In Offenbach wird der Radverkehr weiter ausgebaut / Politiker „erfahren“ Projekt Bike Offenbach Ein Gewöhnungsprozess

Vor der gemeinsamen Tour trafen sich die Teilnehmer am Bike-Offenbach-Infostand in der Taunusstraße (von links): die städtische Radverkehrsbeauftragte Ivonne Gerdts, Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel, Stadtplanungs- und Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß, Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel und Bike OF-Projektmanager Ulrich Lemke. Foto: Urban Media Project

Offenbach (red) – Das Rhein-Main-Gebiet wächst weiter – und gerade in der Corona-Zeit zeigt sich, welches Potenzial im Radverkehr steckt, um die Metropolregion zu vernetzen. Ein Baustein im Ausbau der dafür erforderlichen Infrastruktur ist das Fahrradstraßenprojekt Bike Offenbach. Welche Fortschritte es hier in den vergangenen Monaten gegeben hat, zeigte Stadtplanungs- und Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß nun Bürgermeister Herbert Hunkel aus Neu-Isenburg – die Kommune ist Verbundpartner bei Bike Offenbach – sowie Manfred Ockel, Bürgermeister der Stadt Kelsterbach und Geschäftsführer der Regionalpark Gesellschaft Rhein-Main Südwest, am 7. September bei einer gemeinsamen Radtour.

„Unser Ziel ist es, eine direkte und sichere Infrastruktur zu schaffen, um mehr Menschen und vor allem Pendler zum Umsatteln zu bewegen“, betonte Weiß beim Start in der neuen Fahrradstraße im Nordend. Während der Corona-Pandemie habe die Akzeptanz des Fahrrads als alltägliches Fortbewegungsmittel deutlich zugenommen. Davon profitierten alle Verkehrsteilnehmer, denn Offenbach sei in den vergangenen zehn Jahren um 20.000 Einwohner gewachsen: „Schon daher brauchen wir einen neuen Mobilitäts-Mix, damit wir nicht alle gemeinsam im Stau stehen.“

Umwelt- und klimafreundlich

Neben anderen Maßnahmen wie dem Bau von Radwegen und der Ausweisung von Schutzstreifen sei Bike Offenbach ein wichtiger Beitrag für die angestrebte umwelt- und klimafreundliche Mobilität in der Stadt, die auch zum Luftreinhalteplan beiträgt: „Das funktioniert nur im Gesamtpaket.“ Das Fahrradstraßen-Projekt schließe Lücken im Streckennetz und komme gut voran. Zudem nehme die Akzeptanz bei den Autofahrenden spürbar zu, auch wenn Diskussionen dazugehörten.

Eine umweltgerechte und staufreie Mobilität wünscht sich auch Bürgermeister Hunkel für Neu-Isenburg: „Zu uns pendeln täglich 27.000 Menschen, davon mehr als 4.000 aus Offenbach.“ Um möglichst viele von ihnen zum Radfahren zu motivieren, fungiert die Kommune als Verbundpartner im Förderprojekt Bike Offenbach: Eine Fahrradachse soll ab 2021 für sichere und schnelle Verbindungen zwischen beiden Orten sorgen. „Wir müssen großräumig denken und das Radverkehrsnetz regional, überregional und hessenweit spannen“, unterstrich Hunkel.

Dieses Ziel hat auch Manfred Ockel, der mit der Regionalpark Gesellschaft Südwest zuständig ist für die Umsetzung des Radschnellwegs Frankfurt – Darmstadt. „Wir wollen diese Verbindung so schnell wie möglich realisieren, auch wenn es hin und wieder von direkten Anwohnern auf der Strecke einzelne Bedenken gibt.“ Bisher nutze die Bevölkerung im Ballungsraum die Möglichkeiten von Pedelecs und E-Bikes noch zu wenig. Für eine möglichst breite Akzeptanz sei, neben einem Schnellweg als Hauptroute, die Anbindung mitten in die Kommunen hinein wichtig: „Die Radelnden müssen angenehm und sicher durch die Städte kommen – und das geht nur mit gravierenden Veränderungen im Verkehr, die dem Fahrrad die Vorfahrt geben.“

Dafür sorgt das Projekt Bike Offenbach: Wie die Tour verdeutlichte, haben Radler auf den neuen Fahrradstraßen im Nordend sowie in Bürgel stets Vorfahrt, zudem dürfen sie in der Mitte der Fahrbahn und auch nebeneinander unterwegs sein. Für Autofahrende gilt dagegen: Anlieger frei, die Durchfahrt ist nicht gestattet. „Das ist ein Gewöhnungsprozess, der mal schneller oder auch langsamer geht“, hat Verkehrsdezernent Weiß beobachtet. Rund um die Taunusstraße im Nordend seien die Veränderungen freundlich aufgenommen worden, und an der Senefelderstraße laufe es nun dank der Busschleuse, die den Autoverkehr stadteinwärts von der Fahrradstraße fernhält, deutlich besser.

Südmainischer Radschnellweg in Planung

Besonders entspannt kamen die Politiker mit den bei den Stadtwerken geliehenen Pedelecs auf der 1,5 Kilometer langen Fahrradstraße in Bürgel voran. Bürgermeister Hunkel lobte die mit der Hochschule für Gestaltung entwickelten Markierungen der neuen Straßen, etwa die Ausweisung der „Dooring Zone“ (der Bereich, den Autofahrer benötigen, um ihre Tür zu öffnen) mit blauen Diagonalstreifen: „Diese Anregung nehme ich mit nach Neu-Isenburg.“ Dort wird im Herbst 2020 die erste Fahrradstraße „Am Trieb“ realisiert.

Wie Bike Offenbach-Projektmanager Ulrich Lemke erläuterte, werden im Rahmen von Bike Offenbach bis Ende 2021 neun Kilometer Fahrradstraßen eingerichtet und als Fahrradachsen in die Nachbargemeinden fortgeführt. Zeitgleich steht das nächste interkommunale Projekt schon in den Startlöchern: Geplant ist ein südmainischer Radschnellweg von Hanau über Mühlheim und Offenbach bis nach Frankfurt, die Federführung liegt beim Regionalverband Frankfurt RheinMain. „Die Machbarkeitsstudie zur Festlegung der Trasse wird noch 2020 ausgeschrieben“, berichtete die städtische Radverkehrsbeauftragte Ivonne Gerdts, die wie Lemke die Tour begleitete. Am Ende der Rundfahrt waren sich alle Beteiligten einig: Der Ausbau der Radverbindungen in der Region steht noch am Anfang, ist aber nicht mehr aufzuhalten. „Wir profitieren alle von der Zusammenarbeit“, betonte Hunkel, und Ockel ergänzte: „Wir sind auf einem sehr guten interkommunalen Weg.“

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