Zehn Eltern- und Sprachlotsen zertifiziert Rödermark: Sie übersetzen und helfen im Alltag

Zehn neue Elternlotsen wurden in Rödermark zertifiziert. Foto: p

Rödermark (red) – Sie übersetzen, helfen Menschen, die die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschen, im Alltag, und sie bauen zwischen Eltern, Kindertagesstätten und Schulen Brücken – Elternlotsinnen und Sprachlotsinnen haben vielfältige Aufgaben und leisten im Kreis Offenbach einen wichtigen Beitrag zur Integration.

Im Schiller-Haus haben kürzlich Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger und Rödermarks Bürgermeister Roland Kern zehn neuen Eltern- sowie Sprachlotsinnen und -lotsen ihre Zertifikate überreicht. Rödermark ist die einzige Kommune im Kreis, in der sich Sprachlotsen für ihre Mitmenschen engagieren. Elternlotsen gibt es sonst nur noch in Mühlheim, Dreieich und Dietzenbach. „Der Kontakt von Mensch zu Mensch ist die beste Möglichkeit, sich in einem neuen Kulturkreis zurechtzufinden und am Gemeinschaftsleben teilzuhaben. Dass sie dies erleichtern und ermöglichen, dafür sind wir denen, die sich als Lotsinnen und Lotsen engagieren, sehr dankbar“, betonte Rödermarks Bürgermeister Roland Kern.

Kreis fördert Lotsenausbildung

An der Qualifikation zur Elternlotsin beziehungsweise zum Elternlotsen nahmen fünf Frauen und ein Mann teil, die künftig nicht nur zwischen Eltern und Kita Multiplikatorinnenfunktionen übernehmen. Eine weitere Frau sowie drei Männer wurden zur Sprachlotsin und zu Sprachlotsen ausgebildet. Sie werden Menschen Unterstützung bei Behördengängen oder Arztbesuchen anbieten und Dokumente übersetzen. Alle haben erfolgreich die Basisqualifizierung (36 Stunden) absolviert und diese in einem zwölfstündigen Kurs vertieft. Dieser zweite Teil der Qualifizierung, in dem es um alltagsspezifisches Wissen geht, wurde vom Integrationsbüro des Kreises Offenbach gefördert.

„Dabei legen wir großen Wert darauf, dass neben der Theorie auch Lösungsmöglichkeiten von Problemen besprochen werden, auf die Menschen ohne ausreichende Sprachkenntnisse im Alltag stoßen“, betonte Integrationsdezernentin Jäger. Die angehenden Lotsinnen und Lotsen hospitierten im Schiller-Haus, in Betreuungseinrichtungen für Kinder, in Schulen und Familienzentren. Der Kreis unterstützt die Qualifizierung der Lotsinnen und Lotsen in den Kommunen seit knapp acht Jahren. „In dieser Zeit sind bereits einige Hundert Ehrenamtliche geschult worden, die einen entscheidenden Beitrag zur Integration leisten“, so Jäger bei der Übergabe der Zertifikate. Dass es im Kreis Offenbach angesichts der vielen Flüchtlinge, die in den letzten Jahren gekommen sind, friedlich geblieben sei, „hat seine Wurzeln in unsrer praktischen Integrationsarbeit. Und hier leuchtet Rödermark ein ganzes Stück heraus“.

Viele verschiedene Angebote

Zu dem breiten Spektrum an Aufgaben der frisch gebackenen Elternlotsinnen und des -lotsen gehört unter anderem die Zuständigkeit für Elterncafés, Informationsstände und Angebote wie Nähkreise, eine Reparaturwerkstatt oder das Vorlesen in der Muttersprache. In diese Integrationsarbeit werden Mütter wie Väter gleichermaßen eingebunden. Über die Zertifikate freuten sich Angela Poroseci, Serpil Tok, Kolsoum Salim, Nourah Dadosh, Aurelia Mititelu und der Lotse Oliver Engler. Sie können die Eltern zudem mit ihren Sprachkenntnissen in Rumänisch, Türkisch, Arabisch und Englisch unterstützen. Während ihrer Ausbildung haben die Teilnehmenden mehr über die kindlichen Entwicklungsphasen, über Erziehung und das Bildungssystem in Deutschland erfahren. Außerdem wurden Fragen rund um das Thema Gesundheit behandelt, es gab Informationen zu Mutter-Kind-Kuren und Beratungsstellen. Auch Themen wie Integration, Inklusion, Feste im Jahreskreis, Schweigepflicht, Psychohygiene, Kommunikation und Krisenintervention standen auf dem Programm

Zertifikate an Sprachlotsinnen und Sprachlotsen wurden bereits zum vierten Mal in Rödermark übergeben. Die Urkunden nahmen Fatma Gümüs, die auf Türkisch begleitet, sowie Amir Hossein Zeinali, Abdolvahed Zarvandi und Mohammed Jamal Rahimi (Persisch) entgegen. Die Lotsinnen und Lotsen können von Bürgern mit wenig Deutschkenntnissen und ebenso von Institutionen angefordert werden (S 0176 65201702).

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