Besucher erlebten amüsante Lesung von Gedichten von Friedrich Stoltze „Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“

Eine höchst amüsante Veranstaltung erleben unlängst insgesamt 25 Dietzenbacher im Museum für Heimatkunde und Geschichte., Zur Lesung von Gedichten von Friedrich Stoltze begrüßte Museumsleiterin Maria Polatowski-Ruprycht die Gäste. Foto: Wittekopf

Dietzenbach (bw) – Eine höchst amüsante Veranstaltung erleben unlängst insgesamt 25 Dietzenbacher im Dietzenbacher Museum für Heimatkunde und Geschichte, das in der Darmstädter Straße 7-11 sein Domizil hat

Zur Lesung von Gedichten von Friedrich Stoltze (1816-1891), begrüßte Museumsleiterin Maria Polatowski-Ruprycht die zahlreichen Gäste im Museum. Lesungen im Heimatmuseum sind bei den Dietzenbachern sehr beliebt und regelmäßig ausgebucht. Wer teilnehmen möchte, sollte sich also unbedingt vorher anmelden, denn die Plätze sind begrenzt, so auch diese Lesung der Stoltze Gedichte.

„Ich liebe die Gedichte von Stoltze“, sagte Vorleserin Dorothea Toussaint zur Einstimmung auf das Thema. Als die Wahl-Dietzenbacherin unlängst vor dem restaurierten Stolze-Denkmal auf dem Frankfurter Hühnermarkt stand, kam ihr die Idee, die Gedichte vorzutragen. Mit ihrem Nachbarn Rüdiger Bock konnte sie schnell einen „Profi“ gewinnen. Bock, der seit vielen Jahren in Offenbach-Bürgel in der Theatergruppe „Kirchenmäuse“ spielt, dürfte Liebhaber des gepflegten Amateurtheaters besonders aus seiner Rolle als „Papa Hesselbach“ (Karl mei Drobbe“) bekannt sein.

Das Heimatmuseum eignet sich besonders für eine Lesung, denn die Gedichte wirken in der zeitgenössischen Umgebung noch amüsanter. In der Abteilung „Entwicklung der Berufswelt“ lasen Toussaint und Bock das Gedicht „Dreißig Gulde“, das von einem Bäcker handelt, der jemandem Geld verleiht. Das Klagen und Wehen des Vaters im Gedicht „Verrzeh Döchter“, der seine 14 Töchter mit Kleidern und Schuhen einkleiden muss, wirkte beim Anblick auf aufwendig gearbeitete, zeitgenössische Kleider natürlich noch eindrucksvoller. In der Schulabteilung trugen die beiden das Gedicht „Die Blutblas“ vor, in dem ein Lehrer seinen Schüler „blutig“ züchtig. Zum Abschluss versammelten sich alle in der „Guten Stubb“, wo sie das Gedicht „Die Verblichene“ hörten.

Eine amüsante Vorstellung fand großen Anklang bei den Zuhörern, die die kurzweilige Aufführung mit viel Applaus honorierten.

Friedrich Stoltze ist jedem Liebhaber der Frankfurter Mundart längst geläufig. „Un es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ ist einer seiner berühmten Zitate aus dem Gedicht „Frankfurt“. Der Dichter, Journalist und Verleger Stoltze, der seine amüsant bissigen Gedichte in Frankfurter Mundart verfasste, war politisch sehr aktiv und setzte sich zeit seines Lebens für ein demokratisches Staatswesen ein. Und auch im Alltag zeigte der Herausgeber der Satirezeitschrift „Frankfurter Latern“ großes Standvermögen gegen jegliche Konventionen.

So heiratete der evangelisch getaufte Friedrich seine katholische Lebensgefährtin Mary, als sie zum dritten Mal schwanger war. Aus dieser Ehe entstammten insgesamt acht weitere Kinder.

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