„Mühlheimer Kultur United“ im Rampenlicht des Schanz „Acht auf einen Streich“

Bei der Benefiz-Gala präsentierten insgesamt sieben Gruppen der Mühlheimer Theaterwelt ihre Leidenschaft zum Schauspiel. Foto: m

Mühlheim (m) – Immerhin, ein Rezept gegen die Flut von Anti-Corona-Maßnahmen aufstrebender Politiker ist gefunden! Es heißt „Acht auf einen Streich“ aus dem Hause „Mühlheimer Kultur United“. Vereint trat die Mühlheimer Theaterwelt gegen den Corona-Blues an, sieben Gruppen stellten jüngst im Schanz Ausschnitte aus aktuellen und erfolgreichen Produktionen ins Rampenlicht.

Egal ob Spaßfaktor oder Gänsehaut – das stärkste Stück war die Einheit, dass es gelang, die Ensembles mit so unterschiedlichen Ansätzen an einen Tisch zu bringen. Die Stoßrichtung war klar: Endlich wieder auf die Bretter, die die Welt bedeuten und ausprobieren, wie Kultur in der neuen Zeit funktioniert. Die Treffen im Vorfeld machten sehr schnell klar, alle Aktiven sind infiziert mit noch mehr Kreativität, motiviert und engagiert.

Das Programm, das Laura Katharina Mücke von den Teilzeitdenkern mit beachtlichem Organisations- und Improvisationstalent gestaltet hat, beeindruckt rundum durch sein hohes Niveau und seine enorme Vielfalt. Die leichte Muse bedient XXL-Barde Rudi Eitel sonst am Fähranleger. An seiner einstigen Wirkungsstätte donnert er nicht mehr als „König Henninger“ gekrönt, sondern grübelt übers „weltbekannte Geheimlabor“, in dem „eine Fledermaus ins Reagenzglas gemacht hat“.

„Für uns das allerschlimmste ist, dass auch unsere Urlaubsländer betroffen sind: Alles ist zu, so was hab’ ich noch net erlebt“. Das „blondierte Trampeltier hat’n Gläschen Sakrotan gesoffe’“, Putin vertreibe seinen Impfstoff über die North-Stream-Gasleitung. „Simmer froh, wir habbese noch, unser’ Mutti und das Corona-Dreigestirn“, Minister Spahn, Prinz Markus aus Bayern und Olaf, den Goldesel: „Billionen zahlt der locker“.

Die „Querdenker“, blieb er bei Corona, machen es sich leicht, „wenn kein Hirn zwischen den Ohr’n“ ist. Rudi schildert, wie er Nudeln und Klopapier am Rolltor des Discounters abpasst und 96 Pakete ergattert v– allerdings Küchenrollen. Zur Akkordeonbegleitung singt er noch von der „Corona-Polizei“.

Querbeet bringt zwei Titel in ihrer Viertelstunde unter. Vor einer „Toten“ klärt Kommissar Tierschinger mithilfe einer Erzählerin die Tat, findet den Ehering und eine Affäre des Ehemanns der Solarstudio-Betreiberin im Hundehaufen – trockener Humor in Krimi-Verpackung. Fall Zwei ist eine erotisches Abenteuer. Herr Müller teilt mit Frau Schmitt sein Bett. Sie drangsaliert ihn, er fragt, „wollen wir so tun, als wären sie meine Frau? - Dann holste mir ne Flasche Bier und bringst dein Wasser selber mit!“

„Es geht immer um Duft“: Ein Dutzend ganz in schwarz Gekleideter aus dem Q3-Jahrgang des Gymnasiums klatscht und stampft: Am 7. Juli 1738 wird eine Mutter nach ihrer fünften Niederkunft verhaftet, weil sie ihre Kinder umgebracht hat. Alle waren unehelich, keiner der Väter wollte Verantwortung übernehmen. Verhütung? „Ich war zu jung, hatte kein Geld!“

„Du riechst nach gar nichts!“, präsentierte die Truppe eine weitere Szene aus dem selbst produzierten „Desinfektionsmittel – die Geschichte eines Duftes“. „Mir wurde nie Beachtung geschenkt, jetzt ist es soweit“, heißt es in der dramatischen Choreografie aus dem FEG. Mit dunklen, hektischen Szenen auf der Leinwand kommt die Formation Finsternacht daher. Sie lässt vom Publikum an den Tischen Rätsel lösen: „Ein neues Grauen ist tief in den dunkelsten Wäldern Mühlheims. Ihr seid unsere letzte Hoffnung, helft uns“, lautet die Botschaft.

Auch die Ausschnitte aus der „Welle“ machen betroffen. Ist Faschismus heute wirklich nicht mehr möglich? - Die Jugendlichen vom Frühbeet zeigen, dass Gleichschritt und Gehorsam noch immer Gefolgschaft finden. Die Welle auf der Maske ist ihr Erkennungszeichen, „Disziplin gibt uns das Recht zum Handeln“. Auch die St. Markus-Gruppe integriert die Medien Film und Gesang.

Die Teilzeitdenker richten den Fokus auf selbstbewusste und fein herausgearbeitete Charaktere. Minimalistische Ausstattung hebt die Rollen hervor, gleiche Brillen signalisieren, dass die Träger dieselbe Person verkörpern. Die versierte Formation setzt selbst Kommentatoren auf den Balkon, an den Vater des Verstorbenen erinnert ein effektvoll Konfetti schaufelnder Arbeiter im Saal.

Der grantelnde „Hausmeister“ Stefan Heberer lässt mit Kollegen Erwin Wasser in der Zeitung verschwinden. Sie schmettern im Udo-Jürgens-Sound, „ich war noch niemals in Bad Orb, war auch nie in Lämmerspiel“. Wenn der üppige Text mit all den Ortsnamen nicht immer parat ist, erhält das Publikum Gelegenheit, sich nach den ernsten Momenten zu amüsieren. Dazu war auch das Spaßtheater angetreten, musste aber wegen einer Erkrankung absagen.

„Ich bin die Mücke“, stellt sich die Gala-Organisatorin vor, dankt allen und erklärt. Der Erlös fließt an „Rettet Kinder – Rettet Leben“, informiert Laura. Das Virus wird bleiben, das unterhaltsame Pilotprojekt auch, und zwar auf der Plattform Youtube im Internet unter dem Stichwort „Acht auf einen Streich“ oder „Mühlheimer Kultur United“.

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