Mehr als 250 Mädchen und Jungen traten unter der Kuppel des Zirkus Rondel auf Goetheschüler in der Manege

Andere zum Lachen bringen, das ist die Intention eines Clowns - und die Schüler setzten diese Maßgabe hervorragend um. Foto: m

Mühlheim (m) – „Fakire“ legen sich mit blankem Rücken oder nacktem Bauch auf Nagelbretter. Bedächtig, aber ohne mit der Wimper zu zucken gehen sie über einen Scherbenhaufen, fahren sich mit Fackeln über die Arme und halten die Flammen, den Kopf in den Nacken gelegt, über den weit aufgerissenen Schlund. Manche Eltern auf den Rängen oder in der Loge halten Mund und Augen ähnlich weit aufgesperrt, staunen wortlos über den Mut ihrer Sprösslinge. In drei Vorstellungen traten sämtliche 257 Mädchen und Jungen der Goetheschule unter der Kuppel des Zirkus Rondel auf. In nur drei Tagen hatten sie ihre Nummer vorbereitet und nun im farbigen Scheinwerferlicht präsentiert, als hätte nie ein anderes Unterrichtsfach im Stundenplan gestanden. Lehrerkollegium und Förderverein haben auch die zweite Auflage des „Circus for kids“ über Monate akribisch vorbereitet. Jetzt bewährten sich die jungen Mühlheimer ausgesprochen sportlich. Im Trikot der Celtics-Basketballer wagt die Gruppe große Sprünge am Trampolin, fängt in der Luft dicke Bälle, landet durch Hula-Hoop-Reifen oder hüpft über zitternde Feuerzungen. Oder die „Turner von vor hundert Jahren“: Mit schwarzen Zwirbelbärten und Ringelhemden stampften sie zu Marschmusik ein. Der Kleinste löst mit einem Schubser eine Kettenreaktion aus, die Truppe purzelt übereinander. Dann bildet sie Hebefiguren und Pyramiden. Der Leiter sitzt plötzlich im Schoss einer Zuschauerin, ihr Nachbar soll einen Artisten in die Höhe katapultieren, doch die Wippe „kracht“ …

Alle vier Jahre engagiert die Grundschule den Zirkus Rondel. Eltern halfen am Sonntag, den Viermaster im Bürgerpark aufzurichten, und packten auch beim Abbau mit an. Der Förderverein hatte zahlreiche Spender und Sponsoren gewann. Viele Firmen haben Preise für eine Tombola gestiftet, die auf der geöffneten Ladefläche eines Laster für den Loskauf warb. Das alles hat einen Grund: Die Projektwoche im Zirkuszelt kostet rund 20 000 Euro. Also haben Eltern reihenweise Kuchen gebacken. Das Rondel-Ensembles gab zum Auftakt eine eigene Vorstellung. Die Kasse für die Goetheschüler klingelte auch, weil heimische Künstler den Kindern ein attraktives Programm geschenkt haben: Für kleines Geld oder sogar kostenfrei traten am Mittwoch das Duo Ohrenschmaus, die Firedrums vom Karnevalverein, Trommler der Artificial Family, der Zauberer Abraxas, Feuerspucker und Tom Jet mit seinem Rudel-Sing-Sang auf.

Großen Dank zollte Schulleiterin Yvonne Botsch auch Heike Pietsch und Iris Niederhüfner mit ihrem Team von den Goethe-Kids, die viele organisatorische Aufgaben übernommen haben. Beifall ernteten auch die „Squaws“, die älteren Schülerinnen im grünen Rock, mit Halskette und einer roten Feder überm Haar kleine Leitern vor sich. Vorsichtig drehen sie die Holzgestelle, die weißen Tauben darauf klettern von einer Sprosse auf die nächste und flattern dabei zur Balance.

Dann führen Heidis und Geißenpeter aufgeregte Ziegen über eine stählerne Brücke, über Treppen und kleine, runde Standflächen. Die „Hirten aus Oberbayern“ halten die Vierbeiner an kurzer Leine beherzt fest. Die Clownschar bringt ihren fotografierenden Chef mit Faxen im Chor zur Weisglut. Die Artisten sorgen dafür, dass die Mütter und Väter den Atem anhalten. Ein paar Meter über die Manegen-Plane recken und strecken sie sich am Trapez, allein von den muskulösen Armen des Zirkusdirektors gehalten. Mit einer Gurt-Sicherung klettert ein Mädchen in luftiger Höhe unter der Kuppel und zu tosendem Applaus auf die Glatze des Zirkusmannes.

Das Rondel-Team hat den Schülern wahre Kunststücke beigebracht. Der wichtigste Erfolg sei, dass die Kinder durch die Auftritte enorm viel Selbstwertgefühl gewinnen, erklärte Schulleiterin Botsch, „das ist gigantisch!“. Die Zirkusleute haben die Stärken der kleinen Künstler entdeckt, in die Manege gestellt und „die Schulgemeinde als Gemeinschaft gefördert“, beschrieb die Pädagogin den Wert des Projekts.

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