„Crazy Train“ gab den Ausschlag

Mark Protze findet neue Heimat in Neu-Isenburg

In Neu-Isenburg spielte der arrivierte Rockgitarrist Mark Protze vor zwei Jahren auf dem Open-Doors-Festival, ein Jahr später zog er in die Hugenottenstadt. Foto: Mangold

Neu-Isenburg (man) – Vor einem Jahr zog der Rockgitarrist Mark Protze nach Neu-Isenburg, viel Zeit brauchte der Musiker mit der auffälligen Mähne nicht, um sich hier zu Hause zu fühlen.

Wer mit Protze spricht, hört es nach drei Worten: Der Mann kommt nicht von hier. Aber der Wolfsburger erzählt, er habe auch bei den ersten Einkäufen keine Probleme gehabt, die Frau an der Supermarktkasse zu verstehen. Und die Mentalität habe ihm sowieso gleich gefallen. Der Menschenschlag in seiner nördlichen Heimat verhalte sich um einiges steifer als der Isenburger an und für sich.

Vor einem Jahr zog der Rockgitarrist, Komponist und Produzent Mark Protze von Wolfsburg in die Hugenottenstadt. Das rührte letztlich vom Isenburger Open-Doors-Festival vor zwei Jahren her. Protze trat mit seiner Band Ryffhuntr auf. In einer Pause kam er mit einer Einheimischen ins Gespräch. Es funkte. Nach einem Jahr Fernbeziehung wechselte der Musikus den Wohnort. Für ihn gestaltete sich ein Umzug beruflich einfacher als für seine Freundin.

Nicht nur Luftgitarre

Die Rockband Ryffhuntr inspiriert in der gesamten Republik Langhaarige mit breitem Stirnband zum „Headbanging“. Die Formation interpretiert hauptsächlich Songs aus den 80er Jahren. Der 40-Jährige erzählt von Fernseherlebnissen in jungen Jahren. In den Musiksendungen spielten Gruppen wie Bon Jovi und Van Halen.

Damals träumten Kinder davon, Tore wie Karl-Heinz Rummenigge zu schießen, wie Toni Schumacher Bälle zu halten. Für Mark war einer wie Randy Rhoads ein Idol. Der spielte bei Ozzy Osbourne Gitarre. Als der Bub dessen Part im Song „Crazy Train“ hörte, wollte er das Instrument sofort selbst lernen. Solche Wünsche münden in der Regel in einer kurzlebigen Luftgitarrenkarriere.

Nicht bei Protze. Er nahm mit zwölf Jahren Unterricht und übte auch während seiner späteren Lehre zum Industriemechanikerbei Volkswagen und seinem anschließendem Engagement im Konzern zwischen drei und vier Stunden am Tag. Das Ziel: an den Jazz und Rock Schulen Freiburg zu studieren. Dafür ließ er nach bestandener Aufnahmeprüfung einen gut dotierten und relativ sicheren VW-Job sausen, für den sich andere an die Decke streckten: „Geld und Sicherheit ist nicht alles“. Verbiegen würde er sich auch nicht musikalisch. Kaum vorstellbar wäre es sowieso, „für Volksmusik bin ich nicht zu haben“. Hungern muss er trotzdem nicht.

Musik für Sportsender

Protze, der auch Soloprojekte wie die CD „Reflections“ aufnimmt und vertreibt, zeichnet ein virtuoses Gitarrenspiel mit einem ureigenem Sound aus. Der Mann fegt nicht minder rasend über Saiten und Bünde als die Idole seiner Kindheit. Die meisten verbinden mit der Hardrockszene nicht nur lange Haare und verwegene Tätowierungen, wie sie Mark Protze trägt, sondern auch Drogen, literweise Whisky und ähnlich hochprozentige Essenzen, deren Genuss nicht selten zu morgendlicher Bitternis führt.

Der sehnig-muskulöse Gitarrist entspricht in diesem Punkt so gar nicht dem Klischee seiner Zunft. Durch den eigenen Sport an steilen Wänden kam etwa der Kontakt zum österreichischen Profikletterer und Buchautor Jürgen Reis zustande, für dessen Internetauftritte Protze ebenso die Musik komponiert wie für europäische Sportsender.

Von seinen Schülern musste sich der Niedersachse in Wolfsburg verabschieden, in Isenburg freuen sich jetzt andere: Der Profi gibt im Bildungszentrum Westend Unterricht.

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