Sammlungen der Rainer Werner Fassbinder Foundation

Ein Fassbinder Center fürs Frankfurter Nordend

Ulrich Adolphs (von links), Frank Druffner, Ellen Harrington, Eva Claudis Scholtz, Juliane Maria Lorenz-Wehling, Ina Hartwig, Hans-Peter Reichmann und Carlo Giersch. Foto: Faure

Nordend (jf) – Das Projekt ist auf den Weg gebracht, noch ist das Fassbinder Center im Entstehen. Doch im April 2019, zum 70. Jahrestag der Gründung des Deutschen Filminstituts in Frankfurt, soll es seine Türen in der Eschersheimer Landstraße 121, genau an der U-Bahnstation Holzhausenstraße, öffnen.

Der künftige Lesesaal wurde für die Vorstellung des Vorhabens schon einmal vorab genutzt. Ellen Harrington, Direktorin des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums, freute sich: „Wir sind zunächst für zehn Jahre hier – hoffentlich länger.“ Fassbinder und Frankfurt ist eine eigene Geschichte. Der im Juni verstorbene langjährige Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann holte den Autor, Schauspieler, Regisseur und Produzenten 1974 nach Frankfurt ans Theater am Turm (TAT). Er blieb nur acht Monate – es war eine schwierige Zeit.

Die heutige Kulturdezernentin Ina Hartwig erinnert sich an den Film, den sie zuerst von ihm sah: „Querelle“ nach dem Roman von Jean Genet. Es war Fassbinders letzter Film nach 17 ruhelosen Arbeitsjahren und neben „Effi Briest“ und „Berlin Alexanderplatz“ die dritte Literaturverfilmung. Mit über 40 Kinofilmen, bei denen Fassbinder Regie geführt hat, überschritt er sein selbst gestecktes Ziel, mit der Zahl der Filme die Zahl seiner Lebensjahre zu erreichen; Fassbinder starb zehn Tage nach seinem 37. Geburtstag an Herzstillstand, mutmaßlich ausgelöst durch Überarbeitung und eine Mixtur aus Kokain, Schlaftabletten und Alkohol.

Schriftgutnachlass des deutschen Regisseurs übernommmen

Nun übernimmt das Fassbinder Center den wertvollen Schriftgutnachlass des bedeutendsten deutschen Regisseurs der Nachkriegszeit. Die 1986 von Fassbinders Mutter Liselotte Eder gegründete und 1991 an Juliane Lorenz, Cutterin, Partnerin und Mitbewohnerin des Kultregisseurs, übertragene Rainer Werner Fassbinder Foundation stellt dem Center die gesamte übrige Sammlung mit Produktionsunterlagen, Werkarchiv, Pressearchiv, Objekten, Videosammlung, Interviews sowie Dokumentationen als Dauerleihgabe zur Verfügung.

„Wo, wenn nicht hier – Frankfurt ist der natürliche Ort für die Aufbewahrung des Nachlasses“, sagte Ulrich Adolphs, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Zudem besitze Hessen bereits wertvolle Vor- und Nachlässe beispielsweise von Thea von Harbou, Peter Lorre, Curd Jürgens Volker Schlöndorff, Wolfgang Becker, Romuald Karmakar und Dani Levy.

Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt des Neuen Deutschen Films

Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin Hessische Kulturstiftung, ergänzte: „Über den Vorschlag, das Fassbinder Center zu unterstützen, wurde nicht lange im Forschungsrat diskutiert. Im Center soll außerdem ein Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt des Neuen Deutschen Films entstehen.“ Frank Druffner von der Kulturstiftung der Länder äußerte sich ähnlich: „Das Erwerben von Sammlungen, um diese dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist unsere Aufgabe. Dabei ist die gleichzeitige Digitalisierung der Werke und die Gründung eines Instituts jedoch ungewöhnlich.“

Juliane Maria Lorenz-Wehling engagierte sich gemeinsam mit Fassbinders Mutter nach dessen Tod für eine Stiftung. Dabei sei sie nicht überall auf Entgegenkommen gestoßen. „Es war damals ein harter Kampf“, erklärte sie. Immer sei über Fassbinder diskutiert worden, er polarisierte. „Aber er hat seine Arbeit geliebt und dafür gelebt“, bekannte Lorenz-Wehling. Seit 2002 werden die Werke digitalisiert. Carlo Giersch, der 1994 mit seiner Frau Karin die Stiftung Giersch gegründet hatte, fügte am Ende der Veranstaltung auf Anfrage hinzu: „Ich bin nicht nur Investor, sondern auch Altruist. Miete wird deshalb erst ab Januar 2019 gezahlt, die Möbel gibt es umsonst.“