Zur Sonderausstellung rund um Stadtgründer Graf Johann Philipp zu Ysenburg-Büdingen ist ein Buch erschienen Seiner Zeit weit voraus

Kulturdezernent Theo Wershoven (links), Dr. Bettina Stuckard vom Kulturbüro und Museumsleiter Christian Kunz mit dem neuen Band. Foto: Postl

Neu-Isenburg (lfp) – Die Sonderausstellung im Stadtmuseum „Haus zum Löwen“ über das Leben des Stadtgründers Graf Johann Philipp zu Ysenburg-Büdingen war mit 3.327 Besuchern die am besten besuchte seit der Wiedereröffnung. Unter dem Titel „1718 Graf Johann Philipp zu Ysenburg-Büdingen und seine Zeit“ waren von September 2018 bis Februar 2019 viele Lebensstation des Stadtgründers von Neu-Isenburg, aber auch Dokumentationen über die Situation der Menschen zu dieser Zeit zu sehen. Nahezu ein ganzes Jahr lang hatten Bettina Stuckard, die Leiterin des Kulturamtes der Stadt Neu-Isenburg, und Museumsleiter Christian Kunz viele Fakten zusammengetragen und die große Sonderausstellung zum 300. Todestag des Stadtgründers Graf Johann Philipp zu Ysenburg-Büdingen konzipiert.

„Diese sehr interessante Ausstellung müsste man dauerhaft zeigen“, sagten viele begeisterte Besucher. Darauf reagierte nun das Kulturbüro der Stadt Neu-Isenburg: Es hat als dritten Band der Schriftenreihe „Isenburger Facetten“ nun eine Dokumentation herausgebracht. „Damit wird die Sonderausstellung nicht nur für spätere Generationen nachvollziehbar sein, sondern das Buch enthält sogar noch mehr Informationen über unseren Stadtgründer“, erklärte Neu-Isenburgs Kulturdezernent Theo Wershoven. Er dankte insbesondere Bettina Stuckard und Christian Kunz, aber auch dem Haus der Stadtgeschichte Offenbach sowie dem Haus Ysenburg-Büdingen und dem Fürstenhaus Birstein, die bisher nicht zugängliche Dokumentationen zur Verfügung gestellt hatten.

Wer war dieser Graf Johann Philipp, der sich den Rufnamen „Philipp“ gab? Was war seine Motivation, Glaubensflüchtlinge aufzunehmen? Welches Denken und Handeln bestimmte die Zeit um 1718? Auch Fragestellungen, wie die Menschen damals lebten, werden in dem Band aufgegriffen. Und auch eine kleine Sensation brachte die Ausstellung mit sich, sie ist ebenfalls im dritten Band der „Isenburger Facetten“ zu sehen: „Plötzlich kam der bekannte Heimatforscher Wilhelm Ott ganz erfreut aus der Ausstellung zurück und verwies auf eine bisher nicht bekannte Darstellung des ursprünglichen Tiergartens Philippseich“, erklärt Christian Kunz den besonderen Fund, den vorher noch niemand entdeckt hatte. Auf einem Stich zum Tode der Gemahlin des Grafen Johann Philipp, Fürstin Charlotta Amalie, hatte Ott eine Abbildung des „Thiergarten Philippseich“ in seinem Ursprungszustand entdeckt.

Bei der Vorbereitung der Dokumentation sind Bettina Stuckard und Christian Kunz aber auch Wege gegangen, die vom eigentlichen Thema wegführten. So erfahren die Leser etwas über die Ernährung – man kannte nicht nur den Schwarzmusbrei, sondern auch schon Melonen und Datteln – sowie über die Körperhygiene. „Das Nur-Parfümieren hatte nur eine kurze Zeit, Graf Johann Philipp und die bessere Gesellschaft kannten die Nutzung von Wasser und Seife zum Waschen und auch schon Mundhygiene“, erklärte Bettina Stuckard. Weitere Themenschwerpunkte sind Religion und Glaubenswelt, über die für Graf Johann Phillip eine besondere Auffassung hatte. „Nur durch seine liberale Einstellung war sein Handeln mit der Aufnahme und Ansiedlung von Glaubensflüchtlingen zu begründen“, betont denn auch Christian Kunz.

Schließlich werden noch die soziale Stellung der Ehefrauen des Grafen vor der Ebene dynastischer Heiraten und der Sicherung von Erblinien beleuchtet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und den landesherrschaftlichen Bemühungen um Stabilität und Ordnung bemühte sich Graf Johann Phillip zu Ysenburg-Büdingen auch um die Ansiedlung von Gewerbe und Bekämpfung der Armut. Er war seiner Zeit in vielen Dingen voraus. Eine Besonderheit sind auch die Quellenangaben im Büchlein, die für interessierte Zeitgenossen eine weiterführende Vertiefung ermöglichen.

Und die damalige Zeit soll gar über ein barockes Spiel für alle erfahrbar gemacht werden. „Wir haben auf der Basis des Alten Ortes eine Variante des damals beliebten Gänsespieles kreiert“, verrät Museumsleiter Christian Kunz. Unter der Kuppel der Astronautenausstellung über Thomas Reiter kann dann das Neu-Isenburg-Spiel mit Fragen zur Stadtgeschichte gespielt werden

Der dritte Band der „Isenburger Facetten“ mit dem Titel „1718, Graf Johann Philipp zu Ysenburg-Büdingen und seine Zeit“ ist zum Preis von 15 Euro im Stadtmuseum, in der Stadtbibliothek, dem Bürgeramt sowie in der Buchhandlung Leander zu erhalten.

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