Löffeltrunk-Tradition der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel Bruderschaft vor genau 30 Jahren gegründet

Die Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel nahm beim festlichen Geleitsmahl am Samstag vier neue Mitglieder in ihren Kreis auf. Geschafft haben den Willkommtrunk aus dem Geleitslöffel alle vier Kandidaten. Foto: M.

Seligenstadt (M) – Wer Hörsteiner Abtsberg einmal aus einem schweren Geleitslöffel durch den Schlund rinnen ließ, der trägt ein Stück der seligen Stadt in seine Welt. Selbst wer nur als Zaungast der Löffeltrunk-Tradition der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel beiwohnt, den erfüllt die tief verwurzelte Freude am Brauchtum. Am Samstag berief das Kuratorium beim Geleitsmahl im Riesensaal vier weitere prominente Mitstreiter in die Gemeinschaft, nachdem sie sich der Willkommtrunk-Zeremonie erfolgreich unterzogen hatten.

Anlässlich der Gründung der Bruderschaft vor 30 Jahren blickte Ordensmeister Hans Rolf Flechsenhar zurück. Am 27. Juli 1989 verabschiedete man im Romanischen Haus die Satzung. Sie schreibt vor, dass bei jeder Mitgliederversammlung neue Unterstützer aufgenommen werden. Mittlerweile zählt die Vereinigung 147 Mitglieder, darunter 15 Ordensdamen.

Acht Zeitzeugen des ersten Treffens saßen im Saal: Peter Kappen, Hans Wurzel, Ludwig Krayer, Margret Schöneich, Heinz Scherer, Fritz Haas, Albert Kemmerer und Marianne Neubauer galt „Dank für jahrelange Treue und Verbundenheit zur Bruderschaft“. Das Mahl sei einzigartig in der Region, schwärmte der Ordensmeister: mit festlicher Dekoration, feierlicher Blasmusik, hervorragenden Weinen, dem traditionellen Löffeltrunk, schlagfertigen und humorvollen Laudatoren und hübschen Löffelmädchen.

Die stets lächelnden jungen Damen führten in historischen Trachten und zum Einzugsmarsch von Richard Pappert, interpretiert vom Blechbläser-Ensemble der Stadtkapelle, die Löffelgruppe auf die Bühne. Dazu zählen die Trommler, Examinator Winfried Gmehling, Protokollant Rudolf Post, Löffelwirt Udo Sommer „und unser hochverehrter Löffelmeister Hans Jürgen Wolfring“, kündigte der Ordensmeister an.

Erster Laudator war Seligenstadts Bürgermeister Daniell Bastian, der erst im vergangenen Jahr den Löffel geleert hat und sich „jetzt entspannter“ fühlte. Die Berufung sei ein „Zeichen des Willkommens, der Wertschätzung und der Anerkennung“. Laut einem Ordensbruder sei es „das größte Glücksgefühl, wenn Menschen sich für ihre Heimatstadt einsetzen“, so wie es der Bauingenieur, Umweltwissenschaftler und aktuelle Hainburger Bürgermeister Alexander Böhn tue. Das bürgerschaftliche Engagement verbinde beide Orte, und dass der Kandidat im Vorstand der dortigen Fastnachtfreunde Sankt Wendelinus sitze, mache ihn für einen Seligenstädter noch sympathischer.

Nikos Stergiou, der Ärztliche Direktor der Asklepios-Klinik, zeichnete in pfiffigen Reimen einen „strammen Burschen, nett und flott, eine Frohnatur, hilfsbereit und um keinen Spruch verlegen“ aus: Für Medizinerkollegen Alexander Lewerth „will kein Klischee passen“.

Der Schelm startete eine Sportkarriere mit Pfeil und Bogen im Nationaltrikot, „machte auf Feten das Licht selber aus“. Beruflich begann er im Klinikum Frankfurt, heute versorgt der Ehemann und Vater „Mensch und Frosch“. Der „Mann der Extreme“ bewährte sich in Mofarennen bis Wagenbau, genieße seine Freiheit in Reise-Caravan und Tauchgängen.

Richard Biegel stellte Bürgermeister Robert Melber aus dem fränkischen Aub vor. Die kleine Stadt liegt ebenfalls an der Handelsstraße von Nürnberg nach Frankfurt. Der Rathauschef ließ sich für die Idee begeistern, den Kaufmannszug von Augsburg in die Einhardstadt nachzubilden, nahm die „riesige Planungs- und Organisationsarbeit“ auf sich und hieß den Kaufmannstross mit einer Festtafel auf dem Auber Marktplatz, Schmorbraten aus Kupferkesseln, willkommen. Es folgten „tolle Begegnungen“, die Melber-Brüder beteiligen sich als Steinmetz und Büchsenmacher am Zunft- und Handwerkermarkt. Robert Melber wurde 2002 durch eine BI zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. „Freundschaft braucht keine Verträge, sondern Vertrauen“, antwortete der Geehrte auf das Ansinnen der Hessen, Aub zur Partnerstadt zu machen. Die Verbindung gestaltete er in Form einer steinernen Stele.
Axel Korb spielte die Orgel bei der Hochzeit von Nicolas und Christina Wolz. Außerdem begegneten sich Laudator und Löffeltrinker in der Einhardstiftung, „auf dem Olymp der Seligenstädter Götter“. Wolz sei zwar „ohne die Gnade der Seligenstädter Geburt“ ausgestattet, doch das mache sein Urgroßonkel als erster Bürgermeister nach dem Krieg wett.

Das neue Mitglied studierte in Frankfurt und Tübingen, promovierte in Geschichte, veröffentlichte Bücher, arbeitete bei Fernsehen und Zeitung, bereichere die Bruderschaft um zwei Löffelmädchen, seine Töchter. Nicolas Wolz war Sprecher des Hessischen Kultusministeriums, leite nun die interne Kommunikation der Bundesbank. Als Schlagzeuger habe er bei Geoff & The Magic Tones getrommelt, heute macht er das als Pressewart der Tennisabteilung der Sportfreunde.

 

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