Forstamtsleiter Melvin Mika klärt über den Zustand des Egelsbacher Waldes auf Fichte hat in der Region keine Zukunft

Melvin Mika (links) erklärt den Egelsbachern, wie die Profis dem Wald helfen wollen, mit den wärmeren Temperaturen umzugehen. Foto: Jost

Egelsbach (njo) – Die Fichtenkolonie im Egelsbacher Gemeindewald – unweit der Waldhütte – bietet einen traurigen Anblick: Die riesigen Stämme ragen mit ihren kahlen Ästen in den Himmel, die Rinde ist spröde, die Bäume tragen keinen Funken Leben mehr in sich.

„Das, was wir hier sehen, ist leider ganz und gar kein Einzelfall. Die Fichte kommt mit den trockenen Bedingungen der vergangenen Jahre nicht zurecht und hat mit einem extremen Pilzbefall zu kämpfen, der ihr den Rest gibt. Selbst das Holz ist nicht mehr zu viel zu gebrauchen – vielleicht können wir es als Brennholz noch verwenden“, erklärt Forstamtsleiter Melvin Mika. Er zitiert einen seiner Ausbilder: Eine Fichte im Rhein-Main-Gebiet zu pflanzen, sei so erfolgreich, wie eine Yucca-Palme am Nordpol. Schon seit einigen Jahren sei klar: Der Nadelbaum hat in der Region keine Zukunft.

Aber welche Bäume fühlen sich in den heimischen Wäldern denn noch wohl? Und wie planen die Förster aus Langen die Zukunft des Waldes? Hessens jüngster Forstamtsleiter (29) hat bei einer Begehung des 300 Hektar großen Gemeindewaldes spannende Einblicke gegeben. Nach dem etwa zweistündigen Spaziergang ist den etwas über 30 Interessierten aber klar: Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen. Schon am Treffpunkt Waldhütte erklärt der neue Chef des Forstamts Langen, dass die Bäume mit ihren Wurzeln schon in 40 Zentimetern Tiefe nur noch auf einen Wasserspeicher von 30 Prozent Zugriff haben.

Bei einer Eiche, deren Wurzelballen in zwei Metern Tiefe verankert sind, wird das Wasser dann einfach sehr knapp. Es braucht Lösungen. Einfach alles der Natur zu überlassen, sei nicht der richtige Ansatz. „Unser Ziel ist schon, einen Mischwald zu erhalten. Damit, wenn uns eine Baumart, wie jetzt die Fichte, komplett abstirbt, noch zwei, drei andere Sorten da sind“, erläutert der Forstamtsleiter, dass Bäume nachgepflanzt werden müssen. Dabei könne sein Team auf Baumarten zurückgreifen, die wärmere Temperaturen mögen. Die Roteiche, die Esskastanie oder die Robinie seien Möglichkeiten. Aber auch mit diesen Sorten müssen die Fachleute vorsichtig umgehen. Sie sollen die heimischen Arten nicht ganz verdrängen. „Manchmal hilft uns auch die Zeit. Bäume können sich auf Klimaveränderungen einstellen. Die jungen Eichen und Buchen investieren dann mehr Kraft in ihre Wurzeln und es werden schlafende Gene geweckt“, erklärt er. An einem Waldstück, auf dem gut ein Hektar 30 Jahre alte Eichen stehen, erklärt Mika: „Dieses Areal war in den 90er Jahren von den Stürmen Wiebke und Vivien betroffen. Da hat man damals viel Geld in die Hand genommen und den Eichenanteil verdoppelt.“

Ganz einfach ist das aber nicht, die Eiche sei eine „Prinzessin“, die viel Licht und besonders in den ersten Jahren auch Pflege brauche. Brombeerhecken müssen gemäht werden, die jungen Bäume vor Verbiss geschützt werden. Haben die Eichen einmal ein paar Jahre geschafft, seien sie aber sehr klimastabil.

Bei aller Planung ist es laut Melvin Mika manchmal aber doch gut, einfach mal abzuwarten. „Bei den Flächen, die von den jüngsten Stürmen betroffen waren, sehen wir jetzt, dass es die junge Buchen doch geschafft haben.

Es ist wichtig, mit der Natur zu arbeiten, wir halten jetzt die Füße still und schauen, was sie uns anbietet“, betont der Fachmann. Im zweiten Schritt, könne es dann sinnvoll sein, beispielsweise Douglasien zu pflanzen.

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