Unternehmerdialog im Dietzenbacher Rathaus

Fachkräfte zu binden, wird immer wichtiger

Mehr als 40 Unternehmer und Wirtschaftsvertreter aus dem Kreis Offenbach, waren unlängst der Einladung der Wirtschaftsförderungen der Städte Dietzenbach, Rödermark, Rodgau und Seligenstadt zum Unternehmerdialog im großen Sitzungssaal des Dietzenbacher Rathauses am Europaplatz 1 gefolgt. Foto: Wittekopf

Dietzenbach (bw) – Mehr als 40 Unternehmer und Wirtschaftsvertreter aus dem Kreis Offenbach waren unlängst der Einladung der Wirtschaftsförderungen der Städte Dietzenbach, Rödermark, Rodgau und Seligenstadt zum Unternehmerdialog im großen Sitzungssaal des Dietzenbacher Rathauses am Europaplatz 1 gefolgt.

Unter dem Motto „Fachkräfte - Suchen und Finden“, fand die zweite Veranstaltung der „Ideenwerkstatt für den Mittelstand“ statt.

In seiner Begrüßung fand Bürgermeister Jürgen Rogg zunächst lobende Worte für die gute Zusammenarbeit zwischen den Kommunen im Kreis Offenbach. Die steigende Zahl der Anmeldungen zu den Veranstaltungen sehe er als Beleg dafür, dass das Thema den Nerv der Zeit treffe.

Zahl der Bewerber nimmt immer weiter ab

Die richtigen Fachkräfte zu finden, wird nach seiner Erfahrung gerade für mittelständige Unternehmen immer schwieriger, da die Zahl der Bewerber immer weiter abnimmt. Deshalb meinte Rogg, selbst ehemaliger Unternehmensberater, dass es ebenfalls immer wichtiger werde, Fachkräfte an das Unternehmen zu binden.

„Als Mittelstandsunternehmen kämpfen sie inzwischen nicht nur um die wenigen Bewerber“, sagte Michael Krtsch, Leiter der Wirtschaftsförderung in Dietzenbach und Moderator der Veranstaltung. „Sie konkurrieren längst mit den großen Unternehmen um die wenigen Bewerber.“

Deshalb ist seiner Meinung nach die Zusammenarbeit im Kreis Offenbach so wichtig. „Shared Economy“ (Verteilte Wirtschaftsinteressen) sei in aller Munde.“

Krtsch sieht darin eine große Chance für den Mittelstand. „Egal wo sie im Kreis Offenbach ihr Unternehmen haben, oder wo sie sich ansiedeln wollen, die Wirtschaftsförderungen arbeiten über die Gemeindegrenzen eng mit dem Landrat zusammen.“ Um auch studierte Fachkräfte in den Kreis Offenbach zu holen, werde darüber hinaus eine Kooperation zwischen der Fachhochschule Frankfurt und dem Kreis Offenbach geschlossen.

Die Mitarbeitergewinnung kostet die Unternehmen heute viel Zeit und stellt sie oft vor großen Herausforderungen. Zeit, die gerade kleine und mittlere Unternehmen nicht haben. Um innovative Ideen und Konzepte weiterzugeben, präsentierten fünf Unternehmen ihre Maßnahmen in jeweils fünf Minuten Redezeit. Diesmal ging es um die fünf Themen „Stellenanzeigen“, „Arbeitgebermarke“, „Ausbildung von Flüchtlingen“, „Ausbildungskooperation“ und „Förderung“.

Einen kritischen Blick auf „Stellenanzeigen“ warf Susanne Beckmann von der faktor4 GmbH aus Darmstadt/Rödermark. „Viele Unternehmen beklagen, dass sich zu wenige Bewerber auf Stellenanzeigen melden und oft sind es auch nicht die richtigen Bewerber.“

Deshalb hat es sich die Unternehmerin zur Aufgabe gemacht, andere Unternehmen auf der Suche nach geeigneten Bewerbern zu unterstützen. Nach ihrer Meinung sind heutige Stellenanzeigen nicht „wirkungsbezogen“. Die Anzahl der Bewerbungen ist nach ihrer Meinung aber das falsche Ziel.

Unternehmen müssten umdenken und eher an die Qualität der Bewerber denken. Weniger Bewerber kosteten auch weniger Zeit. Sie rät dazu, dass sich die Unternehmer intensiver mit der Stellenanzeige auseinander setzen und Schlagworte wie „Wir setzen Leistungsfähigkeit und Teamarbeit voraus“ weglassen.

„Geben sie sich Mühe, suchen Sie das Talent, das ihren Anforderungen entspricht.“ Ihre Erfahrung zeigt, dass die Qualität der Bewerber sich dadurch deutlich erhöht.

