Mit einem Lächeln die Grenzen überwinden

Fest der Begegnung auf Babenhäuser Kasernengelände

Mit Leckereien aus ihren Herkunftsländern verköstigten die Flüchtlinge die Besucher des Begegnungsfestes.   Fotos: mj

Babenhausen (mj) – Wie lebt es sich auf dem Kasernengelände? Beim ersten Begegnungsfest in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge hatten Bürger die Gelegenheit, einen Blick in einige Räume zu werfen und Kontakt aufzunehmen.

Es ist ein Länderspiel der etwas anderen Art: An einem Tischkicker stehen auf der einen Seite eine Frau aus Deutschland und ein kleiner Junge aus Pakistan. Gegenüber versucht ein Mann aus Somalia mit dem geschickten Drehen der Stäbe den kleinen Ball ins Eckige zu bekommen. Allen liegt ein Lächeln auf den Wangen. „Wir haben uns vorher nicht gekannt. Obwohl meine Mitspieler weder Deutsch noch Englisch können, hat sich die Partie spontan ergeben“, erzählt die Frau Mitte 50, die sich als Privatperson in der Flüchtlingshilfe engagiert. Da sie schon öfters hier war, ist Zurückhaltung und Unsicherheit bei ihr kein Thema mehr. Das ist aber nicht bei allen Babenhäusern der Fall.

Um Berührungsängste abzubauen, stand am Sonntagnachmittag eine besondere Einladung in die ehemaligen US-Kaserne an: Beim ersten Begegnungsfest bot sich die Möglichkeit, die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die 2015 vom Land Hessen eingerichtet wurde, kennenzulernen und einen Blick in Bereiche zu werfen, die sonst nur dem Betreuungs- und Versorgungspersonal zugänglich sind.

Begegnungsfest in der Flüchtlingsunterkunft

„Die Idee zum Fest kam gleichermaßen von einer Vielzahl von Bediensteten, Gruppen und Vereinen, die hier tätig sind“, erzählt Einrichtungsleiter Tobias Soppart vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der mit 50 Personen das alltägliche Leben in der Flüchtlingsunterkunft managt. Dass das Fest überhaupt genehmigt wurde, ist für Soppart alles andere als selbstverständlich: „Damit ging ein großer Vertrauensvorschuss durch das zuständige Regierungspräsidium einher.“ Nach seinen Informationen sei die Veranstaltung das erste Begegnungsfest in Hessen, das in und nicht außerhalb einer Flüchtlingsunterkunft stattfindet.

Für die Besucher galt es zuerst den Sicherheits-Check mit Kontrolle der Taschen zu passieren, danach konnte in den Aufenthaltsbereichen mit den Bewohnern in Kontakt getreten werden. Einblick in die Schlaf- und Privatbereiche waren tabu. In der riesigen, ehemaligen Sporthalle der US-Streitkräfte, erwartete die Besucher eine Bühne und Festzeltgarnituren. Das Programm gestalteten die Bewohner zum Teil selbst: Eine 14-jährige Syrerin spielte Violine, ein pakistanisches Mädchen sang. „Für sie ist das vor wildfremden Menschen absolut ungewöhnlich. Das zeigt, dass der Wille zur Integration da ist“, lobte Soppart.

Viele Gruppen präsentierten Arbeit und Hobby

Draußen präsentierten das Polizeipräsidium, das THW und auch die ASB-Rettungshundestaffel ihre Arbeit. Dazu halfen die Kirchen, Vereine und Gruppen, die sich auch sonst in der Kaserne engagieren mit, den Tag zu gestalten. „Die Unterstützung aus der Stadt ist so groß, dass ich gar keine Zahlen und Namen nennen will, um niemanden zu vergessen“, konstatiert Soppart.

Derzeit leben knapp 300 Menschen in der Einrichtung. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise waren es 1 200. Für viele ehemalige Bewohner wurde zwischenzeitlich auf dem freien Wohnungsmarkt oder in kommunalen Einrichtungen eine neue Bleibe gefunden. Die größte Gruppe der Bewohner stammt derzeit aus Pakistan, darauf folgen Syrer und Afghanen.

„Ich sehe vor allem die Not und die armen Menschen"

Auch andere Nationalitäten wie etwa Tschetschenen, sind dabei. „Für uns gibt es keinen Unterschied, wo die Leute herkommen. Sie alle erwartet eine Einzelfallentscheidung zu ihrem Asylantrag, die keiner der Bediensteten hier treffen möchte“, sagt Soppart. Das Begegnungsfest und die damit bisher einmalige Möglichkeit, einen Eindruck zu bekommen, was sich hinter dem großen Zaun der Kaserne abspielt, wurde von zahlreichen Babenhäusern wahrgenommen. „Das ist wie eine eigene kleine Stadt hier“, meinte eine Frau. Eine andere zeigte sich angetan von den vielen Angeboten im Offenen Treff und wie professionell die Betreuung abläuft. Da sei Langeweile eigentlich ausgeschlossen.

Die unterschiedlichen Meinungen, die die Deutschen gegenwärtig zur Flüchtlingsfrage haben, wurden auf Nachfrage auch beim Begegnungsfest evident: „Ich sehe vor allem die Not und die armen Menschen. Solange wir Platz haben, sollten wir teilen“, sagte eine 57-Jährige. Ein 52-Jähriger betrachtet das ganz anders: „Man muss den Leuten vorrangig in ihrem Land helfen. Für ihn stimme was nicht, wenn für die Flüchtlings- und Migrationshilfe Milliarden aufgewendet werden und gleichzeitig das Babenhäuser Schwimmbad von Schließung bedroht ist. „Das Fest zeigt, dass hier nicht jeder mit einem Bombengürtel rumläuft“, meinte ein Ehepaar. Auch wären Familien auszumachen und nicht nur einzelne Männer.

Sprachbarriere beim Fest

Drei ältere Damen bemängelten die Sprachbarrieren, die kaum Kontakt und Unterhaltung zuließen. „So trauten sich die Flüchtlinge nicht zu uns und wir nicht zu ihnen“, bilanzierte das Trio. Die Sprachbarrieren war den Organisatoren bewusst, weshalb Dolmetscher anwesend waren. Einer wünschte im Auftrag der drei Damen einer kurdischen Familie mit Kleinkind viel Glück. „Darauf hin haben wir ein Lächeln zurückbekommen. Das nehmen wir als eine Erinnerung mit“, so die drei Babenhäuserinnen.

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