Geisterhaftes Zischen und eine bimmelnde Kuhglocke Konzert mit Stefan Viegelahn in der Laurentiuskirche

Stefan Viegelahn überraschte die Besucher des „neun-x-neu“-Konzerts mit der außergewöhnlichen Komposition „Geister“ von Dominik Susteck. Foto: sh

Bergen-Enkheim (sh) – Es ist kaum zu glauben, was in der Orgel der Laurentiuskirche in Enkheim alles drinsteckt. Der Kirchenmusiker Stefan Viegelahn hielt beim Orgelkonzert zu Pfingsten einige klangliche Überraschungen für die Zuhörer bereit.

Zu dem Musikgenuss hatte die evangelische Kirchengemeinde Bergen-Enkheim eingeladen, die Veranstaltung gehörte zur Reihe „neun-x-neu“. Wolfgang Runkel, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Bergen-Enkheim, verriet in seiner Begrüßung, dass er und Stefan Viegelahn sich vor fast 23 Jahren in der kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte in Schlüchtern kennengelernt hätten. Nach den Lehr- und Wanderjahren sei Viegelahn nun zurück – Runkel stellte den Künstler des Abends als den neuen Professor an der Frankfurter Musikhochschule mit Schwerpunkt Orgelimprovisation vor. Improvisiert wurde beim „neun-x-neu“-Konzert allerdings nicht, geboten wurde Literatur, die sich mit den Thema Pfingsten befasste.

Stefan Viegelahn lässt Johann Sebastian Bach erklingen

Johann Sebastian Bach durfte da nicht fehlen. Mit einer Fantasie über „Komm, Heiliger Geist“ wurde das Programm mit intensivem und volltönendem Spiel beeindruckend eröffnet. Im späteren Verlauf folgten „Komm, Heiliger Geist“, ein Trio über „Herr Jesu Christ, dich zu und wend‘“ und „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“. Im Wechsel mit den eher vertrauten, „klassischen“ Orgelstücken wurde auch Modernes zu Gehör gebracht. Zum Beispiel Philipp Jarnachs Konzertstück opus 21 aus dem Jahr 1928. Durch die geheimnisvollen, leisen Klänge erhielt das Publikum einen guten Eindruck von dem Farbenreichtum der Orgel, standen diese sphärischen Töne im Kontrast zu den voluminösen Bach-Werken. Beeindruckend war auch die Beweglichkeit, welche die Jarnach-Komposition vom Organisten forderte. An der im Altarraum stehenden Laurentiusorgel lässt sich das Geschehen am Spieltisch hautnah mitverfolgen. So war zu beobachten, wie nicht nur den Händen, sondern auch den Füßen einiges abverlangt wurde.

Bei Dominik Sustecks „Geister“ kamen Kuhglocke und Schlüsselbund zum Einsatz

Ein besonderer und außergewöhnlicher Hörgenuss war Dominik Sustecks „Geister“ aus dem Zyklus „Zeichen“. Wie Runkel angekündigt hatte, dürfte es sich bei der Präsentation des Werks aus der Feder des 1977 geborenen Komponisten um einer Frankfurter Erstaufführung handeln. Viegelahn entlockte der Orgel wundersame Töne. Er brachte sie zum Fiepen, zum Flirren und Sirren, es klang, als würde man über eine Wiese voller singender Zikaden spazieren. Aber nicht nur von der Orgel gab es geisterhafte Geräusche: Viegelahn zischte, rasselte mit dem Schellenring und bimmelte mit der Kuhglocke – kurz vor Schluss flog sogar ein Schlüsselbund scheppernd auf den Boden. Als Krönung des wohl rätselhaftesten Stücks des Abends stand Viegelahn die Kuhglocke läutend vom Spieltisch auf und verschwand hinter der Orgel. Das Werk hatte das Publikum fasziniert und bot noch lange nach Konzertende reichlich Gesprächsstoff.

Hugo Distler wird als Zugabe zu Gehör gebracht

Nachdem mit Olivier Messiaens „Communion“ und „Sortie“ sowie mit César Francks Choral in E-Dur die Virtuosität sowohl des Organisten als auch des Instruments unter Beweis gestellt waren, wartete Viegelahn noch mit einer Zugabe von Hugo Distler aus „Spielstücke für kleine Orgel“ auf. „Kleine Orgel“ würde der Laurentiusorgel zwar nicht gerecht werden, so der Künstler des Abends, aber er versprach, noch ein weiteres Register erklingen zu lassen, dass im Rahmen des Konzerts noch nicht zu hören war. Sprach’s und brachte die Orgel zum Glockenläuten. Das Schlussgeräusch kam allerdings vom Publikum: Es spendete reichlich und lang anhaltenden Applaus für ein faszinierendes „neun-x-neu“-Konzert.

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