Dreieich: 40 Jahre Fahrzeugveteranenverein Schmuckstücke auf zwei und vier Rädern

Franz Klingler fährt mit dem Hochrad aus dem Jahr 1884 durchs Bürgerhaus. Foto: Jost

Dreieich (njo) – Chromglänzende Auspuffrohre, Ledersättel, deren Patina den Betrachtern beinahe schon die Geschichten erzählen und unzählige Pferdestärken waren am vergangenen Wochenende im Sprendlinger Bürgerhaus vereint. Der Fahrzeugveteranenverein Dreieich feierte hier seinen 40. Geburtstag mit einem mobilen Museum, dass es sicher so nicht allzu oft gibt.

Die 36 Mitglieder hatten ihre meist zweirädrigen Schätze schön aufpoliert und präsentierten den Fans die historischen Stücke. 116 Fahrräder und Motorräder zeigten die Aussteller, dazu einen alten VW-Bus (Modell T 3) und zwei Austin Healeys, ganz besondere Schmuckstücke. Zu sehen waren außerdem die quietschbunten „Schwalben“ aus der ehemaligen DDR, unter anderem in grasgrün, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Tretkurbelrad aus dem Jahr 1868 oder auch zu PS-starken BMW-Motorrädern, die jeweils die Königsklasse ihrer Zeit waren.

Ein besonderes Motorrad

Ottmar Günther, Pressesprecher der Oldtimer Freunde und Gründungsmitglied des Vereins, zeigte einer Besuchergruppe ein besonderes Motorrad: „Das ist eine Wanderer Typ E-Maschine aus dem Jahr 1925“, erklärte der begeisterte Motorradfahrer und Sammler. Das besondere an dem Motorrad aus dem Besitz von Walter Leitert ist, dass es nicht restauriert ist. Die Maschine ist mit all ihren Originalteilen noch erhalten, seit 1925 durchgängig immer angemeldet und wird auch heute noch gerne gefahren. „Mein Vater hat das Motorrad 1978 für 350 DDR-Mark gekauft und ich habe es dann irgendwann übernommen“, erzählte Leitert. Dem schwarzen Rahmen sieht man die Jahre schon ein bisschen an, aber der Eigentümer lobt die Zuverlässigkeit des Zweirads: „Eigentlich muss ich mich nur um Öl und Benzin kümmern – alles andere geht einfach nicht kaputt“, schwärmte der Motorradfan. Er lädt das Zweirad regelmäßig in seinen Bus, fährt damit in die Gegend von Berlin und macht Ausfahrten mit dem Oldtimer.

Unbequeme Rennmaschinen

Ein Schmuckstück anderer Klasse steht auf einem Podest im Foyer. Franz Klingler ist der stolze Besitzer der glänzenden Rennmaschine des britischen Fabrikats Ariel Modell E. 1930, als das gute Stück gebaut wurde, war das Motorrad eine wahre Sensation: „Es war eine Rennmaschine, die sich Privatleute kaufen konnten und die auch getunt wurde. Sie fuhr damals 160 Stundenkilometer – das waren unglaubliche Geschwindigkeiten“, sagt Klinger, der ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern des Fahrzeugveteranenvereins zählt. Er will sich überhaupt nicht vorstellen, wie unkomfortabel die Fahrt auf den Rennpisten in Europa waren: „Die Maschine hat hinten überhaupt keine Federung – das muss unglaublich ruckeln“, erklärt der Sammler. Er selbst ist auf seinem Sammlerstück, das er auf einer europäischen Ausstellung bislang noch kein zweites Mal entdeckt hat, noch gar nicht gefahren. „Es wäre ein leichtes, sie fahrtüchtig zu machen. Aber sie hat nicht mal einen Kickstart. Das heißt, man muss anlaufen, aufspringen und dann den Gang reinmachen“, erzählt Klingler lachend. Er schaut sich die Rennmaschine lieber nur an.

Auf dem Hochrad durchs Bürgerhaus

Dafür fährt Franz Klingler zur Feier des Tages eine Runde auf seinem Hochrad – das bringt ihm spontanen Applaus von den zahlreichen Besuchern im Sprendlinger Bürgerhaus ein. Gar nicht so leicht, sicher auf das Rad mit dem riesigen Vorderreifen zu klettern – und noch viel schwieriger sieht es aus, wieder herunterzukommen. Jedes einzelne Ausstellungsstück der Fahrzeugveteranen hat seine eigene Geschichte. Gerne erzählen die Mitglieder Anekdoten über die Gefährte und berichten von ihren Erfahrungen beim Restaurieren. Während manch einer sich nur die alten Fahrzeuge anschauen wollte, waren unter den Gästen auch viele Menschen, die selbst Oldtimer besitzen und Freude am Schrauben haben. „Ja, unsere Ausstellung ist auch eine Möglichkeit zum Austausch für Sammler und Liebhaber. Manch einer holt sich heute einen wichtigen Tipp und wir haben schon viele Telefonnummern ausgetauscht“, erfreut sich Georg Hufnagel vom Vorstand des Vereins an dem großen Interesse und der Fachsimpelei.

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