Konzert des Musikvereins Eintracht Verstärkung zum 120. Geburtstag

Der Chor der dritten und vierten Klassen der Schule Bieber singt nicht nur gut, der ganze Auftritt wirkt angenehm konzentriert.

Offenbach (man) – Das Gefühl, im großen Klangkörper des Musikvereins Eintracht 1898 Offenbach säßen heute ein paar Instrumentalisten mehr als gewöhnlich, täuscht am Sonntag in der Turnhalle des TV Bieber nicht. Zum 120. Geburtstag der Eintracht fragte Vereinsgeschäftsführer Georg Zahn bei ehemaligen Musikern an, ob sie nicht Lust hätten, für den Anlass die Konzertjacke der Eintracht anzuziehen. Acht sagten zu.

Bei einem Chor wäre das kein Problem. Wenn einer Horn oder Klarinette spielt, geht es jedoch gar nicht, nach dem Ausscheiden aus der Formation das Instrument in die Ecke zu stellen und zum Konzert wieder anzusetzen. Grausam klänge das. Georg Zahn erklärt jedoch, die früheren Mitspieler hätten lediglich das Orchester wegen eines Umzugs gewechselt – woanders spielen sie also noch weiter.

Was während der ersten Takte unter dem Dirigenten Florian Seemann auffällt: Der Eintracht ist es in den vergangenen Jahren gelungen, sich noch einmal zu verbessern, den Klang weiter zu harmonisieren und die Intonation zu präzisieren. Los geht das Konzert mit dem Geburtstagsmarsch von Ernst Mosch, den Ältere noch im Kontext zu „Die Original Egerländer Musikanten“ kennen. Die Trompeten stechen hervor.

Das Programm durften die Musiker selbst in demokratischer Wahl bestimmen. Weit vorne landete auch die Filmmusik zu „Jurassic Park“. Ehrenmitglied Rainer Roth muss sich von einer „Göre“ aus dem Orchester bei der Ankündigung anhören: „Auch neben mir sitzt ein Dino!“ Der Posaunenspieler nimmt ihr das nicht krumm. Statt zu schmollen, resümiert er: „In der Musik können ganz junge Menschen und bald 80-Jährige zusammenspielen.“

Zwischendurch erzählt Petra Zahn von der Geschichte der Eintracht Offenbach, dem Verein, der sich wegen vieler Kriegsopfer letztlich aus drei Klubs zusammensetzte und seit Jahrzehnten in Bieber residiert und probt, eng verknüpft mit der Gemeinde St. Nikolaus Bieber. Deshalb sitzt auch Pfarrer Jozef Madloch als Ehrengast im Publikum, nicht weit weg vom Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber und Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke.

Eine Nummer wie „Oregon“ des niederländischen Komponisten Jacob de Haan klingt nicht nur wie Filmmusik aus einem Western, sondern auch ein kleines bisschen wie „Pacific 231“ von Arthur Honegger. Beide Stücke beschreiben sinfonisch eine rollende Eisenbahn.

Bei manchen Schulchören scheint es zu reichen, wenn Eltern und Großeltern gerührt im Publikum sitzen, weil die Kinder „so schön singen“, obwohl es eher eiert. Das trifft für den Chor der dritten und vierten Klassen der Schule Bieber partout nicht zu. Es ist leicht zu hören, dass Felizitas Ondreka nicht nur mit den Kindern singt, sondern auch Wert auf den Klang legt. Sie studiert Lieder wie „Applaus, Applaus“ von den Sportfreunden Stiller oder „Es ist so kalt“ von Lorenz Maierhofer konzentriert ein.

Das Jugendorchester wird von Diego Merkel dirigiert. Die Filmmusik zu Herr der Ringe erklingt natürlich auch heute, wie in so ziemlich jedem Konzert eines Blasorchesters. Erstaunlich, wie der junge Mann an der 1. Tuba bei „Colonel Bogey“ auf dem störrischen Instrument die virtuosen Passagen in der Tiefe meistert.

Konzentrierte Probenarbeit leistet auch Andrea Hermes-Neumann. Der Gesangsverein Frohsinn strotzt nicht gerade vor Mitgliedern. Dennoch intoniert der Chor nicht nur bei „Audite Silete“ wie aus einem Guss.

Bei „Lobt den Herrn der Welt“ von Henry Purcell musizieren zum Finale dann alle gemeinsam.

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