Unter alten Holzbalken bei „Rosarot & Himmelblau“ Marion Winter weiß, was ihre Kunden wollen

Viel, viel Gemütlichkeit: Seit 13 Jahren führt Marion Winter ihren Laden „Rosarot & Himmelblau“ an der Basaltstraße in Dietesheim. Foto: m

Mühlheim (m) – Wer durch das Tor am Backsteinhaus in der Basaltstraße 7 schreitet, betritt den Vorhof zum Paradies. In der Dämmerung strahlt warmes Licht aus eisernen Laternen auf das gelbe Laub und das nasse Pflaster. Am Ende des Wegs funkeln kleine Lichter um langbeinige Wichtel mit hohen Mützen auf einer alten Leiter. Hölzerne Schafe haben es sich auf einer knorrigen Kommode gemütlich gemacht. Und das alles noch vor der Tür von „Rosarot & Himmelblau“. Der Laden von Marion Winter ist kein gewöhnlicher. Er überflutet Spaziergänger nicht mit grellem Neonlicht, kreischt nicht nach dem schnellen Euro. Unter den schrägen Holzbalken scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, über Teddybären und Pflaumenlikör liegt ein Hauch der Gemütlichkeit des einstigen Kolonialwarenladens. Obwohl in dem Fachgeschäft für Kunstgewerbe, Dekorations- und Geschenkartikel, was der heimelige Treffpunkt ist, stets aktuelle Trends stehen.

Die Inhaberin, bekannt aus Rathaus, Musikschul-Büro und von Märkten, hat sich auf Heimtextilien, Tischdeko und Handtücher spezialisiert. „In den kommenden Wochen laufen die Weihnachtsliköre gut“, weiß sie.

Zum Advent verwandelt sie mit ihrer Familie den Ort in eine Weihnachtsscheune. Die Öffnungszeiten werden erweitert, um den von der Politik geforderten Abstandsregeln zu genügen.

Seit 13 Jahren bereichert „Rosarot & Himmelblau“ den Einzelhandel in der Mühlenstadt. „Ich habe auf der Ambiente in Frankfurt gearbeitet“, schildert die Dietesheimerin ihre Anfänge. Mit ihrem Ehemann Harald möbelte sie den Raum auf, in dem einst Lebensmittel und Damastwäsche über die Theke gingen. Der Bau stand jahrelang leer.

„Ich wollte immer so einen Ort haben, in dem die Leute sagen, uns verbindet was“, sagt sie.

Ihre Auswahl liege abseits des Üblichen, was es in jedem Kaufhaus gibt. „Wir fahren auf Messen, entdecken spezielle Marken und sind immer auf der Suche nach neuen Trends“, sagt Marion Winter. Dazu brauche es „ein Gefühl für Kunden und das, was gefragt ist“. Jedes Jahr nimmt sie Ware neuer Hersteller in ihr Sortiment auf, hält Traditionsbetrieben die Treue.So ist sie Fachhändlerin für die gefragten Herrnhuter-Sterne, die mit den spitzen Strahlen, von innen beleuchtet.

Die Manufaktur aus der Oberlausitz fertigt die Himmelskörper jedes Jahr in einer limitierte Farbe, diesmal ist es mint.Trotz der Vielfalt der Auslage ist fast alles „made in Germany“. Eine wichtige Ausnahme bildet eine Firma aus Dänemark, die Geschirr und Weihnachtswichtel herstellt. „Ihr Stil passt zum neuen Hygge-, also Heimelig-Gefühl“, erklärt die Expertin. „Die Leute wollen’s schön haben, gerade während Corona. Und die Dänen und Schweden machen vor, wie’s geht.“ Wegen der Corona-Zeit bleiben vor allem ältere Stammkunden weg. Marion Winter bringt ihnen die begehrten Marmeladen, guten Tropfen und Geschirrtücher mit Weihnachtmotiven gerne nach Hause oder fotografiert Artikel und schickt die Vorschläge aufs Handy. In dem Lädchen tauchen vor allem Frauen höheren Alters auf, aber auch Teenager mit ihrem ersten Taschengeld, die sich Armbändchen aussuchen. Pärchen bevorzugen Kissen fürs erste gemeinsame Zuhause.„Viele wollen weg vom Online-Handel und stöbern, anfassen, uns unterstützen“, beobachtet die Geschäftsführerin. Reich werde sie dabei nicht. Marion Winter lächelt. „Aber der Kundenkontakt macht einfach Spaß.“

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