Traditions-Spektakel der alten Karossen Mehr als 500 Oldtimer beim Mühlheimer Käfertreffen

Welcher ist denn nun der Schönste? Beim Besuch des Mühlheimer Käfertreffens fiel die Wahl sichtlich schwer. Foto: m

Mühlheim (m) – „Traumauto“ steht auf dem kleinen Nummernschild, dem neuesten Teil an dem arg zerknautschten und vom Rost angefressenen Käfer. Aus den „Augen“ scheint Grünzeug zu sprießen, schöne Frauen postieren sich mit verschränkten Armen vor dem geschundenen Blech, das von einer Schaufensterpuppe bewacht wird. 

Der Karbener Dekorateur Bodo Macho – er heißt wirklich so – interessierte sich eigentlich nur für ein neues Dach für sein 65er Käfer Cabrio und kaufte darum den kompletten Schrottwagen auf. Beim Käfertreffen der Käferfreunde Mühlheim versuchte er, das Auto am Stück oder in Einzelteilen zu verhökern. Etwa 480 Liebhaber parkten am Wochenende ihre Oldtimer auf der Wiese am Sportzentrum Anton-Dey-Straße. Mit den Wagen der 35 Gastgeber waren es also mehr als 500, die bei angenehmen Temperaturen mehrere hundert Besucher auf das Gelände lockten. Längst beteiligen sich an dem Treffen nicht nur Fahrer historischer Volkswagen, vom weltbekannten Buckel über die T3-Limousine bis zum Bully. Golfs waren kurioserweise kaum zu sehen.

Käfer, Ford Capri und Opel Admiral

Dafür legten Gruppen anderer Marken ihre Zusammenkünfte aufs Gras zwischen die VW-Schönheiten. So hat der POCG, der Porsche Owner Club Germany, nach einer Ausfahrt mit einer großen Gruppe 911er seinen Stammtisch an die Bieber verlegt. Das Deutschland-Treffen der Fiat-126-Fahrer mit ihren kleinen Kisten fand schon traditionell auf der Südseite des Areals statt. Rund 150 Teilnehmer zelteten oder übernachteten in ihren Bussen mit Camping-Ausstattung, einige nutzten auch das örtliche Angebot an Hotelbetten, informierte Käferfreund Andreas Becker. Er freute sich, dass auch einige US-Cars, Fords und Chevrolets, vorfuhren, alte deutsche Klassiker wie der breite Opel Admiral und der schnittige Ford Capri aus den 70ern. Für die schönsten Wagen gab’s Pokale, auch für den weitestgereisten – der war mit seinem Käfer aus Norwegen angereist. Andere leben in den Niederlanden und in der Schweiz.

„Sportfahrzeug“ mit 20 PS unter der Haube

Kaum noch zu sehen war das kleinste Fahrzeug, in dem viele „Kenner“ vorschnell eine Messerschmidt Kabinenroller erkannten. Das Modell stand jedoch auf vier Rädern und stammt aus dem Hause Fahrzeug Maschinenbau Regensburg. Zwischen 1958 und ’61 haben sie dort gerade einmal 260 Exemplare gefertigt, plaudert Walter Kresch aus Dietzenbach. Sein Modell stammt aus 1959, verrät er, weltweit seien nur noch 17 angemeldet. Das als „Sportfahrzeug“ gepriesene Gefährt hat 20 PS unter der Haube, düst 130 Sachen und beschleunigt „von 0 auf 80 in 14 Sekunden“, ist also „kraftvoll wie ein Tiger“, preist das Prospekt für den FMR TG500. Ein Besitzer habe neulich seinen „Tiger“ für 114 000 Euro abgegeben. 

Käferfreunde feiern Party

Davon kann Bodo Macho nur träumen. Für ein paar Ersatzteile haben sie ihn heruntergehandelt und mit Münzen und Essensmarken bezahlt. Der zerdellte „Traum-Käfer“ parkt immer noch auf dem Tieflader. „Sein Dach passt nicht auf meinen 1300er, Baujahr 65“, erklärte der Liebhaber seine Fehlinvestition. Seine Laune beeinträchtige das keineswegs, immerhin, „der Elvis ist weg“. Nebenbei verscheuerte er einige Deko-Artikel aus seinem Laden. Die Begegnungen und Kontakte auf der Wiese begeistern ihn, „die Käferszene besitzt einen großen Vorschuss an Sympathie“, sagt er. Da gehe es locker und ungezwungen zu. Das galt auch für die Party am Samstagabend im Festzelt der Käferfreunde. Sie nahmen keinen Eintritt, verteilten Papiertüten, die als „Öl-Wanne“ auf dem Rasen zu verwenden waren, und verteilten Präsente der Sponsoren. Dazu verlosten sie ein Wochenende in einem Cabrio der Käferstation und Getränke. Dafür mussten die Teilnehmer den „Entenbürzel“-Porsche kennen, den luxuriösen „Samba-Bus“ und den 25. Juni 2002: Da lief in Mexiko der letzte Käfer vom Band! Der nächste könnte 2018 auf die Wiese einbiegen: Dann feiern die Käferfreunde ihren 30. Geburtstag. Und dann ist vielleicht auch der Motorsportclub Mühlheim wieder dabei, der am Samstag ein Achtel-Meilen-Rennen am evangelischen Gemeindezentrum startete.

 

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