderten vor großem Publikum über die Geschichte dieser ungewöhnlichen Institution. Praml, der 1991 sein Theater gründete und seit 2000 die eigenwilligen und besonderen Produktionen im zu Beginn hart umkämpften Industriedenkmal Naxoshalle zeigt, kam schnell mit Lindner überein: „Die Idee, Dokumentarfilme zu zeigen und anschließend darüber zu sprechen, passte gut“, sagte der bekannte Theatermann. Wolf Lindner, der früher selbst Dokumentarfilme für ZDF und Arte drehte, wollte 2005 – damals im Vorruhestand – etwas auf die Beine stellen: Nicht mehr selbst drehen, aber ähnlich Begeisterten Filme zeigen, die sonst nicht zu sehen sind. Im Anschluss mit den Machern reden. „Wir sind ein Werkstatt-Kino“, formulierte Lindner, „bei uns gibt es nichts Fertiges, vieles entwickelt sich an solchen Abenden.“

Naxos-Cineasten wissen, wovon er spricht. Da gibt es schon einmal technische Probleme, der erste Kino-Winter war frostig; in dicken Jacken saßen die Besucher beisammen, froren und blieben trotzdem. Inzwischen ist es zwar deutlich wärmer im Publikums-Kubus, einem besonderen Raum in der großen Naxoshalle, aber bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist die Halle einfach nicht warm zu kriegen. Deshalb macht das Kino jetzt auch Winterpause – am 22. März geht es wieder weiter.

Doch an diesem Geburtstagsabend wurde erst einmal gefeiert. Und anders als sonst kein Dokumentar-, sondern ein Spielfilm gezeigt: „Maus und Katz“, er war 1994 im TV zu sehen. Hauptdarsteller Mario Adorf, Drehbuchautor Peter Zingler und Regisseur Hajo Gies waren ins Kino auf Naxos gekommen – und wurden mit viel Beifall begrüßt. Der Film geht auf Frankfurter Korruptionsaffären zwischen dem damaligen Magistrat unter Oberbürgermeister Walter Wallmann, der von 1977 bis 1986 amtierte, und Kiezkönigen aus dem Bahnhofsmilieu zurück. „Der Hessische Rundfunk hat das Drehbuch abgelehnt, aber der WDR hat es genommen“, sagte Peter Zingler im anschließenden Filmgespräch, das Andrej Bockelmann moderierte. „Deshalb haben wir auch im Rheinland, in Düsseldorf und Köln, gedreht“, ergänzte Hajo Gies. Auf die Frage, wie ihm, dem Hauptdarsteller, der Film denn heute, nach über 20 Jahren gefallen habe, antwortete Mario Adorf: „Er ist besser als manches, was jetzt so im Fernsehen kommt“, und erhielt dafür viel Zustimmung aus dem Publikum. Der Film habe keinen Helden – auch das sei ungewöhnlich.

„Natürlich sind die Bilder alt, aber als wir den Film 1993 drehten, konnten wir noch einiges selbst machen und entscheiden – das ist heute kaum mehr möglich“, erläuterte der Regisseur.

Hat sich etwas in der politischen Landschaft verändert? Gibt es heute weniger Korruption und Klüngelei? Sowohl die prominenten Gäste als auch das Publikum bezweifelten das.

„Wir haben ein schwieriges Thema mit Witz erzählt. Schon Billy Wilder verband Drama und Komödie miteinander, auch Charlie Chaplin ist in ‚Der große Diktator’ ein Beispiel dafür“, erklärte Adorf. „Ich mag Lustiges und Trauriges gerne zusammen“, bestätigte Gies. Die Dreharbeiten hätten ihm und allen Beteiligten viel Freude gemacht. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt in ihrem Kino“, verabschiedete sich Mario Adorf. Er wünsche diesem besonderen Filmtheater noch viele weitere erfolgreiche Jahre. Ein guter Schluss für ein besonderes Filmgespräch an einem besonderen Abend.

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