Joscho-Stephan-Trio begeistert zum Zehnjährigen der Kunstbühne auch vor unerwartet kleinem Publikum Umso mehr ins Zeug gelegt

Wenn Sohn Joscho Stephan (links) mit Vater Günter und Max Schaaf (hinten) agiert, wird bester Gypsy Swing geboten. Foto: lfp

Neu-Isenburg (lfp) – Die Kunstbühne Neu-Isenburg, eine Sparte des Forums zur Förderung von Kunst und Kultur in Neu-Isenburg (FFK), kann in diesem Jahr auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Doch das Jubiläumsjahr hatte man sich sicherlich ganz anders vorgestellt. „Kleine Bühne – große Kunst“ war bisher schon das Motto gewesen und dies traf auch am Sonntagabend für das Gastspiel des Joscho-Stephan-Trios im „Treffpunkt“ voll zu. Nach der erzwungenen Corona-Pause – Joscho Stephan sollte bereits am 22. März auftreten – und der geplanten Sommerpause sollte es nun wieder vor vollem Haus weitergehen. Doch Corona ist immer noch da und damit auch die entsprechenden Auflagen. So mussten etwa die Plätze von 120 auf 40 reduziert werden.

Das eigentlich ausverkaufte Gastspiel von Joscho Stephan sollte auch eine Entscheidungshilfe sein, wie es mit den Veranstaltungen der Kunstbühne weitergehen könnte. Doch nach dem Konzert war die Künstlerische Leiterin Miruna Costa alles andere als schlauer – eher noch verunsicherter.

Zehn Minuten vor Konzertbeginn waren gerade mal die Hälfte jener Gäste, die im Besitz einer Karte waren, erschienen. „Das ist völlig ungewöhnlich, normalerweise ist schon eine halbe Stunde vorher der Saal voll“, sagte Costa. Es wurde nicht wesentlich besser, denn es gab nur noch wenige Nachzügler. „Wir hatten uns ein tolles Konzert gewünscht, wenngleich nur mit 40 Gästen, aber das ist wirklich enttäuschend – und ich weiß nicht, woran es liegt“, sagte Costa bei der Begrüßung. „Mit Joscho Stephan haben wir einen ganz besonderen Ausnahmekünstler, der 400, was sage ich, der 4.000 Zuhörer verdient hätte.“ Joscho Stephan selbst betonte, dass es keinen Sinn gemacht hätte, einfach weitere Karten zu verkaufen. „Dann hätten wir plötzlich Doppelbuchungen gehabt – das geht überhaupt nicht in Corona-Zeiten. Wir werden uns für Sie umso mehr ins Zeug legen“, so der Ausnahme-Gitarrist.

Und Joscho Stephan hielt Wort. Schon das Opening, ein von ihm arrangierter Beatles-Song, begeisterte die Gäste. Dann folgten Stücke seiner großen Vorbilder wie Duke Ellington, Chad Atkins und insbesondere die „Ballade pour Django“, eine Hommage an den Gypsy-Jazz-Gitarristen Django Reinhardt. „Unser Bass-Gitarrist hat sich in den letzten sechs Wochen eingesperrt, um sein großes Solo, das jetzt gleich kommt, zu perfektionieren“, zeigte Joscho Stephan auf Max Schaaf. Je länger der Abend, desto emotionaler die Interaktion zwischen dem Joscho-Stephan-Trio und dem begeisterten Publikum.

„Ich hatte schon beim Soundcheck Tränen in den Augen, einerseits ob der ergreifenden musikalischen Kunst des Trios und andererseits, dass es endlich wieder mal weitergeht mit unserer Kunstbühne“, sagte Miruna Costa. Doch wie es weitergehen wird, vermochte sie nicht zu sagen. „Ich stehe mit vielen Künstlern in Verbindung, doch ich muss mich mit meinem Team besprechen, denn anscheinend trauen sich die Leute noch nicht so, zu Veranstaltungen zu gehen“, zeigte Miruna Costa auf die vielen leeren Plätze. Hier verwies sie auch auf Martina Grossmann, die Chefin der Kultgaststätte „Zum Treffpunkt“, die eigens für jede Veranstaltung die Tische und Stühle auf Abstand stellen muss. „Und der Umsatz sollte ja auch was bringen“, so Costa mit Blick auf die wirtschaftliche Seite. „Ich glaube, wir werden spontan handeln müssen – ich will die Künstler unterstützen, aber auch die Kunst in Neu-Isenburg fördern.“ Das Vermächtnis der Gründer der Kunstbühne mit Edith Reitz, Nick Timm, Oliver Gröll und Wolfgang Lamprecht will Miruna Costa mit all ihrer Energie fortführen.

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