Revue in der Willy-Brandt-Halle Närrisches Treiben der TKG Sonnau

Falco als multiple Erscheinung. Fragt sich, wer von der Sonnau hinter welchem steckt. Foto: man

Mühlheim (man) – Unter dem Titel „Revue, Revue! Der Brexit ist uns wurscht!“, feierte am Freitag in der gut gefüllten Willy-Brandt-Halle die TKG Sonnau ihren 111. Geburtstag im nächsten Jahr quasi schon mal an. Er wird nie älter als 84 Jahre werden, der Konrad, außerdem sollte ein Großvater lieber die Finger von der Kloschüssel die Finger lassen, und mancher ahnte es schon: Die SPD und Kickers Offenbach fischen in ähnlich trüben Gewässern. Bürgermeister Daniel Tybussek zeichnet zu Beginn die ehrenamtlich vielfach engagierte Eleonore Blöcher mit dem Schlüsselorden der Stadt aus. Die Sonnau-Ritterin von 2013 betont, „egal, ob für die Flüchtlinge oder die Senioren, ich mache das gerne“. Gerd Noll, Vize-Vorsitzender im Club und Ritter von 2017, ehrt Andy Franz, den Ritter von 2003, mit dem Sonnau-Verdienst-Kreuz. Noll lobt Franz nicht nur, weil der seit Jahren als Bauchredner mit seinem Alter Ego „Konrad“ auftritt, „sondern auch, weil du für die Sonnau ganz viel machst“. Franz gestaltet etwa die Homepage, die es auch der Presse erleichtert, Clubdaten sofort zu finden.

Bei der Revue der Sonnau geht es modern zu. Wer in der Vergangenheit den Gassenhauer „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ gerne mitgesungen hätte, aber mangels Textkenntnis nicht konnte, kann jetzt nicht nur aus vollem Herzen schunkeln, sondern auch problemlos intonieren. Die Texte zum Rudel-Sing-Sang projiziert ebenso ein Laptop an die Wand, wie die Film-Einsprengsel beim Auftritt der Sonnau-Buben. Florian Eitel und Jonas Tybussek reden erst mal einem dezidierten Bierkonsum das Wort. Die medizinische Expertise lautet: „Schwache Hirnzellen lassen sich so eliminieren“. Das steigere die Intelligenz. Dann werfen die Jungs jedoch Bilder von sternhagelvollen Kerlen an die Wand, die von Parkbänken oder oder an Laternen quer gebunden hängen. Auch der Vorschlag der Jungs, Vereinspräsident Karl-Friedrich Schelzke solle nach seiner Emeritierung als Direktor des HSGB die Mainfähre schippern, sorgt für Amüsement. Jonas Tybussek kündigt das Bürgermeister-Kabarett mit dem Hinweis an, „mal sind sie weniger gut, mal richtig schlecht“. Das Duo besteht aus Papa Daniel Tybussek und eben Karl-Friedrich Schelzke, einem Bürgermeister a.D., der mit Blick auf einen kulturpolitischen Disput im Ort ironisch „für weniger Fastnacht und mehr Kultur“ plädiert. Tybussek taucht im Trikot der des OFC auf, worauf Schelzke bemerkt, seiner altehrwürdigen SPD gehe es genauso elend wie dem Traditionsverein.

Moderator Stephan Mündelein kündigt den Solotänzer Marcel Lipphardt an. Männer tauchen in dem Metier eher selten bis gar nicht auf. Auf einem tänzerisch und athletisch ungewöhnlich hohem Niveau fegt der 24-jährige wie einem professionellem Ballett entsprungen über die Bühne. Das Männerballett Assenheim fing irgendwann als Jux an. Heute trainiert die Truppe drei Mal die Woche, tritt im Fernsehen auf und zählt wie bei der Sonnau zu den Höhepunkten eines Programms. Heimspiel haben die „Swinging Ladies“ der KaKaM, deren ausgefeilte Choreographie ein ganzer Trupp von Fans bejubelt. Schwer zu sagen, was den Opa von Elias Schwemmler reitet, sich mit zwei linken Händen als Handwerker zu gerieren. Was mit einem tropfenden Wasserhahn beginnt, endet in einem Schwimmbad im Wohnzimmer. Noch schlimmer: „Die Schüssel hat es ziemlich zerrissen, seit dem heißt es, in den Garten zu pissen“. Roland Deiss erzählt von seinem nächtlichem Arg und Weh, weil die Frau, die neben ihm liegt, im Schlaf die Wälder zersägt.

Bei der Sonnau-Playback-Show treten nicht nur die Double von Unterhaltern wie Wolfgang Petry oder Markus Becker an, sondern auch Falco als multiple Erscheinung. Mit eigener Stimme singt hingegen Reinhard Paul auf, der Hessische Joe Cocker. Am Keyboard geleitet Robert Hösbacher durchs Programm. Bleibt „Konrad“, der 84-jährige auf dem Arm von Andy Franz, der über Gattin Gerda stets so übel spricht, dass es wundert, dass die ihm nie den Laufpass gab.

Konrad ändert einen Werbesong leicht ab: „Haribo macht Kinder fett, das weiß ich aus dem Internet.“

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