Schmetterlingsrüssel zum Greifen nahe 3D-Effekte erstaunen beim 25. Raumbildtag das Publikum

Friedrich Bur am Orde aus Blieskastel zeigte seine 3D-Spezialkonstruktion für die Makrofotografie. Foto: Postl

Zeppelinheim (lfp) – Im Bürgerhaus Zeppelinheim sitzen rund 50 Gäste im Saal. Alle haben einen besondere Brille auf, ein Beleg für ein kollektives Augenleiden ist diese allerdings nicht.

Der Raum wird abgedunkelt und auf der Leinwand erscheint ein Schmetterling in wunderschönen Farben – und um einiges imposanter als bei einer normalen Dia-Projektion. Der Schmetterling scheint mit seinem Rüssel den Nektar direkt aus dem Raum zu saugen. Immer wieder ist ein „Oh, das ist aber schön“ oder „Da fühlt man sich ja wie mitten drin, ganz toll“ zu hören. Ähnliches Erstaunen kommt auch auf, als Heinrich der Bärtige mit seinem Gefolge durch Dessau reitet: Die Schlachtrösser der Soldaten scheinen förmlich über das Publikum hinweg zu springen. Und als der Nachen auf dem mittleren Neckar durch die Stuhlreihen zu gleiten scheint, ist die Illusion der 3D-Projektion bei allen staunenden Gästen angekommen.

„Die 3D-Fotografie und Videografie ist schon etwas ganz besonderes, aber die Vorarbeit erfordert freilich ungleich mehr Aufwand und technische Sachkenntnis, als die normale Art der Fotografie oder Filmerei“, sagt Bernhard Sommer, Vorsitzender der 3D Freunde Rhein-Main.

Viele Aktionen der begeisterten 3D-Anhänger finden im stillen Kämmerlein oder bei den Treffen im Neu-Isenburger Cine Place statt. Einmal im Jahr kommt die 3D-Fangemeinde jedoch ganz groß raus, wenn der Raumbildtag auf dem Programm steht. Seit 25 Jahren ist Neu-Isenburg der Mittelpunkt der 3D-Fotografie, unvergessen sind die einst großen Veranstaltungen, die der 2010 verstorbene Heinz Otto ins Leben gerufen hat.

In ihrer Begrüßung der Gäste betonte Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner, die für den erkrankten Bürgermeister Herbert Hunkel eingesprungen war, dass man in Neu-Isenburg stolz sei, mit den Raumbildtagen eine deutschlandweit besondere Veranstaltung bieten zu können. „Wie kaum ein anderes Medium vermittelt die Stereoskopie den Eindruck, mitten im Geschehen dabei zu sein“, so Wagner. Der Raumbildtag bietet stets Vorträge zu unterschiedlichen Themen wie Insekten, Reisen und beeindruckenden Landschaften und Leuten, ja sogar Philosophie.

Da schien es, als ob der Schlamm beim Mud Race, aufgenommen von Kurt Helesic, auf die Gesichter der staunenden Zuschauer spritze. Und recht humorvoll beschrieb Werner Schiller aus Erzhausen, wie Rentner mit kleinen Schiffen zu großen Kapitänen auf den Mecklenburgischen Seen wurden. „Diese Aufnahmen wurden alle noch mit der berühmten DDR-3D-Kamera Belplaska gemacht, ein Umstieg auf digital kostet locker 5.000 Euro“, erzählte der Autor. Birgit Teichmann aus Mannheim nahm die Gäste mit auf eine wunderschöne 3D-Reise auf die Insel Santorin und Dieter Grässer aus Ettlingen zeigte, was technisch in 3D möglich ist. Seine Stacking-Aufnahmen (Aufnahmen mit Verschiebung der Schärfeebene und spätere Zusammenführung) waren einfach beeindruckend.

„Unsere Fangemeinde wird zwar immer kleiner, aber sie lebt noch und es gibt zwischendurch immer wieder mal einen Aufschwung“, sagt Bernhard Sommer. Dies hängt mit den Innovationen zusammen, die seitens der Kamera-Industrie kommen. Nachdem die japanische Firma Fuji eine serienmäßige digitale 3D-Kamera auf den Markt gebracht hatte, war die Euphorie groß. Doch nach deren Produktionseinstellung sind die Bastler wieder gefragt, die sich selbst aus zwei normalen Kameragehäusen eine 3D-Aufnahmeeinheit erstellen müssen. „Doch mit der Aufnahme allein ist es nicht getan, denn man will die Bilder ja auch in 3D betrachten“, verweist Horst Werner aus Rodenbach auf spezielle Computerprogramme und Bildschirme.

Viele der Vorträge sind noch auf „analoge“ Art, also mit Kameras mit Negativ- oder Dia-Filmen, entstanden. Einige Autoren scannen diese jetzt ein, um eine digitale Datei für die Weiterverarbeitung als auch Präsentation zu haben. „Viele Silberhalogenid-Filme leiden unter den Einflüssen der Zeit und werden farbstichig“, sah Werner Schiller aus Erzhausen einen weiteren Grund, sich der Digitalisierung zuzuwenden.

Einer der erfindungsreichsten Filmer ist Friedrich Bur am Orde aus Blieskastell, der mit seiner Makrowelt lebender Insekten beeindruckte. Er hat eine Eigenkonstruktion aus zwei Kameras mit entsprechendem Abstandhalter geschaffen. „Wenn sich das Objekt jetzt vorne zwischen den zwei Stäben befindet, ist alles perfekt“, erklärte der Tüftler.

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3D Fotos von Heinrich Bur am Orde

Vor über 30 Jahren zeigte BaO seine Wunderbilder in der Schweiz. Seither ist mir sein Name ein Begriff. Seine Fotos sind Sonderklasse, daher schlage ich eine mehr als verdiente Namensänderung vor: Bur am Ausserorde!
Kompliment und herzliche Grüsse vom Gründer der Schweizerischen Gesellschaft für Stereoskopie
Thomas Handschin

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