Dunkles Kapitel Frankfurts Buch zur Erinnerungsstätte an der EZB vorgestellt

Edith Erbrich und Marcus Kaiser auf dem Weg über die Erinnerungsstätte, im Hintergrund der Fußgängersteg, der nun den Namen Edith Erbrich trägt Bildunterschrift Foto: jf

Ostend (jf) – „Meine Mutter hatte für uns das Notwendigste gepackt. Sie wollte mit, aber sie durfte nicht. Als sich die Schiebetür geschlossen hatte, wurde sie noch einmal geöffnet. Ein Mann rief: ‚Hebt die beiden Mädchen hoch, ihre Mutter will sie noch einmal sehen!’“ Dieses Zitat von Edith Erbrich, geborene Bär, ist eines von 24 Zitaten, die auf dem Weg über die Erinnerungsstätte an der Europäischen Zentralbank (EZB) zu lesen sind. Es befindet sich am Stellwerk.

Die siebenjährige Edith Bär, ihre zwölfjährige Schwester Hella und ihr Vater wurden am 14. Februar 1945 von der Großmarkthalle aus über den Ostbahnhof nach Theresienstadt verschleppt. Es war die vorletzte große Deportation, am 29. März 1945 befreien amerikanische Truppen Frankfurt.

Am 22. November 2015 wurde die Erinnerungsstätte an der ehemaligen Großmarkthalle und heutigen EZB eröffnet. Der zweigeteilte Ort des Gedenkens – ein Teil, die Rampe und ein Kellerraum, liegen auf dem Gebiet der EZB, weitere Teile sind öffentlich zugänglich – erinnert an die Deportation von über 10.600 jüdischen Menschen. Nun wurde in der EZB das soeben erschienene Buch „Erinnerungsstätte an der Frankfurter Großmarkthalle“, vorgestellt.

Deportiert nach Auschwitz

Als die Großmarkthalle am 25. Oktober 1928 in Betrieb genommen wurde, gehörte sie zu den modernsten ihrer Art in Europa. „Mag gutes Gelingen dem bewegten Treiben in den hochgewölbten Hallen immer beschieden sein!“, heißt es im Grußwort des damaligen Oberbürgermeisters Ludwig Landmann – 1933 wurde das Frankfurter Stadtoberhaupt jüdischer Abstammung aus dem Amt vertrieben. 1941 mietete die Gestapo den Keller der Großmarkthalle, um dort jüdische Menschen zu sammeln, sie nach Bezahlung für einen „Heimeinkaufvertrag“ zusammengepfercht in Eisenbahnwaggons zu deportieren – beispielsweise nach Minsk, Auschwitz und Buchenwald. Die erste Massendeportation war am 19. Oktober 1941, die letzte am 15. März 1945.

Das Buch informiert in sieben Abschnitten über das Konzept der Architekten Marcus Kaiser und Tobias Katz und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen. Außerdem enthält es zahlreiche Abbildungen, von der Erinnerungsstätte. Kulturdezernent Felix Semmelroth mahnte anlässlich der Buchpremiere: „Während in den Kellerräumen Unmenschliches geschah, ging die Arbeit oben weiter. Die Verbrechen sind auch Teil der Frankfurter Stadtgeschichte.“

2005 verkaufte die Stadt Frankfurt die Großmarkthalle an die EZB. Sie beschlossen 2009 zusammen mit der Jüdischen Gemeinde, einen internationalen Wettbewerb zur Einrichtung einer Erinnerungsstätte auszuloben, den die Architekten KatzKaiser mit ihrem Entwurf 2011 gewannen.

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