Plakette für ehemaliges Forsthaus „Krause Buche“

„Wir lieben alle Fledermäuse“

Übergabe der Plakette für das 1000. „Fledermausfreundliche Haus“ in Hessen (von links): Gerhard Eppler (Nabu-Landesvorsitzender), Fledermausexperte Klaus Richarz, Petra Gatz (Nabu-Projektleiterin), Susanne und Andreas Stroh, Umweltministerin Priska Hinz, Klaus Kempf (Nabu) und Hartmut Mai (Nabu-Geschäftsführer). Foto: Postl

Egelsbach (lfp) – Als Susanne und Andreas Stroh vor ein paar Jahren das ehemalige Forsthaus „Krause Buche“ am südwestlichen Rand des Koberstädter Waldes erwarben, war es stark renovierungsbedürftig – freilich aus Sicht der Menschen. Ganz wohl, vielleicht gerade ob dieses Zustandes, fühlten sich jedoch die Fledermäuse. Es gab nicht nur viele Einfluglöcher, sondern auch viel Platz für die „Wochenstuben“ der Flattermänner, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Dass sich gerade dort eine ganz besondere, zudem recht seltene Art eingenistet hatte, das erfuhren die neuen Forsthausbesitzer erst viel später.

„Wir haben es, nachdem wir das Anwesen von Hessen Forst erworben hatten, erst einmal über ein paar Jahre hinweg wieder aufgepäppelt, dabei haben wir immer wieder Fledermäuse in der Dämmerung herumfliegen sehen“, berichtet Susanne Stroh. Eine ökonomische Bauweise oder auch Sanierung schließt jedoch ein, dass alle unnötigen Öffnung verschlossen werden – ein großer Nachteil für Fledermäuse. „Wir haben die vom Nabu angeboten Fledermauskästen aufgehängt, aber die wurden nicht angenommen, also haben wir wieder entsprechende Öffnungen am Nebengebäude gelassen“, berichtet die Forsthausherrin. Aufgrund der großen Fledermauskonzentration rund um das ehemalige Forsthaus erfolgten Forschungsarbeiten des Instituts für Tierökologie. Als eine ganz besondere Fledermaus, die Mückenfledermaus, die mit einem Sender ausgestattet war, geortet werden konnte, war die Überraschung groß. Noch erstaunter waren die Fledermausforscher, als sie auf eine ganze Kolonie der kleinsten Fledermaus Deutschlands stießen. Die „pipistrellus pygmaeus“, wie sie wissenschaftlich bezeichnet wird, misst vom Kopf bis Rumpf gerade mal 36 bis maximal 51 Millimeter und hat eine Flügelspannweite zwischen 180 und 240 Millimeter. Der große Abendsegler erreicht dagegen eine Flügelspannweite bis zu 460 Millimeter. „Wir lieben alle Fledermäuse und tun auch alles, damit sie sich hier wohl fühlen, egal welche Art es ist“, betont Susanne Stroh.

Für den Nabu Landesverband Hessen war das ehemalige Forsthaus „Krause Buche“ jedoch doppelt interessant. „Einerseits wegen des Vorkommens einer ganzen Kolonie der Mückenfledermaus, aber mehr noch, weil sich die Besitzer wirklich vorbildlich um die Fledermäuse kümmern“, betont Petra Gatz, Projektbeauftragte Fledermausschutz des Nabu Hessen. Susanne und Andreas Stroh waren nicht minder interessiert und wollten an der Nabu-Aktion „Fledermausfreundliches Haus“ mitmachen. Sie beherbergen nicht nur über 300 Weibchen der Mückenfledermaus, die ihre Jungtiere unter der Holzverschalung des Hauses groß ziehen, sondern noch weitere Fledermausarten.

Dass sie nun von der Hessischen Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz, mit der Plakette für das 1.000 fledermausfreundliche Haus ausgezeichnet wurden, freut sie besonders.

Aber auch die Ministerin, die die Plakette überreichte, lobte das Engagement von Susanne und Andreas Stroh. „Durch Ihr Vorbild erreichen wir eine weitere Akzeptanz des Schutzes von Fledermäusen und hoffen auf weitere Nachahmer“, sagt Priska Hinz. Ein großes Lob gab es aber auch vom Nabu-Landesvorsitzenden Gerhard Eppler.

Kontakt zum „Fledermaus-Telefon“ beim Nabu Hessen: Telefon 06441 6790425.

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