Arbeiten an der Hochseilanlage geben Grund zur Hoffnung Sehnsucht nach der Rückkehr der Fähre

Vielleicht können sich die Mitglieder der Bürgerinitiative in nächster Zeit freuen, wenn die Fähre nach ewiger Pause wieder den Süden mit dem Norden verbindet. Foto: m

Mühlheim (man) – Wenn etwas schleppend oder gar nicht läuft, dann gibt es doch mitunter diese kleinen Zeichen, die andeuten, dass es besser werden könnte. Wenn in der wartenden S-Bahn die Hydraulik einsetzt, keimt ebenso die Hoffnung auf ein Weiterkommen, als wenn sich im Stau am Horizont die Rücklichter bewegen. Am Nikolaustag pausierte der Schiffsverkehr vormittags. Am letzten Dienstag sollte sich das Prozedere wiederholen. Der Grund: Arbeiten an der Hochseilanlage der seit über einem Jahr ruhenden Fährverbindung nach Dörnigheim.

Waltraud Kaiser von der „Bürgerinitiative Fähre Mühlheim – Maintal“ sieht in der Instandsetzung ein Zeichen dafür, dass es doch wieder über den Main gehen könnte, möglichst in absehbarer Zeit. Seit Oktober 2017 pausiert der Wasserverkehr zwischen Süden und Norden, sehr zum Verdruss tausender von Bürgern auf beiden Seiten, wie eine Unterschriftenliste der Bürgerinitiative belegt. „Die Arbeiten kosten ja schließlich einiges“, kommentiert Kaiser, „das dürfte der Kreis Offenbach ja nicht zum Spaß ausgeben“.

Hinter der Sehnsucht nach der Rückkehr der Fähre steckt vermutlich mehr als nur das Ärgernis, länger zur Arbeit zu brauchen oder eine ganze Tagesreise für den Weg zum Arzt einplanen zu müssen, statt wie früher keine halbe Stunde.

Brücken nimmt der Autofahrer wie normale Straßen wahr. Niemand denkt beim Überqueren in Steinheim oder Offenbach daran, gerade über eine natürliche Grenze zu rollen, die früher Staaten trennte. Aber von Mühlheim nach Dörnigheim überzusetzen, das geht nicht ruckzuck, schon gar nicht zu Stoßzeiten, wenn acht Autos vor einem stehen. Dann heißt es, noch warten zu müssen, bis die Fähre wieder ankommt, um mit diesem dumpfen Rumsen aufzusetzen, das man hört, wenn Metall auf Beton knallt.

Fähren stehen kulturgeschichtlich für mehr als das Mittel, vom einen zum anderen Ufer zu gelangen. In der Sixtinischen Kapelle zeigt ein Fresko von Michelangelo den Fährmann Charon, der zum jüngsten Gericht mit seinem Stab die Verdammten vom Boot in die Hölle treibt.

In der kommunalen Tagespolitik geht es hingegen ganz profan um die Frage: wie lautet der Wasserstand in Sachen Suche nach einem neuen Betreiber durch den Kreis. Müssen Mühlheimer und Maintaler auch weiterhin weite Wege hinter sich bringen oder fährt die Fähre bald wieder? Die Antwort von Stadt und Kreis lässt sich auf ein gemeinsames „jein“ komprimieren. Bürgermeister Daniel Tybussek erklärt, er freue sich erst mal, dass der Kreis seiner Zusage nachkommt, Reparaturarbeiten vornehmen zu lassen. Zum jetzigen Zeitpunkt der Ausschreibung könne er jedoch nur sagen, „wir tauschen uns mit dem Kreis ständig aus“.

Dessen Pressesprecherin Ursula Luh deutet an, über ungelegte Eier zu reden, wäre gerade kontraproduktiv: „So lange kein Vertrag unterschrieben ist, ist alles offen.“ Aus ihren Worten lässt sich jedoch heraushören, dass durchaus Bewerberpost im Briefkasten des Kreishauses in Dietzenbach landete.

Die allgemeine Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des Betriebs unterstreicht auch folgende Geschichte: Vor ein paar Wochen meldeten sich gleich mehrere Mühlheimer per Mail und Telefon in unserer Redaktion. Es hieß: „Die Fähre ist wieder unterwegs.“ Ursula Luh reagierte auf Nachfrage ziemlich verdutzt ob der Hinweise. Nach eigener Recherche vermeldete die Sprecherin, prinzipiell sei die Geschichte nicht verkehrt. Tatsächlich sei den Fluss eine Fähre entlang geschippert, die der hiesigen ziemlich ähnlich sehe, nur nicht quer, sondern längs, nicht nach Dörnigheim, sondern Richtung Mainz, „auf dem Weg zur Reparatur am Rhein“.

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