Talent suchen, das den Anforderungen entspricht

Die Eichler-Kammerer (EiKa) Unternehmensgruppe, die sich in Dietzenbach wieder ansiedelt, hat sich frühzeitig mit dem Thema „Mitarbeiter gewinnen und binden“ beschäftigt. „Gerade in den vergangenen Jahren haben wir gemerkt, dass es immer schwieriger wird, geeignete Mitarbeiter zu finden“, erzählte Anna Eichler-Schenk, Personalleitung von EiKa. Die Geschäftsleitung habe sich deshalb dazu entschlossen, das Unternehmen als „Arbeitgebermarke“ zu positionieren. „Wir haben unsere Mitarbeiter befragt, wie sie unser Unternehmen sehen und was uns nach ihrer Meinung nach auszeichnet.“

Auch Themen wie Gesundheitsmanagement und Weiterbildung wurden eingearbeitet. Das Thema Familie werde in ihrem Unternehmen groß geschrieben. „Die Familien erhalten von uns einen Zuschuss zum Kindergartengeld.“ Viele weitere Anreize wie Prämien für Mitarbeiterwerbung oder Betriebszugehörigkeit wirken sich nach Eichler-Schenk sehr positiv auf die Unternehmenskultur aus. „Durch diese Maßnahmen ist es EiKa gelungen, sich einen Namen unter den Mitarbeiter und den Bewerbern zu schaffen.“

Dass man auch Flüchtlinge erfolgreich in ein Unternehmen integrieren kann, zeigte der aus Afghanistan stammende Parwiz Pooya. Der studierte Jurist hat seine Ausbildung bei der Unternehmensgruppe der Sparkasse Langen-Seligenstadt begonnen und erfolgreich beendet. Beeindruckend beschrieb er in akzentfreiem Deutsch seine Erlebnisse während der Ausbildung. „Ich hatte immer einen Ansprechpartner. Man hat sich immer um mich gekümmert. Auch beim Vorstellungsgespräch waren alle sehr nett.“ Wolfgang Woide, Personalleiter der Sparkasse Langen-Seligenstadt erzählte, dass die Sprache nur anfangs ein Thema gewesen sei. „Wir haben uns anfangs auf Englisch verständigt.“ Und Pooya fügte hinzu, dass die Deutsche Sprache wirklich sehr schwer zu lernen sei.“

„Beweisen sie Mut und geben Sie den auch schwächeren Bewerbern eine Chance. Legen Sie nicht zu viel Wert auf Eignungstest“, dazu riet Thomas Keil, Geschäftsführer der Pittler Pro Region, Langen. „Eine Ausbildung heißt drei Jahre miteinander und aneinander arbeiten.“ Er stellte eine „Ausbildungskooperation“ mit Firmenpartner Peter Schuck, Rohrer-Industrieservice GmbH, Dietzenbach vor. Die Rohrer Industrie GmbH gehört mit ihren 1600 Mitarbeitern zu den großen Dienstleistungsunternehmen und arbeitet bei der Ausbildung eng mit Pittler zusammen. Die beiden Partner profitieren von der Kooperation denn für eine Ausbildung müssen oft teure Spezialmaschinen und Spezialkräfte bereitgestellt werden. „Alles was eher zur Theorie gehört, lassen wir von Pittler ausbilden“, sagte Schuck. „Den Praxisbezug lernen die Auszubildenden dann bei uns. Die Mischung stimmt.“

Dass man Mitarbeiter halten und ihre Qualifikation durch Weiterqualifizierung steigern kann, dazu rät Thomas Oliver Petzold von der Agentur für Arbeit.

„Es gibt immer weniger Bewerber auf dem Arbeitsmarkt, deshalb investieren sie in die Kompetenz ihrer Mitarbeiter“. Die Agentur für Arbeit hat dazu das Programm „Weiterbildung Gering Qualifizierter Beschäftigter Arbeitnehmer im Unternehmen“ (WeGeBau) aufgelegt. Aber nicht nur die Weiterbildungskosten werden gefördert. Je nach Alter und Qualifikation des Bewerbers werden Zuschüsse zum Lohn gezahlt. Wichtig sei, dass der Arbeitnehmer im Unternehmen sozialversicherungspflichtig angestellt ist.

Neue Impulse für Unternehmen mitgenommen

Die Teilnehmer zeigten sich begeistert von der Veranstaltung und der Möglichkeit des Erfahrungsaustausches mit anderen mittelständischen Unternehmen. Viele nahmen neue Impulse für ihr Unternehmen mit.

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