Deutsch mit Hip-Hop und Stadionbesuch Ostercamp für Geflüchtete und Zuwanderer

Und wer kann diesen Satz fehlerfrei vorlesen? fragt Kursleiterin Anna Meier Foto: Faure

Bornheim (jf) – Es ist ein Pilotprojekt: Etwa 30 Jugendliche aus Intensivklassen (Inte-A – Integration und Abschluss) trafen sich während der Osterferien zur zusätzlichen Sprach- und Bildungsförderung in der Wilhelm-Merton-Schule. Am Montag der zweiten Woche hatte sich besonderer Besuch angekündigt; Kultusstaatsekretär Manuel Lösel und Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia trafen Schulleiter, Lehrer und Teilnehmer des Camps.

Zu Beginn informierte Wolfgang Schmitt, Leiter der Wilhelm-Merton-Schule, über die Bildungseinrichtung, eine von 16 beruflichen Schulen in Frankfurt. An der Wilhelm-Merton-Schule gibt es neun Inte-A-Klassen, an den Beruflichen Schulen Berta Jourdan acht. Insgesamt sind das mehr als 700 Jugendliche nur an diesen beiden Schulen, an acht Standorten in Frankfurt gibt es Inte-A-Klassen. „Wir haben seit über 27 Jahren Erfahrung bei der Betreuung ausländischer Jugendlicher“, erläuterte Inge Meichsner, Leiterin der Beruflichen Schulen Berta Jourdan, 15 Jugendliche aus dieser Einrichtung nahmen am Ostercamp teil.

Jugendliche hätten gute Chancen

Das Problem bei den Inte-A-Klassen: qualifiziertes Personal. „Weiterbildung ist eine langfristige Maßnahme“, unterstrich der Staatssekretär. Am Ende des Jahres 2017 stünden 500 ausgebildete Kräfte im Fach Deutsch als Zweitsprache zur Verfügung. „Jährlich werden bis 1200 Fachkräfte ausgebildet“, nannte Lösel Zahlen. Damit sei das Lehrerproblem einigermaßen gelöst, die insgesamt 38.000 ausländischen Jugendlichen in Hessen hätten gute Chancen. „Wir müssen darauf achten, dass es keine langen Schulunterbrechungen gibt“, ergänzte Lösel. Viele Jugendliche – leider nicht alle – wollen einen Schulabschluss und ein deutsches Sprachdiplom.

Viele Partner machen mit

Bildungsdezernentin Weber dankte den Schulen mit insgesamt 43 Inte-A-Klassen in Frankfurt. „Ohne diese Klassen würde das Thema Bildung und Ausbildung für neu Zugewanderte nicht so gut laufen“, bekräftigte sie. Aber Deutsch zu lernen brauche Zeit. Deshalb ist ein aufeinander aufbauendes System richtig. „Wir wollen, dass alle Jugendlichen einen Schulabschluss bekommen“, sagte Weber. Das Ostercamp unterstützte dieses Ziel und hat viele Partner: das Kultusministerium, das Bildungsdezernat, das Räumlichkeiten und Verpflegung sicherstellt, den Träger Evangelischer Verein für Jugendsozialarbeit (ejuv), die Polytechnische Gesellschaft, den Zukunftsbaukasten für Intensivklassen (ZuBaKA) und Marino-Catering.

Stadionführung in der Commerzbank-Arena

„Das Projekt ist ein Vorbild, es schließt eine Lücke, weil auch kulturelle Bildung angeboten wird. In diesem Bereich wünschen wir uns mehr Unterstützung vom Land“, äußerte die Bildungsdezernentin. Die Stadt hat schon die Jugendhilfe in den Schulen aufgestockt und wird auf diesem Gebiet eine Koordinierungsstelle einrichten. „Es braucht mehr als nur Sprachunterricht“, unterstrich Weber. Einen Eindruck davon konnten die Besucher in der Cafeteria gewinnen. Gerade lief unter der Leitung von Anna Meister (ZuBaKA) ein Quiz: „Stehen in Frankfurt 14 der 15 höchsten Gebäude Deutschlands?“ „Ja!“ Jubel bei Team B. Am Ende der Fragerunde gab es für alle kleine Preise. Die nächste schwierige Entscheidung für die Jugendlichen war das Nachmittagsprogramm: Hip Hop, Workshop Keramik oder Stadionführung in der Commerzbank-Arena – das Rahmenprogramm stellt die Polytechnische Gesellschaft auf die Beine. Vorher allerdings gab es noch kurze Gesprächsrunden mit dem Staatssekretär und der Bildungsdezernentin.

„Darf ich nicht doch ein Wörterbuch benutzen? Wenigstens bei schwierigen Arbeiten?“ „Es sind viele Themen, die in der InteA behandelt werden. Das ist manchmal kaum zu bewältigen.“ „Welche Abschlüsse bekommt man denn?“ Eins wurde klar in der Wilhelm-Merton-Schule: Die Schulen und die Gesellschaft stehen vor großen Herausforderungen. Flexibles Handeln ist notwendig. Und Besuche von Workshops und Kursen sowie kulturellen Einrichtungen kommen bei den Jugendlichen gut an. Genauso wie das Essen von Sterne-Koch Sascha Roggenbruck, der seit 2011 in der Wilhelm-Merton-Schule für leckere Gerichte sorgt.

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