Schüler und Lehrer müssen einander zuhören / Demo „Friday for Future“ in Seligenstadt Die Erde hat Fieber und es gibt nur Placebos

Erstmals versammelten sich Schüler in Seligenstadt, um für eine bessere Klimapolitik zu streiken. Foto: znd

Von Natalia Dizer

Seligenstadt – Ist er nun sinnvoll oder nicht? Wenn es um die Frage nach dem internationalen Klimaschutztag geht, der von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg ins Leben gerufen wurde, scheiden sich die Geister. Die Einen sind völlig überzeugt von den engagierten Schülern, die Anderen stehen den Demonstrationen skeptisch gegenüber. Was auf jeden Fall feststeht ist, dass sich die Klimapolitik auf der ganzen Welt verändern muss, jetzt!

Unter dem Motto „Fridays for Future“ gehen tausende von Schülern weltweit auf die Straßen, um gegen die ignorante Klimapolitik der heimischen Regierungen zu protestieren. „Warum sollte ich für meine Zukunft lernen, wenn es keine Zukunft mehr gibt?“. So oder so ähnlich lauten die harten Anklagen gegenüber den Politikern, die schleunigst dazu angeregt werden, sollen ihr Handeln zu überdenken.

Eigentlich ist allseits bekannt, dass die Treibhausgas-Emissionen seit Jahren steigen und somit den Klimawandel ankurbeln. Trotzdem werden immer noch Kohle, Öl und Gas abgebaut. Wie kann das sein? Das fragen sich auch die Schüler. Sie wollen nicht nur tatenlos Zusehen wie die Erde in den Ruin getrieben wird, sondern handeln, bevor es zu spät ist. Rund 450 Schüler und Interessierte nahmen am ersten Demonstrationszug in Seligenstadt teil, der zwischen Einhardschule und Merianschule startete. Von dort aus ging es für die Beteiligten auf den Marktplatz. Unterstützt wurde die Bewegung vom Seligenstädter Jugendbeirat und weiteren engagierten jungen Menschen. In ganz Hessen waren es knapp 25.000 Schüler, die am Freitag auf die Straßen gegangen sind.

Fünf Redner im Alter zwischen 13 und 19 Jahren trugen voller Tatendrang ihre sorgfältig vorbereiteten Reden vor, um den Kritikern zu beweisen, dass sie genau wissen, wovon sie sprechen und wofür sie sich einsetzen. „Die Erde hat Fieber und die Ärzte, unsere Politiker, geben ihr keine wirksamen Medikamente, sondern nur Placebos.“ Eine der vielen Aussagen von Frederick Kubin, 19 Jahre, der sich als Jugendlicher von den Politikern und Gegnern der „Fridays for Future“-Bewegung nicht ernst genommen fühlt. Er fordert „eine Revolution im Umgang mit dem Klimawandel.“

„Wir haben uns als Gruppe zusammengeschlossen, weil die Regierung zu wenig für den Klimaschutz macht. Es wäre toll wenn mehr Wert auf erneuerbare Energie gelegt wird. Jeder kann was Kleines dazu beitragen, damit etwas Großes daraus werden kann.“, findet Tessa (19).

Doch „das bloße Fingerzeigen auf Andere, auf Politiker die Gesellschaft, usw. trägt nicht zur Verbesserung bei.“ Die Meinung von Leserbrief-Schreiber Wolfgang Baake teilen wohl viele, die der Klimaschutzbewegung nichts rechtes abgewinnen können. Seiner Ansicht nach bedarf es einer soliden Wissensgrundlage, um sich mit dem Thema auseinander zu setzen, die man nicht beim Schule schwänzen erlangt. Viel sinnvoller wäre es, wenn die Lehrer die Bewegung fördern, indem sie ihre Schüler zum Lernen anregen.

Aber genau solche Aussagen können die Schüler nicht mehr hören. Jahrelang beschwert sich die „ältere“ Generation, dass sich die heutige Jugend immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzieht und sich nur noch für neue Technik begeistern lässt. Geht sie aber auf die Straße und demonstriert für eine lebenswürdige Zukunft, fehlt ihr die Wissensbasis. Ob dem „unteren Stand“ damals auch die Wissensgrundlage gefehlt hat, als er gegen die Monarchie und für Demokratie demonstriert hat, kann man sich in diesem Zuge auch fragen. Nur weil man etwas nicht direkt studiert hat, heißt das nicht, dass man nicht in der Lage ist, seinen gesunden Menschenverstand zu benutzen.

Das Problem hierbei sind weniger die jungen Aktivisten, die sich tatsächlich um die Zukunft des Planeten sorgen, sondern vielmehr die inaktiven Mitläufer. Um sie scheinen sich die Sorgen der „Fridays for Future“-Gegner zu drehen. Sie nutzen gewiss den Freitag, um dem Unterricht zu entfliehen und begründen ihr schulisches Fehlen mit dem Engagement bei der Demo.

„Es ist zwar eine gute Sache, aber eine Projektwoche mit anschließender Demo fände ich besser. Viele wissen gar nicht wofür sie demonstrieren.“ Damit hat Niklas (18) wohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Anstatt sich an den Schulen über das Fehlen zu beschweren, sollte man das Problem an der Wurzel packen und sich mit Schülern kurzschließen. Die Schule der Zukunft sollte flexibler sein, auf solche unvorhersehbaren Strömungen reagieren und dementsprechend agieren.

Der Dreh- und Angelpunkt ist einmal mehr wie in vielen Fällen, die Kommunikation: Sowohl Schüler als auch Lehrer müssen einander zuhören und sich gegenseitig verstehen. Sicherlich gibt es eine Lösung mit der beide Parteien zufrieden sind und unnötiges Hetzen gegeneinander nicht mehr nötig ist.

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel: 

Klimapolitik ändern
Wasserstoff und Sauerstoff
Die Gemüter sind gespalten

Fotos, Teil 2, von der Aktion in unserer Bildergalerie

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