Hunderte Besucher zieht es an Pfingsten zum Mühlenfest Das einzige funktionstüchtige Mahlwerk in der Region

Auch in diesem Jahr konnten die Besucher neben der Brückenmühle auch die Tiere der Kaninchen- und Geflügelzüchter aus Dietesheim bestaunen. Foto: m

Mühlheim (m) – Kaum ein Gebäude birgt so viel Geschichte und Geschichten wie die Brückenmühle. Und sie birgt das einzige funktionstüchtige Mahlwerk in der Region, verkündete Karl-Heinz Stier stolz. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins begrüßte am Deutschen Mühlentag, dem Pfingstmontag, mehrere hundert Besucher des Mühlheimer Wahrzeichens an der Rodau.

Diesmal konnte das Technische Hilfswerk aus Offenbach allerdings keinen Metallsteg über den Bach schlagen. Somit waren Hof und Räume nicht vom Brückenmühl-Parkplatz zugänglich. Darum war auch das bewachte Areal für Zweiräder überflüssig, der Fahrradclub nahm heuer nicht an der Veranstaltung teil. Dafür mehrere andere Gruppierungen.

Der Kerbverein bewirtete die Gäste, Christian Peter, amtierender Äppelwoi-König in Dreieich, schenkte in historischen Wagen Weine aus, brutzelte Wildschwein-Bratwurst, Feuer- und Mühlenrädchen. Im Hof bot der Dietesheimer Imker Bernd Müller selbstgemachte Spezialitäten aus Honig an, fürs Kuchenbüfett stellte die Altstadt-Bäckerei Hoffmann ihren Verkaufswagen zur Verfügung, Aktive des Sängerkranz’ Dietsheim verkauften das Gebäck. Kaninchen- und Geflügelzüchter vom Grünen See in Dietesheim stellten ihre Tiere auf der Insel zwischen den Rodau-Armen aus. Peter Mayer führte Besuchergruppen im Wechsel mit Hans-Jürgen Mloschin durch die Brückenmühle. Sie erläuterten das Zuppinger Wasserrad von 1900, das dem geringen Gefälle der Rodau gerecht wurde. Da der Bach von Lämmerspiel her lediglich ein Gefälle von einem Meter aufweise, wurde das fast sechs Meter große Rad mit gebogenem Schaufeln anstelle von kleinen Wannen wie bei schneller fließenden Gewässern ausgestattet. Das Gerät ist 80 Zentimeter breit, sechs Meter im Durchmesser und erzeugt drei PS. Vor etwa hundert Jahren wurde die Konstruktion zwar mit Metall ausgestattet. „Die Laufeigenschaften waren besser, es quietschte nicht mehr“, erfuhren die Zuhörer. Die Zähne der Kraftübertragung waren aber weiterhin aus dem Holz der Weißbuche. War das System durch Hochwasser überlastet oder durch Geäst im Bach gestört, brachen lediglich einzelne Zähne, nicht das komplette Rad. Jetzt hat eine Fachfirma aus Thüringen die so genannten Kämme erneuert, zeigte Karl-Heinz Stier. Rund 500 Zähne wurden durch Teile aus Hainbuchenholz ersetzt, das besonders hart sei. Die Vorgänger waren von Wind und Wetter angegriffen. Noch nicht entschieden sind Fragen zur Sanierung der Mühle und zur künftigen Nutzung. Im Gespräch sind ein Cafe und eine Ausstattung als Ort für Trauungen. Zurück zur Führung. Bereits im 19. Jahrhundert haben die Müller die Reinigung des Korns von Unkraut und Strohhalmen übernommen. Die sehr trockenen Lieferungen mussten benetzt werden, um besser gemahlen werden zu können. Zu feucht durften die Körner auch wieder nicht sein, erfuhren die Teilnehmer an den Führungen, sonst gab’s Matsch. Der 16. Teil des Mehls, lehrte Mloschin, gehörte dem Müller.

Nach der Einführung der Kartoffel konnten die Müller kaum noch vom Mahlen allein leben. Viele betrieben nebenher eine Landwirtschaft. So waren um das Jahr 1860 16 Personen in der Brückenmühle gemeldet, darunter Knecht und Magd sowie Gesellen, die gleich hinter der Tür am Mahlstein untergebracht waren – damit sie sofort zur Stelle waren, falls das Getriebe mal nicht rund lief! Die zwei Stunden Wartezeit, während ihr Korn gemahlen wurde, verbrachten die Bauern in einer Kammer, in der starke Tropfen gereicht und Müllerstöchter bewundert wurden.

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