Tom Jet startet virtuelles Rudelsingen Rudel-Sing-Sang ohne Rudel

Auch für Musiker Tom Jet und Martin Deiß, Geschäftsführer der Bürgerhaus GmbH, ist es ein ungewohntes Gefühl ohne Zuschauer vor Ort Stimmung zu verbreiten. Foto: m

Mühlheim (m) – Die neue Zeit hat den Albtraum bittere Wirklichkeit werden lassen. Der Hausener Musiker Tom Jet und Martin Deiß, Geschäftsführer der Bürgerhaus GmbH, versuchen, den Menschen noch eine wohlklingende Freude zu bereiten, haben jüngst zum ersten virtuellen Rudel-Singen eingeladen.

Es ist schon etwas nach halb neun, als Tom mit dem Pausengong im Bild erscheint. „Ich kann euch nicht sehen“, klagt der Mann mit der nagelneuen Gitarre am Hals. „Im schlimmsten Fall sitzt ihr da alleine mit einer Flasche Wein oder Bier“, überlegt er sich und fordert die Zuschauer auf, „macht Fotos von euch, wie ihr da sitzt, hockt, singt, tanzt“. Der Bandleader möchte eine Art Fotoalbum erstellen, seinen Chor mit Masken und Schütteleiern verewigen.

Dann startet die Ein-Mann-Show das Einsingen mit „Ba-ba-ba-ba-barbra Ann“. Es folgt der „Ring Of Fire“ von Johnny Cash mit viel Cowboy-Iiieehaaa. Die Texte erscheinen stets auf der größten Fläche auf den Bildschirmen, Toms Kopf ist während der Lieder nur in Passbild-Größe eingeklinkt. „Ihr habt die Stimme genial getroffen“, schwärmt der Vorsänger. „Ich hör’ zwar nix, aber es strahlt bis hierher!“

Vergessen ist die Verspätung, weil ein Computer automatisch heruntergefahren ist, um ein Programm neu zu laden. Und wer einen ausgebufften Techniker wie Martin Deiß an seiner Seite weiß, der verfügt auch rasch über den guten Ton: Ein defektes Kabel ist als Verursacher leiser Lieder identifiziert – und schon ausgetauscht. So haben der Leiter und sein Team in der Willy-Brandt-Halle so manchen gewohnten Anblick ausgewechselt.

Der komplette Windfang von Mühlheims „gut Stub’“ erstrahlt un neuem Glanz. Dem Untergeschoss mit der Besucher-Garderobe und den Toiletten haben Deiß, die beiden Hausmeister und die Putzfrau erstmals frische Farbe verliehen, seitdem das Haus im September 1973 eingeweiht wurde. Das Foyer inklusive Decke bekommt den Pinsel noch zu spüren, „erstmals nachdem das Rauchverbot eingeführt worden ist“, konkretisiert der Chef. „Und wir haben noch sehr viel Farbe!“ „Uns ist die Geschäftsgrundlage entzogen“, stellt der Manager klar. „Das Land gibt einfach keinen konkreten Zeitplan“, sagt er. Vor allem fehle die Information, welche Zusammenkünfte wie laufen können. „So ist keine Vorbereitung möglich“, kritisiert er die Politik. Also treibt er die Rückabwicklung oder Verlegung von gebuchten Terminen voran. Fünf Abi-Bälle sind abgesagt, dazu Tagungen, eine Betriebsversammlung und eine Produktschulung. Acht Hochzeiten wurden verschoben, ein Frankfurter Gymnasiums hat schon seine Abiturfeier für 2021 storniert! Noch nicht abgesagt sei eine Gesundheitsmesse im August und eine Tagung mit 300 Personen im September. Dazu hofft Deiß auf eine Realisierung mit begrenztem Zugang. Jetzt führt er weiter Arbeiten, die sonst fremd vergeben wären, selbst aus. So hat er die Beschallungsanlage komplett auseinander genommen, gewartet und optimiert, die Brandmeldeanlage entsprechend der TÜV-Vorgaben erweitert, die Paneelen gereinigt.

Tom stimmt zum Finale Abbas „Dancing Queen“ an, dann den „Kleinen grünen Kaktus“. Tanzen soll sein Publikum, das sei aber draußen mit Abstand am sinnvollsten. Auch zur „Alice“ von „meinem Lieblingskünstler Howy Carpendale“ haucht er den Text nur noch, auf dass er draußen vor den Geräten aus prallen Lungen mitgegröhlt wird. „Eigentlich wären wir am 1. Mai zum Start in den Sommer fast in meinem Wohnzimmer“, nämlich beim Maifest des Roten Kreuzes auf dem Hausener Marktplatz. „Was hätten wir da gerne gespielt!“ Stattdessen versucht er wie viele seiner Kollegen, mit Auftritten im Internet ein bisschen Geld über den „virtuellen Hut“ zu verdienen, auch am kommenden Donnerstagabend wieder.

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