Fünfte Planungswerkstatt Mobilität zur Neugestaltung der Ortsdurchfahrt L3117 Umwandlung zu „einer Straße für die Bürger“

An meterlangen Stellwänden konnten die Besucher die Entwürfe zur Neugestaltung der Ortsdurchfahrt L3117 betrachten. Christa Columbus und Timm Brühmann am Plan mit dem Kontenpunkt an der Feuerwehr. Foto: Postl

Neu-Isenburg (lfp) – Etwas staunend standen jene, die zur fünften Planungswerkstatt bezüglich der Neugestaltung der Ortsdurchfahrt Carl-Ulrich Straße/Schleussnerstraße und Friedhofstraße in die Hugenottenhalle gekommen waren, vor den meterlangen Aushängen an der Wand. Auf den maßstabsgerechten Plänen sind Fahrspuren für motorisierte Fahrzeuge, Rad- und Fußwege sowie Grünflächen „millimetergenau“ eingezeichnet. In der Straßenmitte führt die Trasse der Regionaltangente West entlang, über deren Bau zwar noch nicht final entschieden ist. Am 22. Mai will das Neu-Isenburger Stadtparlament diesbezüglich eine Vorentscheidung treffen.

„Wir beneiden sie alle in Neu-Isenburg“, sagte Verkehrsexperte Prof. Dr. Jürgen Follmann (Hochschule Darmstadt) ganz offen zu Beginn der Planungswerkstatt und zielte damit gleich auf mehrere Vorzüge der Hugenottenstadt ab. „Sie haben hier alles, was man zum Leben braucht, vom Einkaufen über Fachärzte und Gewerbe – und jetzt werden die Bürger auch noch in vorbildlicher Weise in die zukünftige Gestaltung ihrer Hauptdurchgangsstraße mit einbezogen“, so Follmann. Die Ost-West-Verbindung würde im Rahmen des Baues der Regionaltangente West eine gravierende Veränderung erfahren. „Doch auch ohne die RTW müsste diese Hauptverkehrsader umgestaltet werden“, so Jürgen Follmann.

Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel freute sich über die vielen Teilnehmer – obwohl es so viele nicht waren – und dankte allen für die zahlreich eingebrachten Vorschläge, aber auch kritischen Anmerkungen. „Wir lernen aus beiden, denn auch Kritik hat seine Berechtigung und muss beachtet werden“, so Hunkel. Follman von der technischen Hochschule Darmstadt, der mit Studierenden an der dortigen Hochschule das Projekt „Mobilität der Zukunft“ in der Hugenottenstadt schon seit Jahren begleitet, gab noch einmal einen kurzen Rückblick über die Schwerpunkte der vier vorausgegangenen Planungswerkstätten. „Wir haben uns mit Ihnen entsprechende Gedanken über eine Neugestaltungen gemacht, waren bei großer Sommerhitze auf einem Erkundungsgang direkt auf der Friedhofstraße und haben mit Jugendlichen in der letzten Planungswerkstatt auch mal eine andere Perspektive und Herangehensweise erfahren“, so Follmann.

Edwin Mayer, Geschäftsführer des von der Stadt Neu-Isenburg beauftragten Planungsbüros, stellte dann die erste Vorplanung, also einen schon recht konkreten Entwurf, über das künftige Aussehen der Ost-West-Achse durch Neu-Isenburg vor. „Unsere Planung beruht auf Ihren Wünschen und Anregungen unter Berücksichtigung der technischen Anforderungen seitens der Regionaltangente West, aber auch den Vorgaben für die Breite von Rad- und Fußwegen“, so Mayer. Nachdem sich die RTW-Gesellschaft auf eine eingleisige Variante der „Stadtbahn“, wie der Abschnitt vom Bahnhof Neu-Isenburg bis zur Endhaltestelle im Birkengewann bezeichnet wird, festgelegt hat, wurden die Planungen auf dieser Basis durchgeführt. „Wichtig war uns, dass insbesondere die Friedhofstraße zu einer Straße für die Bürger wird und nicht für einen möglichst schnellen Durchgangsverkehr“, so Edwin Mayer deutlich.

So zeigt sich denn auch ein durchgängiger breiter Radweg von der Siemensstraße im Westen bis zur Einmündung der Offenbacher Straße im Osten. „Der Radverkehr wird in Zukunft besonders innerstädtisch immer mehr an Bedeutung gewinnen, deshalb war uns dieser Anspruch einer durchgängigen Radwegbeziehung wichtig“, betonte der Planer.

Etwas irritierend seine Aussage bezüglich des Kreisel-Eis: „Die Planungen sehen vor, dass die Innenraumgestaltung wahrscheinlich so erhalten bleiben kann.“ Wie Peter Ploch, Vorsitzender des Modell-Eisenbahn-Club Neu-Isenburg (MECI) bestätigte, ging man bisher fest davon aus, dass beide Waggons an ihren Plätzen bleiben können.

Ein paar kritische Punkte boten den Planern dennoch einiges Kopfzerbrechen, wie die Kreuzungsbeziehung am Stadttor mit der Frankfurter Straße, sowie den Einmündungen Friedhofstraße, Carl-Ulrich-Straße und Schleussnerstraße. Ab diesem Verkehrsknotenpunkt soll künftig der Verkehr stadtauswärts gen Westen über die Carl-Ulrich-Straße, aber stadteinwärts ab der Siemensstraße über die Schleussnerstraße geführt werden. „Der verkehrstechnisch kritischste Punkt ist jedoch die Kreuzung der Friedhofstraße mit der Herzogstraße, aber auch hier haben wir eine Lösung gefunden“, so Mayer.

Kritisch war auch der Bereich der Tankstelle in Höhe der Hermesstraße. „Wenn wir hier die Masten für die Oberleitung nicht direkt am Gleiskörper, sondern zu beiden Seiten der Friedhofstraße setzen und diese Straße so überspannen, dann reicht der Platz für die durchgängige Radwegverbindung auf beiden Seiten“, erklärte Edwin Mayer.

Mittels einer „bewegten Simulation“ der Verkehrsabläufe, diese wird auch von den Genehmigungsbehörden eingefordert, belegten die Verkehrsspezialisten, dass ihre Planungen auch in der Realität so funktionieren kann – und die Teilnehmer staunten nicht schlecht. „Ich kann es mir zwar noch nicht ganz vorstellen, aber wenn es so kommt und auch so funktioniert, dann kann man sich auf der Friedhofstraße richtig wohl fühlen“, sagte Christa Columbus, die dort in einer Seitenstraße wohnt.

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